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Geburt : Macht Kaiserschnitt unfruchtbar?

  • -Aktualisiert am

Auch Claudia Schiffers Sohn Casper kam per Kaiserschnitt zur Welt Bild: PA

Die Statistik belegt, daß Frauen nach einem Kaiserschnitt weniger Kinder bekommen als jene, die auf natürliche Weise entbunden haben. Über die Ursachen liegen jedoch noch keine eindeutigen Erkenntnisse vor.

          Rund eins von fünf Kindern wird mittels Kaiserschnitt entbunden. Von den Anfängen als Notfallmaßnahme bis zum heutigen "Wunschkaiserschnitt" auf Verlangen der Mutter hat die Bewertung dieses Eingriffs zahlreiche Wandlungen erfahren. Manche Frauenärzte sehen darin bereits die Entbindungsmethode der Zukunft, während andere einer zu breiten Anwendung skeptisch gegenüberstehen. Jetzt bringt Maureen Porter von der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe der Universitätsklinik in Aberdeen/Großbritannien ein Argument ins Spiel, das bislang in dieser Debatte kaum eine Rolle spielte: den Kaiserschnitt als Ursache für spätere Unfruchtbarkeit.

          Die derzeit verfügbaren Erkenntnisse bestätigen nach Ansicht der Ärztin, daß Frauen nach einem Kaiserschnitt insgesamt weniger Kinder bekommen als jene, die auf natürliche Weise entbunden haben ("Human Reproduction", Bd.18, S.1983). Eine Studie weist zum Beispiel nach, daß nur 47 Prozent der Frauen fünf Jahre nach einem Kaiserschnitt noch Kinder bekamen, jedoch fast zwei Drittel derer, die auf natürliche Weise entbunden hatten. Andere Beobachtungen bestätigen das in ähnlichen Ergebnissen.

          Keine guten Erinnerungen

          Unklar ist indes, auf welche Weise ein Kaiserschnitt die Fruchbarkeit beeinträchtigen kann. Einerseits gibt es Vermutungen, daß pathologische Veränderungen wie Verklebungen im Beckenraum, Blutungen, Infektionen oder Abszesse hierfür verantwortlich sein könnten. Nach einem Kaiserschnitt setzt sich der Embryo und damit der Mutterkuchen zudem häufiger als sonst an eher risikobehafteten Stellen in der Gebärmutter fest, was die Schwangerschaft gefährdet. Andererseits versperren sich in Erinnerung schlechter Erfahrungen die Mütter womöglich bewußt oder unbewußt einer weiteren Schwangerschaft. Immer wieder wurde über Gefühle der Enttäuschung und auch der Wut darüber berichtet, daß es mit einer natürlichen Entbindung nicht geklappt hatte. Es gab Hinweise auf größere Schwierigkeiten beim Stillen nach Kaiserschnitt oder in der Beziehung zum Kind.

          Allerdings darf man nicht übersehen, daß diese Ergebnisse in jüngster Zeit in Frage gestellt werden. Insbesondere dann, wenn die künftigen Mütter gut aufgeklärt sind und der Kaiserschnitt nicht als Notmaßnahme vorgenommen werden muß, ist keineswegs häufiger mit Enttäuschungen zu rechnen als sonst. Überdies trägt das inzwischen äußerst schonende Operieren beim Kaiserschnitt dazu bei, daß die Frauen kaum länger beeinträchtigt sind als nach natürlicher Geburt.

          Zusammenhänge spekulativ

          Es mag indes sein, daß dann, wenn eine schwere Geburt nur durch einen Kaiserschnitt beendet werden konnte, die Erinnerung an den Eingriff die Frauen nachhaltig ängstigt. Eine Untersuchung aus England wies nach, daß 86 Prozent der Frauen, die nach einem Kaiserschnitt kein Kind mehr wollten, sich bewußt dafür entschieden hatten und die Umstände im Zusammenhang mit dem Eingriff daran schuld waren. Während fünf Jahre nach einer natürlichen Geburt nur ein Zehntel der Mütter Angst vor einer nächsten Geburt hat, trifft dies auf mehr als ein Viertel derer zu, die mittels Kaiserschnitt entbanden. Möglicherweise spiele auch die Angst der Väter vor einem nochmaligen Trauma der Gefährtin in diesem Zusammenhang eine Rolle. Schließlich ist zu erwägen, ob nicht Kaiserschnitt und Infertilität aufgrund einer gemeinsamen Veranlagung miteinander verknüpft sind. So entbinden ältere Frauen häufiger per Kaiserschnitt als jüngere, sind aber auch eher von Infertilität bedroht. Umgekehrt hat man beobachtet, daß jene Frauen, die bereits wegen Unfruchtbarkeit den Arzt aufsuchten, später häufiger mittels Kaiserschnitt entbunden haben.

          Da die Zusammenhänge bisher offenbar mehr spekulativ sind, als daß sie wirklich überzeugend erklärt werden können, plädiert Maureen Porter für aussagekräfigere Studien. In jedem Fall sollte ihrer Ansicht nach der Hinweis auf möglicherweise verringerte Chancen auf ein nächstes Kind bei der Aufklärung der Schwangeren nicht fehlen, damit sie dies bei einer bewußten Entscheidung für diese oder jene Art der Entbindung in Betracht ziehen könnten.

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