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HIV-Impfstoff : Nur mal schnell die Welt retten

„Nur Mut, sei bereit - schütz dich!“ Es ist cool, wenn ein Superheld, wie dieser hier in Australien von 1985 bis 1995, für Kondome wirbt. Dann scheuen vielleicht auch Normalsterbliche nicht davor zurück. Bild: Aborginal Health Workers of Australia

AIDS: Optimisten auf der Suche nach einem wirkungsvollen Impfstoff gegen den Erreger. Wie wollen sie schaffen, was bislang niemandem gelang?

          Wir versuchen etwas, was so noch niemals zuvor unternommen wurde.“ Mark Feinberg beschreibt mit diesen Worten nicht etwa den Versuch, den Mount Everest über eine waghalsige Route zu besteigen. Vermutlich wäre das leichter zu bewerkstelligen. Feinberg ist Mediziner und befasst sich seit seinen Studienjahren in Stanford mit dem Aids-Erreger: Keinen Berg gilt es zu bezwingen, sondern ein einzigartiges Virus, das im Jahr 1983 entdeckt wurde und inzwischen rund um den Globus verbreitet ist.

          Sonja Kastilan

          Redakteurin im Ressort „Wissenschaft“der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation sind heute weltweit mehr als 36,9 Millionen Menschen mit HIV infiziert, dem Humanen Immundefizienz-Virus, das 2014 rund 1,2 Millionen den Tod brachte. Für Europa meldeten die Behörden die höchste Zahl der Neuinfektionen seit dem ersten Auftreten der Krankheit: 142 000 Fälle waren es im vergangenen Jahr. Immerhin kann die antivirale Kombinationstherapie derzeit fast 16 Millionen Menschen helfen zu überleben, auch können Medikamente vor Ansteckung schützen. Um der Pandemie jedoch Einhalt zu gebieten, müsste ein sicherer und wirkungsvoller Impfstoff gefunden werden. Davon ist Feinberg wie viele seiner Kollegen überzeugt. Seit September steht er als Präsident der International AIDS Vaccine Initiative vor, kurz IAVI, die seit bald zwanzig Jahren das Ziel verfolgt, die Impfstoffforschung auf allen Ebenen voranzutreiben. „Mit der besten Wissenschaft, für jedes Glied der Forschungs- und Entwicklungskette“, nur so könne es gelingen. Für Innovationen bietet HIV genügend Anreize, und so faszinierend die Biologie des tödlichen Erregers ist, so sehr fordert sie die Forscher heraus.

          Schaffen, was dem Körper nicht gelingt

          „Wir müssen besser sein als die natürliche Immunantwort, wenn wir ein Vakzin entwickeln wollen“, betont Feinberg im Gespräch. Alleine wird der menschliche Körper die Viren in der Regel nie wieder los. Als Retrovirus nistet sich HIV im Erbgut seines Wirtes ein, versteckt sich zudem in bestimmten Zellen vor den Elementen des Immunsystems. Die Infektion bleibt meist chronisch bestehen, zudem können sich weitere Typen des erstaunlich wandelbaren Erregers dazugesellen - Infizierte sind nicht vor Ansteckung mit anderen Varianten geschützt. Es grassieren nicht nur mehrere Untergruppen von HIV-1 und HIV-2, sondern zahlreiche Stämme, gegen die sich ein Impfstoff dann richten müsste. Ähnlich einem Breitbandantibiotikum, nur eben prophylaktisch. Abgeschwächte HI-Viren eignen sich nicht dafür: Das Risiko einer tückischen Verwandlung, wie sie sogar bei Polio auftrat, erschien von vornherein zu groß.

          Die ersten Impfstudien Ende der 1980er Jahre, die nach bewährten Mustern unternommen wurden, waren ernüchternd. Es gelang zum Beispiel nicht, eine schützende Antikörperantwort gegen das charakteristische Envelope-Protein auf der Virusoberfläche zu provozieren, wie man es von anderen Impfstoffen gewohnt war. Die Vakzinologen waren ratlos und frustriert, zugleich setzte die wachsenden HIV-Pandemie sie unter Druck, daran erinnerten Anthony Fauci und Hilary Marston kürzlich in „Science“.

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