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Gehhilfen: Pro und Contra : Hände weg vom Rollator?

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So schon gar nicht: Die falsche Haltung am Gerät führt am Ende dazu, dass man das normale Laufen verlernt. Bild: dpa

Man sieht sie überall: Menschen, die am Wägelchen gehen. Tatsächlich werden diese Gehhilfen immer häufiger verschrieben. Doch nicht in jedem Fall sind sie ein Segen.

          Die Patientin ist im dritten Stock gefangen. Der Aufzug im Ärztehaus steht still, und sie kommt mit dem Rollator nicht mehr ins Erdgeschoss. Ein anderer Besucher trägt die Gehhilfe schließlich, sie folgt zu Fuß. Sie läuft leichtfüßig die Treppe hinunter, die Hand locker am Geländer. Unten nimmt sie dankbar wieder ihren Rollator in Empfang und schiebt ihn - leicht vornübergebeugt - nach Hause. Eine Szene, die sich so ähnlich oft beobachten ließe und die Frage aufdrängt: Braucht diese Frau wirklich einen?

          Im Alltag fällt inzwischen auf, wie häufig Menschen mit Rollator unterwegs sind. Ihre Zahl scheint in kurzer Zeit stark zugenommen zu haben. Selbst viele Menschen mittleren Alters nutzen sie als Krücke. Beobachtungen, die sich statistisch untermauern lassen: Die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK), die drittgrößte Versicherung in Deutschland, bestätigt auf Anfrage eine erstaunliche Zunahme der auf Rezept verordneten Rollatoren. Die neuesten Zahlen zeigen einen Zuwachs um 38 Prozent in fünf Jahren. Hochgerechnet 76 000 Rollatoren haben Ärzte für DAK-Versicherte im vergangenen Jahr verschrieben (das vierte Quartal noch nicht mitgerechnet).

          Betrachtet man die Patienten im noch gar nicht so hohen Alter, ist die Zunahme besonders drastisch: Bei den Versicherten im Alter zwischen 60 und 69 stieg die Zahl der jährlichen Verschreibungen in den letzten fünf Jahren um 85 Prozent. Andere Kassen wollen dazu keine Angaben machen, aber die Situation dürfte ähnlich sein. Allerdings ist es nicht die ganze Wahrheit, denn Rollatoren werden nicht nur vom Arzt verordnet, sondern auch ohne Rezept gekauft; selbst Discounter haben gelegentlich sehr günstige Modelle im Angebot.

          Stütze mit Nebenwirkungen

          Es gibt die unterschiedlichsten Ausführungen, die meisten lassen sich längs oder quer zusammenklappen. Manche sind eher schwergängig, andere aus leichtem Aluminium, haben entweder drei oder vier Räder. Es gibt sie auch mit Korb, um beispielsweise Einkäufe zu transportieren. Auf den ersten Blick scheint das eine gute Sache, die Gehkranke unterstützt und ihnen mehr Bewegungsfreiheit verschafft. Oder ist es eher von Nachteil, weil dieses Hilfsgerät das Gleichgewichtsgefühl stört? Und auf diese Weise womöglich erst zu Stürzen führt?

          Ein Rollator wird in vielen Fällen verordnet, weil Arzt und Patient Angst vor dem Hinfallen haben. Anfangs ist das meist auch angebracht - der Rollator vermittelt zusätzliche Sicherheit. „Wenn sich Patienten die Hüfte gebrochen haben, wird das Gangbild durch den Rollator zunächst meist besser“, sagt Ulrich Lindemann, Sportwissenschaftler am Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart. „Allerdings sollte der Rollator bei den meisten Patienten nur vorübergehend eingesetzt werden. Schließlich sollen sie wieder lernen, ohne Rollator zu laufen.“

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