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Forschung : Die Medizin am Tropf der Industrie

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Bei der Einführung neuer Medikamente hat die Industrie das Sagen Bild: AP

Ohne finanzielle Unterstützung aus der Wirtschaft wäre eine aufwendige klinische Forschung praktisch nicht möglich. Eine solche Abhängigkeit birgt aber etliche Gefahren. Die Industrie gibt sich als Puppenspieler.

          Die Beziehung zwischen Medizin und Industrie beruht seit jeher auf gegenseitiger Abhängigkeit. So sind die naturgemäß nach Gewinn strebenden Pharmaunternehmen und Medizingerätehersteller bestrebt, die klinische Forschung ihren Bedürfnissen entsprechend zu beeinflussen. Inwieweit ihnen dies im Einzelfall gelingt, lässt sich aufgrund des Mangels an Transparenz freilich nicht immer klar erkennen. Eines ist jedoch sicher: Ohne die substantielle finanzielle Hilfe der Wirtschaft wäre klinische Forschung heute undenkbar. Schon der Blick in die Fachpresse verdeutlicht, dass mittlerweile fast alle klinischen Studien von der Industrie gefördert werden. Das Gleiche gilt im Übrigen für die nationalen und internationalen Medizinkongresse, auf denen die einschlägigen Unternehmen in ihrer Rolle als Sponsoren zunehmend selbstbewusst auftreten.

          Aber auch die Patientenversorgung, die ärztliche Fortbildung und das medizinische Personal hängen zunehmend am Tropf der Industrie, zumal die öffentliche Hand hierfür nicht genügend Mittel bereitstellt. Die staatliche Forschungsförderung trägt ohnehin teilweise groteske Züge. Denn unterstützt wird letztlich nur, wer erfolgreiche Kooperationen mit der Industrie eingeht. So können nur jene Ärzte auf öffentliche Gelder hoffen, die in der renommierten internationalen Fachpresse viel publizieren und dadurch große Wirkung erzielen. Dies gelingt aber am ehesten, wenn man sich an großen internationalen klinischen Studien - und damit von der Industrie finanzierten Projekten - beteiligt. Die Ergebnisse solcher Untersuchungen sind für die Medizinjournale von besonderem Interesse, weil sie in der Fachwelt große Aufmerksamkeit erhalten. Hieraus folgt aber, dass der Staat gute Beziehungen zur Wirtschaft belohnt, schlechte hingegen bestraft.

          In die gewünschte Richtung lenken

          Nur wenige Forschergruppen können es sich leisten, auf Verbindungen zur Industrie zu verzichten. Der Frage, in welchem Ausmaß sie durch die Kooperation beeinflusst werden, sind unlängst Wissenschaftler um den amerikanischen Epidemiologen Eric Campbell vom Massachusetts General Hospital in Boston nachgegangen. Sie fragten 688 Leiter medizinischer Hochschulinstitute und Lehrkrankenhäuser in den Vereinigten Staaten nach ihren Industriekontakten, und von 459 der Angeschriebenen erhielten sie Auskünfte. Rund zwei Drittel gaben an, über mehr oder weniger intensive Beziehungen zur Industrie zu verfügen. Der wahre Anteil, das vermuten die Autoren, dürfte noch höher gewesen sein. Wie die Umfrage ferner ergab, empfand offenbar nur eine Minderheit der leitenden Ärzte die Kontakte zur Wirtschaft als beengend oder der wissenschaftlichen Freiheit abträglich. Einige Teilnehmer hätten gleichwohl nicht ausgeschlossen, schreiben die Verfasser des Berichts im „Journal“ der Amerikanischen Medizingesellschaft (“Jama“, Bd. 298, S. 1779), dass die Zuwendung größerer Summen einen ungünstigen Einfluss auf Forschung und Lehre ausüben könnte.

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