http://www.faz.net/-gwz-7405v
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 06.11.2012, 07:00 Uhr

Kardiologie Bessere Gefäßstütze aus Biopolymer

Das Material ist vergänglich: Eine neuartige Gefäßstütze, ein Stent für verengte Herzkranzarterien, wird aus einem abbaubaren Biopolymer gefertigt. Welche Vorteile birgt das?

von Nicola von Lutterotti
© dpa Operation am Deutschen Herzzentrum Berlin

Zur Behandlung von Patienten mit verengten Herzkranzarterien steht seit kurzem eine neuartige Gefäßstütze, ein Stent, zur Verfügung. Im Unterschied zu den Vorgängern besteht dieser Stent nicht aus Metall, sondern aus einem abbaubaren Biopolymer. Von der Vergänglichkeit des Materials verspricht man sich, die Schwachstellen der bisherigen Stent-Therapie beseitigen zu können. So führen die Gefäßstützen der ersten Stunde, die „nackten“ Stents, häufiger zu einem Wiederverschluss der behandelten Ader, da sie in der Gefäßwand teilweise starke zelluläre Wucherungen auslösen.

Wie lange dauert der Abbauprozess?

Derartige Rückfälle treten bei ihren Nachfolgern zwar kaum noch auf. Denn die beschichteten Stents geben einen Wirkstoff ab, der das Zellwachstum unterdrückt. Andererseits bergen sie aber ein erhöhtes Risiko für thrombosebedingte Verschlüsse - möglicherweise, weil die von ihnen freigesetzten Zytostatika die natürlichen Heilungsprozesse behindern. Patienten, die beschichtete Stents erhalten, müssen daher längerfristig gerinnungshemmende Mittel einnehmen. Auch die seit kurzem erhältlichen, abbaubaren Gefäßstützen sind zwar mit Zytostatika imprägniert. Da sie sich mit der Zeit aber auflösen, sollten die einschlägigen Gefahren nur vorübergehend bestehen - so jedenfalls die Hoffnung. Ob sie sich erfüllt, lässt sich aufgrund des Mangels an Daten bislang nicht sagen. Unklar ist zudem noch, wie stabil die neuen Stents sind, wie vollständig sie resorbiert werden und wie lange der Abbauprozess dauert.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Risiko Fettleibigkeit Leben Dicke wirklich länger?

Jahrelang hielt sich die Mär, dass dickleibige Personen bessere Überlebensaussichten hätten als schlankere. Doch legen Sie Ihren Nutella-Löffel besser weg: Denn ein Forscherteam hat sich die Daten nochmal genau angesehen. Mehr Von Nicola von Lutterotti

25.07.2016, 20:18 Uhr | Wissen
Transplantationen Organspenden dramatisch gesunken

Die Zahl der Organspender in Deutschland ist so gering, dass viele Patienten auf der Warteliste versterben. Ein Grund dafür ist eine Reihe von Skandalen. Was kann man dagegen tun? Der Beitrag des Bayerischen Rundfunk ist auch in der Sendung mehr/wert am 30.06. um 19 Uhr im BR zu sehen. Mehr

30.06.2016, 17:26 Uhr | Wirtschaft
Erweiterte Realität Dieser Durchblick hilft enorm

Die Welt ist im Pokémon-Fieber. Doch die Technik, die dahintersteckt, kann mehr. Die Erweiterung der Wirklichkeit verspricht Fortschritte in der Psycho- und Physiotherapie. Mehr Von Jan Schwenkenbecher

25.07.2016, 09:00 Uhr | Wissen
Krankenhaus Benjamin Franklin Patient schießt auf Arzt in Berliner Klinik

Im Berliner Universitätsklinikum Benjamin Franklin hat ein Patient auf einen Arzt geschossen. Die Tat habe keinen Bezug zum islamistischen Terrorismus, so die Polizei. Mehr

26.07.2016, 15:05 Uhr | Gesellschaft
Medikamenten-Transport Nanocontainer für empfindliches Frachtgut

Winzige, fast unsichtbare Nanokapseln, die Wirkstoffe gezielt an einen bestimmten Ort im Körper transportieren, erleben einen Boom. Aber sind sie auch kontrollierbar? Forscher melden einen Durchbruch. Mehr Von Uta Bilow

27.07.2016, 08:08 Uhr | Wissen