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Drogenkonsum in der Schwangerschaft : Cannabis macht verwundbar

  • -Aktualisiert am

Ein Joint wird geraucht - in einem Café in Maastricht Bild: dpa

Über Cannabiskonsum in der Schwangerschaft kursieren viele Mythen. Forscher wissen inzwischen Genaueres über die Auswirkungen auf das ungeborene Kind.

          Bis zu fünf Prozent aller Mütter räumen bei Befragungen ein, während der Schwangerschaft Cannabis konsumiert zu haben. Damit gehört die Substanz zu den am häufigsten gebrauchten illegalen Drogen, mit denen werdende Mütter und ihre ungeborenen Kinder in Berührung kommen – so lautet die Bilanz eines australischen Wissenschaftlerteams, das jetzt mit einer Studie im „Journal of Perinatology“ angetreten ist, die vielen Mythen, die über Cannabiskonsum in der Schwangerschaft kursieren, ein für allemal aus der Welt zu schaffen (doi: 10.1038/jp.2013.180).

          Etwa 180 Millionen Menschen weltweit konsumieren Cannabis. Dass es versehentlich auch am Anfang von Schwangerschaften konsumiert wird, verwundert deshalb nicht. Auch in deutschen Mütterforen findet man Beiträge, in denen Frauen sich die Besorgnis über den Konsum in den ersten Wochen der Schwangerschaft von der Seele schreiben. Aber es gibt auch Bekenntnisse wie: „Ich bin im siebten Monat schwanger, und es ist sehr traurig, dass ich es nicht schaffe, mit dem Kiffen aufzuhören.“ Andere werdende Mütter wiederum schreiben, dass sie sich informiert hätten und man in vielen Teilen der Welt Marihuana sogar gegen Schwangerschaftsübelkeit rauche. Auch wegen dieser extremen Schwankungen – zwischen Panik und Verharmlosung – in der öffentlichen Wahrnehmung haben die Wissenschaftler um Ju-Lee Oei von der University of New South Wales die wichtigsten Studien gesichtet und dabei eingeschätzt, wie die Ergebnisse zu beurteilen sind.

          Verringertes Wachstum

          Als gesichert sehen die Forscher es an, dass Cannabiskonsum mit einem verringerten Wachstum des Fötus in der mittleren und späten Schwangerschaft und einem unterdurchschnittlichen Gewicht bei der Geburt in Verbindung steht. Beschrieben, wenn auch nicht anhand großer Gruppen untersucht, ist auch eine veränderte Reaktion auf routinemäßige Reflextests nach der Geburt und auf den Schlafzyklus der Babys.

          Am häufigsten wurde versucht, die neurokognitive Entwicklung betroffener Kinder einzuschätzen. Bisherige Studien fanden im Vorschulalter kaum Unterschiede zwischen exponierten und nicht-exponierten Kindern. Ab dem Schulalter ändert sich das Bild: Waren Kinder im Mutterleib Cannabis ausgesetzt, zeigen sie im Vergleich zu anderen Gleichaltrigen größere Schwierigkeiten, visuelle Aufgaben zu lösen, auch die verbalen Fähigkeiten waren herabgesetzt. Zudem finden sich aggressive Verhaltensweisen und Aufmerksamkeitsstörungen häufiger, insbesondere bei Mädchen.

          Umwelteinflüsse verfälschen Studien

          All diese Ergebnisse, schreiben die australischen Mediziner, erlaubten noch keine endgültigen Aussagen. Die direkten Effekte der Substanzen aus der Hanfpflanze auf den Fötus sind schwer abzuschätzen, weil die späteren kognitiven Fähigkeiten und das Verhalten auch von der Umwelt beeinflusst werden, der die Kinder nach der Geburt ausgesetzt sind. Die Australier nennen an dieser Stelle Stress, Armut und einen schlechten Ernährungsstatus, weisen aber auch darauf hin, dass der Konsum weiterer Drogen und von Alkohol in der Schwangerschaft die Entwicklung der Kinder zusätzlich beeinflussen kann, was es schwierig macht, die Auswirkungen von Cannabis für sich genommen zu erfassen.

          Mehr über mögliche molekulare Mechanismen, die auf Cannabiskonsum in der Schwangerschaft folgen, hat derweil ein internationales Wissenschaftlerteam um Tibor Harkany von der Medizinischen Universität Wien herausgefunden. Die Forscher verabreichten die bedeutendste psychoaktive Komponente von Cannabis, Delta-9-Tetrahydrocannabinol, an trächtige Mäuse („The EMBO Journal“, doi: 10.1002/embj.201386035). Bei den Föten sank der Gehalt des Proteins Stathmin-2 in der Gehirnrinde. Das Eiweiß bindet an Mikrotubuli in den Axonen der Gehirnnervenzellen und beeinflusst auf diese Weise die Vernetzung der Nervenzellen untereinander. Möglicherweise verdränge Delta-9-Tetrahydrocannabinol körpereigene Endocannabinoide von ihren Rezeptoren auf sich entwickelnden Nervenzellen, mutmaßen die Forscher. So käme die ursprünglich beabsichtigte Signalwirkung nicht zum Tragen, was letztlich die Verbindungen zwischen den Gehirnnervenzellen verändert. „Selbst wenn Tetrahydrocannabinol nur zu kleinen Veränderungen führt, kann seine Wirkung ausreichen, um das Gehirn für Stressoren oder Krankheiten zu sensibilisieren, die bei den Betroffenen später neuropsychiatrische Störungen hervorrufen“, bilanziert Harkany.

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