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Kältetherapie : Kann man sich schlank schlottern?

  • -Aktualisiert am

Eintauchen im Stickstoffnebel bei minus 150 Grad. Nach drei Minuten sollte man wieder raus. Bild: KARSTEN MORAN/The New York Times

Deutschland erlebt einen Wintereinbruch. Überall hört man Niesen und Schniefen. Dabei soll Kälte gesund sein und Kilos purzeln lassen. Ein Selbstversuch.

          Gegen Winterblues und Weihnachtsspeck gibt es jetzt womöglich ein sehr einfaches Mittel: ordentlich frieren. Ganzkörper-Kryotherapie (griechisch „kryos“ für kalt) heißt der neue Gesundheitstrend aus den Vereinigten Staaten, der gerade nach Europa kommt. Die Anbieter versprechen straffere Haut, bessere Durchblutung, Endorphinausschüttung und vor allem weniger Pfunde. Zudem soll die Kryotherapie gegen Krankheiten wie Alzheimer, Rheuma, Arthritis, Migräne und auch gegen Depressionen helfen. Man muss dafür nur drei Minuten in einen Eisschrank steigen. Und halbnackt minus 150 Grad aushalten.

          Frost gegen Frust? Kälte gegen Krankheiten? Hilft das wirklich? Die Zahl der Kälteanhänger jedenfalls wächst. Spitzensportler schwören auf Eiseskälte, um schneller zu regenerieren. Darunter sind Basketballspieler der NBA, aber auch Fußballer wie Cristiano Ronaldo und Franck Ribéry. Besonders angetan vom bedingungslosen Frieren bei Weltraumtemperaturen sind aber vor allem Hollywood-Stars. Jessica Alba, Demi Moore und Jennifer Aniston bibbern regelmäßig, um jung und knackig zu bleiben - mit unterschiedlichem Erfolg. Und auch Daniel Craig bereitet sich im Eisschrank auf die Weltrettung vor.

          Einmal so cool sein wie James Bond - das sollte man ausprobieren. Man lebt schließlich nur zweimal. Die Reise geht nach München, das Ziel ist Cryosizer, jenes Kältestudio in der Leopoldstraße, das vor gut einem Jahr eröffnet wurde. Beste Lage, die Schickeria wohnt gleich um die Ecke. Besitzer Dejan Blagojevic, ein junger Vater und Personal Trainer, öffnet die Türe. Gepflegte Glatze, drahtige Figur, Lederarmband. Dejan, wie er sich vorstellt, reicht erst einmal grünen Tee mit Grapefruit und Guave, kalt aufgegossen, versteht sich. Dann zählt er die positiven Wirkungen der Kryotherapie auf: Gesundheit, Fettreduktion, Leistungssteigerung. Natürlich sei die Methode völlig ungefährlich, sagt er.

          Drei Minuten Schockfrost

          Erfunden hat die Ganzkörperkältetherapie der Japaner Toshima Yamauchi Ende der siebziger Jahre. Die Methode hat den Vorteil, dass der eiskalte Stickstoffnebel den Körper sofort umhüllt und direkt auf die Haut wirkt. Mit den im Profisport beliebten Eistonnen hat die Ganzkörperkryotherapie nichts gemein. Auf ein paar Eiswürfel legen kann sich ja jeder.

          Umstandslos deutet Blagojevic auf die Umkleidekabine. Für drei Minuten Schockfrost behält man lediglich die Unterhose an und schlüpft mit den Füßen in Fellschuhe, damit sie keinen Gefrierbrand erleiden. Anschließend steigt man in den Eisschrank, Modell Weltraumdusche. Nur der Kopf schaut oben raus. Dejan schließt die Tür und greift mit der Hand zum Stickstofftank. „Bereit?“, fragt er. Der Puls steigt. Kurz bevor es losgeht, hat Dejan aber noch ein paar Fragen: Ob Herzkreislaufprobleme vorliegen, will er wissen; eventuelle Lungenbeschwerden Bluthochdruck, Entzündungen, akute Erkältungen fragt er ebenfalls ab. Keine Auffälligkeiten. Nur der Puls rast inzwischen.

          Tatsächlich verhält es sich mit der Eissauna wie mit dem heißen Pendant: Nur wer gesund ist, sollte sie nutzen. Seit im Oktober 2015 eine junge Frau in Las Vegas in der Weltraumdusche starb, ist in den Staaten eine Debatte über Sinn und Nutzen der Kryotherapie entbrannt. Die Mitarbeiterin erfror während einer Kältebehandlung. Man fand sie am nächsten Morgen, zusammengekauert in der Embryostellung, das Handy neben ihrem Körper. Offenbar war der Frau das Smartphone aus der Hand gefallen, schrieb die New York Times. Als sie sich bückte, um es aufzuheben, muss sie im Stickstoffnebel das Bewusstsein verloren haben. Der Unterkühlungstod tritt bei minus 150 Grad sehr schnell ein: 37 Grad beträgt die Körpertemperatur eines gesunden Menschen. Schon bei weniger als 30 Grad besteht Lebensgefahr.

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