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Herzmedikamente : Digitalis und die Risiken

  • -Aktualisiert am

Der wollige Fingerhut wird als Arzneipflanze angebaut Bild: AP

Ein altes Herzmittel verliert seinen Ruf: Digitalispräparate, aus Fingerhut gewonnen, führen möglicherweise zu einer erhöhten Sterblichkeit.

          Das Herzmittel Digitalis und seine Verwandten, die Herzglykoside, geraten zunehmend in die Kritik. Aus Fingerhutgewächsen (Digitalis) gewonnen, spielten die den Puls verlangsamenden und das schwache Herz stärkenden Naturstoffe

          in der Kardiologie lange Zeit eine wichtige Rolle. Inzwischen verwendet man sie fast nur noch zur Behandlung von Patienten mit Vorhofflimmern - einer vor allem im Alter verbreiteten Herzrhythmusstörung, die vielfach unangenehmes Herzstolpern und Herzrasen hervorruft. Auch diese letzte therapeutische Bastion könnten sie aber schon bald verlieren. Denn wie aus einer Analyse amerikanischer Wissenschaftler hervorgeht, führen die alten Herzmittel möglicherweise zu einer erhöhten Sterblichkeit der Betroffenen.

          Bei ihren Untersuchungen stützten sich der Kardiologe Matthew Whitbeck von der University of Kentucky und Kollegen auf die Daten einer bereits abgeschlossenen Studie mit dem Kürzel Affirm. Die darin einbezogenen Probanden, insgesamt 4060 Männer und Frauen mit Vorhofflimmern, waren alle mit den den Herzrhythmus verlangsamenden oder stabilisierenden Mitteln behandelt worden. Rund siebzig Prozent von ihnen hatten hierzu unter anderem das Herzglykosid Digoxin erhalten, die Übrigen nicht.

          Vierzig Prozent mehr Todesfälle

          Innerhalb von durchschnittlich dreieinhalb Jahren erlagen dann knapp 670 Patienten einem schweren Leiden. Wie die Studienautoren im „European Heart Journal“ (doi: 10.1093/eurheartj/ehs348) berichten, hatten auffallend viele der Verstorbenen zuvor Digoxin eingenommen: In dieser Gruppe ereigneten sich vierzig Prozent mehr Todesfälle als im anderen Kollektiv - unabhängig vom Gesundheitszustand der Betroffenen und anderen die Lebenserwartung beeinflussenden Faktoren. Erhöht war dabei insbesondere das Risiko, an Herzkreislaufattacken und Entgleisungen des Herztakts zu sterben.

          Andere Todesursachen kamen demgegenüber nicht häufiger vor. Was die erhöhte Sterblichkeit der mit Digoxin behandelten Personen genau verursacht hat - das Herzglykosid selbst oder ein anderer, von den Autoren übersehener Einflussfaktor - lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Denn rückwirkend vorgenommene Analysen wie jene der amerikanischen Forscher erlauben keine Aussagen über kausale Zusammenhänge. Der Kardiologe Erland Erdmann von der Universität zu Köln hält es dennoch für ratsam, bei der Verordnung von Herzglykosiden in Zukunft noch mehr Vorsicht walten zu lassen als bisher. Wirksam angehen könne man einen zu raschen Herzschlag auch mit anderen Medikamenten, darunter Betablockern und bestimmten Kalziumantagonisten.

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