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Neuer Immunstoff : Antikörper gegen Asthma

  • -Aktualisiert am

Kann Dupilumab das neue Mittel in der Asthmatherapie sein? Bild: dpa

Therapieoptionen gegen Asthma kann es nicht genug geben. Bald könnte ein Antikörper, der eigentlich gegen Hautjucken eingesetzt wird, gegen die lästige Krankheit helfen.

          Patienten mit schwerem Asthma können immer öfter aufatmen. Denn das Spektrum an Therapien, mit denen sich die anfallartige Luftnot abwenden lässt, hat sich in den letzten Jahren vergrößert. Hinzugekommen sind mehrere Antikörper, die den krankheitstreibenden Entzündungsprozessen gezielt zu Leibe rücken. Dieses Arsenal könnte sich bald um einen weiteren Immunstoff vergrößern: einen Antikörper, der bereits gegen ein chronisches, juckendes Hautleiden, die atopische Dermatitis, eingesetzt wird: Dupilumab.

          Im „New England Journal of Medicine“ sind jüngst zwei Studien dazu vorgestellt worden. Eines der Projekte war der Frage nachgegangen, ob eine Behandlung mit Dupilumab den Bedarf an kortisonhaltigen Medikamenten zu verringern vermag. Solche Entzündungshemmer verschreiben Ärzte ihren asthmatischen Patienten bisher nur, wenn sich deren Luftnot anderweitig nicht beherrschen lässt. Längerfristig in höheren Dosen eingenommen, setzen Kortison und seine Verwandten, die Glukokortikoide, dem Organismus nachhaltig zu.

          Verbesserte Lungenfunktion

          So erhöhen sie die Anfälligkeit für Infektionen und fördern außerdem die Entstehung von Bluthochdruck, Diabetes und Osteoporose. Auf der Suche nach risikoarmen Alternativen haben Forscher um den Pneumologen Klaus Rabe von der LungenClinic in Großhansdorf nun Dupilumab auf den Prüfstand gestellt. Den Teilnehmern ihrer Studie, insgesamt 210 Männer und Frauen mit kortisonabhängigem Asthma, verabreichten sie ein halbes Jahr lang alle zwei Wochen eine Spritze, die bei einer Hälfte Dupilumab und bei der anderen Hälfte ein Scheinmedikament enthielt. Zwölf Wochen nach der letzten Injektion zogen sie Bilanz.

          Wie sich zeigte, waren 52 Prozent der mit Dupilumab versorgten Patienten mit der Zeit in der Lage, die Glukokortikoide ganz abzusetzen und nur 14 Prozent konnten die Dosis dieser Medikamente nicht verringern; im Placebokollektiv lag der Anteil an erfolgreich beziehungsweise vergeblich Behandelten bei 29 und 32 Prozent. Trotz intensiver Kortisontherapie erlitten die Patienten dieser Gruppe gleichwohl häufiger schwere Asthmaattacken. Ihre Lungenfunktion nahm zudem nur vorübergehend etwas zu, während sich jene der Patienten, die Dupilumab erhalten hatten, deutlich besserte.

          Jedoch nicht allen Asthmatikern kam der Antikörper gleichermaßen zugute. Besonders groß war sein Nutzen bei Patienten mit erhöhten Mengen bestimmter Immunzellen, den Eosinophilen, im Blut. Diese Klasse von weißen Blutzellen lässt sich auch bei Allergikern vermehrt nachweisen. Vergleichbare Resultate erzielte die zweite Studie. Darin waren knapp zweitausend Personen mit mäßigem bis schwerem Asthma ein Jahr lang teilweise mit Dupilumab und teilweise mit Placebo behandelt worden.

          Medikament für schwer behandelbares Asthma

          Wie die Forscher um Mario Castro von der Washington University School of Medicine in St. Louis/Missouri schreiben, führte die Immuntherapie zu einem sehr viel stärkeren Rückgang der schweren Asthmaanfälle und einer markanten Besserung der Lungenfunktion. Was die Sicherheit angeht, wurde der Antikörper von den Teilnehmern beider Studien offenbar sehr gut vertragen. Jeffrey Drazen, der Herausgeber des „New England Journal“, rechnet damit, dass Dupilumab demnächst zur Therapie von Patienten mit schwer behandelbarem Asthma zugelassen werden dürfte.

          Wie er in einem Editorial feststellt, stehen den Ärzten dann fünf Antikörper mit ähnlicher Wirkweise zur Verfügung. In weiteren Studien gelte es nun zu klären, welches dieser fünf Biologika den Betroffenen am meisten nütze. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass nicht der wirksamste, sondern der am wirksamsten vermarktete Antikörper verschrieben werde.

          „Eine solche Vergleichsstudie soll demnächst in Belgien anlaufen, und zwar mit finanzieller Unterstützung der dortigen Regierung“, sagt Studienautor Rabe. Gesucht werde nach möglichst einfachen Messgrößen, an denen man ablesen kann, ob ein Asthmatiker auf eine bestimmte Therapie anspricht oder nicht.

          Placebotherapie auffallend wirksam

          Die Eosinophilen im Blut eigneten sich als Biomarker, ein weiterer könnte die erhöhte Konzentration von Stickstoffmonoxid in der Atemluft sein. „Beide Parameter besitzen aber nur eine begrenzte Aussagekraft. Fehlen sie, heißt das nicht, dass die Therapie nichts bringt. Dupilumab kam jedenfalls auch Patienten ohne diese Merkmale zugute“, sagt der Pneumologe.

          Auffallend gut schnitt in den beiden Studien freilich auch die Placebotherapie ab. Roland Buhl von der Universitätsmedizin Mainz, Erstautor der Asthma-Therapieleitlinien der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie, hält die entzündungshemmenden Antikörper dennoch für einen wichtigen Fortschritt.

          „Die Placebowirkung in solchen Studien lässt sich im Wesentlichen auf zwei Effekte zurückführen. Zum einen ändern Patienten ihr Verhalten, wenn sie an einer Studie teilnehmen. Sie wissen, dass sie unter Beobachtung stehen und ein Fehlverhalten potentiell hinterfragt wird. Daher halten sie sich meist konsequenter an die ärztlichen Empfehlungen.“ Der zweite Einflussfaktor sei die engmaschige Betreuung durch Spezialisten.

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