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Generation Y : Der alte Arzt hat ausgedient

  • -Aktualisiert am

„Die wollen einen Nine-to-five-Job“

Das ist ziemlich starker Tobak für die deutschen Krankenhäuser - das weiß auch Schmidt. Die Haltung zur Arbeit, die er in seiner Publikation skizziert, steht völlig im Widerspruch zu einer jahrzehntelang eingeschliffenen Kliniktradition, zu der straffe Hierarchien und jede Menge Überstunden gehörten. In seiner Veröffentlichung schließt Schmidt noch recht versöhnlich mit dem Hinweis, die Generation Y könne, technikaffin und problemorientierten Lernen zugewandt wie sie ist, die Wettbewerbsfähigkeit eines Krankenhauses erheblich stärken. Doch direkt auf seine Studienergebnisse angesprochen, sagt der Mediziner trocken: „Die wollen einen Nine-to-five-Job, kontrollierten Patientenkontakt und keinen Stress. Das ist ein Problem in der Medizin.“ Schmidt hat in den neunziger Jahren seine Assistenzzeit absolviert. „Stress trägt zur Persönlichkeitsformung bei“, sagt er, „ich habe das selbst erlebt. Man lernt ja gerade in Krisensituationen. Heute teilt man sich den Wochenenddienst mit drei Leuten. Da sind wir jetzt schon.“

Nachwuchsmediziner hören einen Vortrag auf der Ärztekarrieremesse „DocSteps“ in Berlin

Schmidt spricht nicht nur als Studienautor, sondern auch als Personalverantwortlicher eines großen Krankenhauses, das Fachkräfte rekrutieren und weiterbilden, aber auch den Dienstplan aufrechterhalten muss. Der Generation Y, so fremd sie ihm zunächst war, hat er sich genähert wie einem unerforschten Stamm. Er hat nicht nur die Studien der anderen gelesen, sondern ist schließlich auch selbst empirisch vorgegangen. In der Fachzeitschrift „HNO“, einem Organ der deutschen Fachärzte für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, erscheint in Kürze eine weitere Arbeit, für die sein Team 1600 Medizinstudenten kurz vor dem Examen in Kiel und Hannover befragt hat. Diese Studie leuchtet vor allem aus, welche Ansprüche die Frauen der Generation Y an ihr Berufsleben haben. Zum einen hat Schmidt diesen Schwerpunkt gewählt, weil die Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde sich zu einem Frauenfach entwickelt hat. Zum anderen wird aber auch die Medizin allgemein immer weiblicher. Schon jetzt sind etwa zwei Drittel der Erstsemester im Fach Medizin und 57 Prozent der bis 34 Jahre alten Ärzte in Deutschland Frauen.

Frauen wollen Feriencamps für Grundschüler

Junge Ärztinnen kann man Schmidt zufolge an ein Krankenhaus ziehen und dort binden, indem man betriebseigene Kindertagesstätten, Tagesmuttervermittlungen und vor allem eine Betreuung für Grundschüler während der dreizehn Ferienwochen im Jahr einrichtet - denn nicht einmal jede vierte Grundschule bietet eine solche Betreuung selbst an. Schmidt zitiert eine Untersuchung des Bundesfamilienministeriums, derzufolge 77 Prozent der Eltern zwischen 25 und 39 Jahren für mehr Familienfreundlichkeit die Arbeitsstelle wechseln würden.

Immer mehr Krankenhäuser nehmen inzwischen die Herausforderung an, die mit der Generation Y auf sie zukommt. Die Kliniken der Stadt Köln, deren medizinischer Geschäftsführer Christian Schmidt ist, bieten etwa einen Kindergarten, eine „Tagesmutter-Hotline“ für den Notfall und ein Feriencamp für Grundschüler. Weitere Krankenhäuser, die sich schon jetzt den neuen Ansprüchen stellen, finden sich in einer Liste der Hertie-Stiftung; die hier verzeichneten Kliniken haben das Zertifikat „Audit Beruf und Familie“ erhalten, für das sie eine familienbewusste Personalpolitik nachweisen müssen. Hier ist etwa die Kinder- und Jugendpsychiatrie in Marl-Sinsen, die Rüdiger Haas leitet, aufgeführt, daneben rund neunzig andere Krankenhäuser.

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