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Epidemie in Lateinamerika : Bedrohung Zika-Virus

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Mehr als sich mit Ultraschall untersuchen zu lassen und zu hoffen, können Schwangere in den Risikoländern im Moment nicht tun. Bild: Reuters

Das Zika-Virus verbreitet sich ungehemmt in Lateinamerika und verbreitet Angst und Schrecken. Der Tropenmediziner Peter Hotez erklärt im Gespräch, vor welche Herausforderungen der Erreger die Wissenschaftler stellt.

          Herr Hotez, bisherige Zika-Ausbrüche waren lokal begrenzt. Sie sind Kinderarzt, Virologe und Tropenmediziner, wie erklären Sie diese großflächige Epidemie?

          Wir kennen den Grund nicht, aber das Zika-Virus breitet sich mit einer beeindruckenden Geschwindigkeit aus. Allein in Brasilien sind bereits mehr als eine Million Menschen infiziert. Vielleicht hat es mit dem derzeit starken El Niño zu tun. Zumindest muss man davon ausgehen, dass Klimawandel und Armut den Ausbruch befeuern.

          Warum werden erst jetzt fatale Folgen der Infektionen bekannt, etwa die sogenannte Mikrozephalie bei Neugeborenen?

          Peter J. Hotez lehrt Tropische Pädiatrie und ist Direktor der National School of Tropical Medicine des Baylor College of Medicine in Houston, Texas.

          Wenn die Erreger nur selten von einer Mutter auf ihr ungeborenes Kind übertragen werden, kann es eben sein, dass wir die Auswirkungen erst jetzt sehen, weil der Ausbruch dieses Mal so viele Menschen betrifft. Über diese Epidemie wurde bisher noch nichts wissenschaftlich publiziert, wir wissen also nicht, welche Informationen wirklich zuverlässig sind. Der Informationsaustausch geschieht im Moment über E-Mails, Telefongespräche und soziale Medien.

          Führt das Zika-Virus tatsächlich zu den beobachteten Kopf-und Gehirnfehlbildungen?

          Wir haben das Virus bei Schwangeren im Fruchtwasser sowie in der Plazenta und im Blut der Neugeborenen gefunden – das sind wichtige Hinweise. Aber die Situation ist für uns alle frustrierend, viele Fragen können wir noch nicht beantworten, und wir setzen nun Puzzleteile zusammen: Was wissen wir über verwandte Viren (etwa Erreger von Dengue, Gelbfieber, FSME – Anmerkung der Redaktion) und solche, die in der Schwangerschaft übertragen werden und zu Fehlbildungen führen? Wann ist die Gefahr am größten? Was hilft? Höchstwahrscheinlich sind Kinder von Frauen gefährdet, die sich im ersten Drittel der Schwangerschaft infizieren, vielleicht noch im zweiten. Im Moment können wir Schwangere nur überwachen und mit Ultraschall untersuchen. Medizinisch eingreifen können wir leider nicht.

          Der stellvertretende Gesundheitsminister El Salvadors bat Frauen darum, bis 2018 nicht schwanger zu werden. Ist das hilfreich?

          Das erscheint mir nicht sehr realistisch. Ich verstehe die Frustration und die Sorgen der Länder, in denen das Virus sich jetzt rasch ausbreitet und denen ein starkes Gesundheitssystem fehlt. Die Idee ist wohl, dass sich in Kürze alle Einwohner infiziert haben und dann durch Antikörper vielleicht vor weiteren Infektionen geschützt sind.

          Wie wird diese Epidemie weiter voranschreiten?

          Ich denke, bis Ende Februar wird sich Zika in der ganzen Karibik ausgebreitet haben. Ob es in den Vereinigten Staaten ankommt, kann ich nicht sagen. Das Chikungunya-Virus zum Beispiel ist noch nicht bis dorthin vorgedrungen. Aber wir müssen wachsam sein, und aus Gabun wissen wir, dass auch die asiatische Tigermücke das Zika-Virus übertragen kann. Wie gut, wissen wir nicht, aber sie ist in den Vereinigten Staaten und Südeuropa inzwischen heimisch und selbst in Süddeutschland zu finden.

          Zika wird von Stechmücken übertragen, die auch Dengue, Gelbfieber und Chinkungunya verbreiten: Sind sie das Angriffsziel?

          Am besten ist es, wenn wir verschiedene Ansätze gleichzeitig verfolgen. So könnten gentechnisch veränderte Moskitos helfen, die Mückenplage einzudämmen. Und natürlich sollte eine Impfung entwickelt werden.

          Die Fragen stellte Jakob Simmank.

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