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Hirnerkrankungen (2) : Warum die Migräne so oft missgedeutet wird

  • -Aktualisiert am

Hilft Akupunktur gegen Migräne? Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Der Kopf hämmert, das Denken ist wie gelähmt. Speiübel, immer wieder. Inzwischen gibt es so viele Migräne-Mythen wie Heiler. Dennoch: Es gibt neuen Grund zur Hoffnung.

          Julius Caesar, Napoleon, Marie Curie, Sigmund Freud und Vincent van Gogh - sie alle litten unter Migräne. Erstmals wurden die Symptome der Migräne 3000 v. Chr. in alten mesopotamischen Schriften beschrieben. Die alten Griechen glaubten, dass giftige Dämpfe aus der Leber Ursache der Beschwerden seien. Heute zählt die Migräne zu den häufigsten Krankheiten weltweit. Allein in Deutschland sind etwa 18 Millionen Menschen betroffen. In den vergangenen Jahren hat insbesondere die Zahl der an Migräne erkrankten Kinder deutlich zugenommen. Um die Migräne ranken sich viele Mythen. Was ist da dran aus wissenschaftlicher Sicht.

          Mythos 1: Es ist alles psychisch

          Über viele Jahrzehnte hinweg wurde die Migräne als eine ausschließlich oder überwiegend psychosomatische Erkrankung angesehen. Das Buch „Pünktchen und Anton“ von Erich Kästner ist dafür ein gutes Beispiel. Hier schreibt Erich Kästner: „Frau Direktor hat eine Migräne: Migräne ist, wenn man eigentlich gar keine Kopfschmerzen hat.“ In der Zwischenzeit gibt es eine Vielzahl an wissenschaftlichen Befunden, die zeigen, dass die Migräne eine biologisch bedingte, meist vorübergehende Funktionsstörung des Gehirns ist.
          Es gibt eine ausgeprägte genetische Komponente, und in der Zwischenzeit sind über 35 Gene identifiziert, die mit einer Migräne assoziiert sind. Es gibt bei der Migräne allerdings, epidemiologisch gesehen, Überlappungen mit psychiatrischen Erkrankungen wie Depressionen oder Angsterkrankungen. Es ist auch nachvollziehbar, dass Menschen, die unter sehr häufigen und schwereren Migräneattacken leiden, psychisch beeinträchtigt sind.

          Illustration zur Artikelserie „Hirnerkrankungen - wo stehen wir?“
          Illustration zur Artikelserie „Hirnerkrankungen - wo stehen wir?“ : Bild: Thomas Fuchs

          Mythos 2: Männer und Kinder haben keine Migräne

          Große epidemiologische Studien zeigen, dass Frauen deutlich häufiger von Migräne betroffen sind als Männer. So beträgt die Häufigkeit der Migräne bei Frauen etwa zehn bis 15 Prozent und bei Männern sieben bis acht Prozent. Auch Kinder können bereits unter einer Migräne leiden, wobei hier die Häufigkeit drei bis vier Prozent beträgt. Bis zur Pubertät sind Jungen und Mädchen gleich häufig von Migräne betroffen, danach zeigt sich ein sehr viel häufigeres Auftreten der Migräne bei Frauen. Gründe hierfür sind möglicherweise die Hormonschwankungen im Rahmen des Hormonzyklus und genetische Faktoren.

          Mythos 3: Meine Wechseljahre sind vorüber, aber die Migräne bleibt

          Die Migräne erreicht bezüglich der Intensität und Häufigkeit ihren Gipfel zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr. Bei Frauen wird die Migräne zu Beginn der Wechseljahre oftmals schlechter und anschließend besser. Bei 80 Prozent aller Frauen verschwindet die Migräne in den zehn Jahren nach den Wechseljahren. Bei den übrigen Frauen kann es jedoch auch bis ins hohe Alter noch zu Migräneattacken kommen. Diese sind aber meist kürzer und weniger intensiv als in der Jugend. Manchmal ändert sich auch der Charakter der Migräne mit dem Alter, und es treten dann beispielsweise nur noch Auren ohne Kopfschmerzen auf.

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