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Generation Y : Der alte Arzt hat ausgedient

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Steil nach oben oder doch lieber „horizontale Karrierepfade“ wählen? Zwei junge Medizinerinnen auf der Karrieremesse des Marburger Bundes Bild: Gyarmaty, Jens

Sie lehnen Hierarchien ab und wollen lieber geregelte Arbeitszeiten als steile Karrieren: Die nach 1980 geborenen Ärzte werden zur Herausforderung im deutschen Klinikalltag.

          In der Klinik, die der Kinder- und Jugendpsychiater Rüdiger Haas leitet, gibt es ein verbotenes Wort. Verboten ist es nicht für die Patienten, wohl aber für die Ärztinnen und Ärzte, die hier in Marl-Sinsen am nördlichen Rand des Ruhrgebietes in einer der größten Fachkliniken für Kinder- und Jugendpsychiatrie Deutschlands arbeiten. „Das verbotene Wort ist ,früher’“, sagt Haas, ärztlicher Direktor der Einrichtung. „Früher, so wie in: Früher wurde noch gearbeitet. Früher war man noch idealistisch. Früher hat man sich aufgeopfert. Früher war alles anders.“ Früher, sagt Haas, sei das Wort „früher“ sehr häufig benutzt worden. Es jetzt möglichst nicht mehr zu verwenden, ist an seiner Klinik der Versuch, einen Generationenkonflikt zu entschärfen, der überall in den deutschen Krankenhäusern schwelt: der Zusammenprall der sogenannten „Generation Y“, der jungen Assistenzärzte, die nach 1980 geboren sind, mit den älteren angestellten Medizinern, zu denen der 47-jährige Rüdiger Haas auch sich selbst zählt.

          Haas hat nicht nur ein Wort verboten, um diesen Generationenkonflikt einzudämmen. Er hat an seiner Klinik auch „absolut berechenbare Arbeitszeiten“ geschaffen. „Die Kollegen machen quasi keine Überstunden. Wenn doch, feiern sie sie ab. Angeordnete Überstunden werden ausbezahlt.“ Die Klinik bietet flexible Arbeitszeitmodelle, wer etwa aus familiären Gründen nie donnerstags abends arbeiten kann, braucht das auch nicht. Teilzeitkräfte können ihre Arbeitszeiten sogar völlig individualisieren und etwa nur abends oder nur frühmorgens arbeiten. Haas schließt: „Unsere Arbeitszeiten sind der Generation Y zu hundert Prozent angepasst.“

          Die Jungen sind anders

          Generation Y: Diesen Terminus lassen Klinikleiter und Studiendekane, Verwaltungs- und Personalchefs in Krankenhäusern inzwischen völlig selbstverständlich ins Gespräch einfließen. Anfänglich, als die neue Generation mit ihren Eigenheiten immer öfter zum Gesprächsstoff im Kollegenkreis wurde, gab es noch keinen Namen, man wusste nur soviel: Die Jungen sind anders. Die Jungen legen mehr Wert auf Freizeit, sie wollen geregelte Arbeitszeiten, sie akzeptieren ungern Überstunden. Seitdem sich das Fremdeln zwischen den Generationen aber zu einem handfesten „Clash of Cultures“ auszuweiten droht, hat man begonnen, die Gruppe der jungen Ärzte auch mit wissenschaftlichen Instrumenten zu erforschen. Der erste, der die Konsequenzen des Generationswechsels für den Arztberuf und den Gesundheitssektor in Deutschland wissenschaftlich untersucht hat, ist Christian Schmidt, Chirurg und medizinischer Geschäftsführer der Kliniken der Stadt Köln, eines Unternehmens, in dem mehr als sechshundert Ärzte arbeiten. Mit einem Artikel im deutschsprachigen Fachmagazin „Der Anästhesist“ hat Schmidt die Thematik im vergangenen Jahr auf eine wissenschaftliche Grundlage gestellt - und seitdem fast dreißig Einladungen zu medizinischen Kongressen und Anfragen für weitere Magazinbeiträge bekommen. Die große Resonanz hat auch wirtschaftliche Gründe. Der Nachwuchs ist heiß begehrt: 12 000 offene Ärztestellen an Krankenhäusern und Kliniken hat der Marburger Bund vor zwei Jahren nach einer Mitgliederumfrage errechnet.

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