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Immuntherapie gegen Krebs : Der Körper hilft sich selbst

Die Medizin nutzt spezielle Antikörper (grün und lila), die eine Bremse im Immunsystem ausschalten sollen (hier gelborange). Dadurch soll es imstande sein, Krebszellen zu bekämpfen. Bild: Science Photo Library

Der Immunologe Tasuku Honjo ist der Vater einer Krebstherapie, die derzeit große Hoffnungen weckt: Immuntherapie. Ärzte müssen jetzt beim Patienten auf ganz neue Dinge achten.

          Mit Golfspielen hält er sich fit, überzeugt, dass sich körperliche Stärke auf die geistige auswirkt. Tasuku Honjo hofft, vielleicht noch fünf, zehn Jahre wie bisher weitermachen zu können. Danach ist er sich nicht so sicher, ob er nicht vielleicht doch an seine Grenzen kommt. Aber vorher denkt der japanische Immunologe nicht einmal daran, die Forschung aufzugeben. Oder das Unterrichten und Betreuen von Studenten zu lassen. Dabei treibt Honjo, der jetzt am 27. Januar seinen 75. Geburtstag feiern kann, mit seinen Entdeckungen nicht nur das eigene Fachgebiet, die Immunologie, seit Jahrzehnten entscheidend voran, sondern außerdem die Onkologie.

          Sonja Kastilan

          Redakteurin im Ressort „Wissenschaft“der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wenn derzeit über Immuntherapien gegen Krebs berichtet wird, die auf sogenannten Checkpoint-Hemmern beruhen, ist das unter anderem sein Verdienst. Tumoren der Haut, Lunge und Niere zählen zu den bereits zugelassenen Anwendungsbereichen. Doch erprobt wird diese Art von Medikamenten bereits auch an anderen Krebspatienten, die davon profitieren könnten, dass ihr Immunsystem die bösartigen Wucherungen eindämmt. Den Schlüssel dazu liefert das Molekül PD-1, dessen Einfluss auf den programmierten Zelltod Honjo mit seinen Mitarbeitern 1992 entdeckt hatte: „Eher zufällig, aber es erschien mir interessant, und dieser Eindruck steigerte sich mit jedem weiteren Schritt, den wir mit unseren Studien machten. Schließlich mündete es sogar in der klinischen Anwendung.“ Die Ergebnisse aus den Versuchen an Mäusen ließen sich auf den Menschen übertragen: Spezifische Antikörper können die Funktion von PD-1 unterbinden, daraufhin werden T-Zellen aktiv, die durch sie nun angegriffenen Tumore bilden sich zurück, und Krebspatienten überleben länger. Wenn sie denn auf diese Therapie ansprechen, und solange die Nebenwirkungen nicht zu heftig werden, etwa das Herz oder andere Organe angegriffen werden. Zwei Präparate, die in diesen Mechanismus eingreifen, sind mittlerweile auch in Deutschland auf dem Markt.

          Immuntherapie auf dem Vormarsch

          Wenn er über seine Arbeit spricht, ist Tasuku Honjo ganz der ernsthafte Wissenschaftler, dessen Klarheit und Konsequenz des Denkens seine internationalen Kollegen ebenso schätzen wie sie ihn für seine Disziplin, Beharrlichkeit und den Enthusiasmus für die Immunologie bewundern. Bei einem Treffen in Kyoto ist dem japanischen Forscher während des Gesprächs kaum anzumerken, dass er als einer von drei Preisträgern gerade eine Woche lang groß gefeiert wurde. Mit Abendempfängen, traditionellen Zeremonien, Festakt, Bankett, Workshop und mehreren Vortragstagen. Ein umfassendes Programm, das sich in diesem Jahr noch mit einem wissenschaftlichen Symposion in San Diego und Oxford fortsetzen wird.

          Tasuku Honjo wurde am 27. Januar 1942 in Kyoto geboren. Seine Liebe zur Biologie entdeckte er bereits als Schüler, Insekten faszinierten ihn besonders. Daraus entwickelte sich während des Medizinstudiums in Kyoto eine Begeisterung für Immunologie und Grundlagenforschung. 1975 promovierte er im Bereich der Medizinischen Chemie, forschte bis 1979 an der Universität in Tokio, wechselte dann als Professor nach Osaka und 1984 zurück nach Kyoto; von 1989 bis 1997 wirkte er zudem an der Universität von Hirosaki. Seit 2005 ist Honjo emeritiert, betreut aber nach wie vor Studenten. Er ist unter anderem Mitglied der Leopoldina, Deutschlands Nationaler Akademie der Wissenschaften, und erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter 2012 den Robert-Koch-Preis und 2016 den Kyoto-Preis.
          Tasuku Honjo wurde am 27. Januar 1942 in Kyoto geboren. Seine Liebe zur Biologie entdeckte er bereits als Schüler, Insekten faszinierten ihn besonders. Daraus entwickelte sich während des Medizinstudiums in Kyoto eine Begeisterung für Immunologie und Grundlagenforschung. 1975 promovierte er im Bereich der Medizinischen Chemie, forschte bis 1979 an der Universität in Tokio, wechselte dann als Professor nach Osaka und 1984 zurück nach Kyoto; von 1989 bis 1997 wirkte er zudem an der Universität von Hirosaki. Seit 2005 ist Honjo emeritiert, betreut aber nach wie vor Studenten. Er ist unter anderem Mitglied der Leopoldina, Deutschlands Nationaler Akademie der Wissenschaften, und erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter 2012 den Robert-Koch-Preis und 2016 den Kyoto-Preis. : Bild: Inamori Foundation, Kyoto

          Neben der amerikanischen Philosophin Martha Craven Nussbaum und dem japanischen Robotikexperten Takeo Kanade wurde Tasuku Honjo im November mit dem Kyoto-Preis 2016 gewürdigt: für seine Erfolge auf dem Gebiet der Grundlagenforschung. Dass die Diagramme beim öffentlichen Vortrag im Internationalen Konferenzzentrum so manchen Zuhörer an seine Grenzen brachten, lag wohl weniger an den japanischen Schriftzeichen neben seinen Grafiken als an der Komplexität des von ihm erklärten Geschehens im menschlichen Immunsystem. Antigene, Antikörper, T- oder B-Lymphozyten sind nicht jedermanns Ding. Aber die Botschaft, dass das eigene Immunsystem helfen kann, gegen Tumoren vorzugehen, blieb trotzdem hängen. Sein Workshop an der Universität ging am Tag darauf tiefer ins Detail, doch hier schien es Honjo leichter zu fallen, die Bedeutung einzelner Moleküle und Gene für Impfungen oder die Krebstherapie herauszustellen, er zelebrierte ein „Revival der Immunologie“.

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