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Doping im Fußball : Die wollen doch nur spielen

  • -Aktualisiert am

Bild: Jan Bazing

In fast allen Sportarten wird gedopt. Nur beim Fußball angeblich nicht. Weil das nichts bringt, heißt es. Aber das ist ein einziges Märchen.

          Als aufgeklärter Mensch mit Fußballbegeisterung muss man schon einiges verdrängen, um noch ans Gute in diesem Sport zu glauben. Korruption und Schmiergeldskandale bis in die höchsten Ränge der Fifa, Spielbetrug, Bestechung, und das alles nicht erst in jüngster Zeit. Aber immer noch hält sich der unerschütterliche Glaube, dass es möglich ist, Turniere auszurichten, die so fair und ehrlich ausgetragen werden, wie es der Fan erwartet. Womit wir bei einem Phänomen wären, von dem der Fußball behauptet, von Natur aus immun dagegen zu sein. Die Rede ist vom Doping.

          Im Fußball bringt das doch nichts. Dafür ist das Spiel zu komplex. So lapidar lauten die Kommentare der Branche, wenn die anrüchige Sache überhaupt einmal zur Sprache kommt.

          Fritz Sörgel ist selbst Fußballfan. Ein leidvoller, wenn man wie er aus Nürnberg kommt und zum heimischen Club hält, der in diesem Jahr mal wieder Gründe dafür geliefert hat, warum der Spruch „Der Club is a Depp“ niemals aus der Zeit fällt. Sörgel empfängt seinen Gast am Nürnberger Hauptbahnhof. Durch das Frauentor geht es an den Stadtmauern entlang in ein Café inmitten jener Trutzburg, die noch bis ins zwanzigste Jahrhundert als uneinnehmbar galt. Turmhohe Mauern, die dicht halten: der passende Ort, um über Doping zu reden.

          Überall wird gedopt. Nur Fußball soll sauber sein?

          Mit der Frage, ob Doping im Fußball etwas bringt, braucht man Fritz Sörgel gar nicht erst zu kommen. Der Leiter des Instituts für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung in Heroldsberg grinst dann etwas mitleidig. Die Sache sieht aus seiner Sicht nämlich so aus: Die Frage ist nicht, ob es was bringt, sondern was es bringt. Und was es schon gebracht hat. Doch bevor Sörgel über konkrete Auffälligkeiten bei Welt- und Europameisterschaften spricht, über Blutwerte und sonstige Hinweise, muss er erst ein paar allgemeinere Worte verlieren. Als im Frühjahr 2015 erstmals Belege über ein systematisches Doping während der achtziger Jahre beim VfB Stuttgart auftauchten, verstieg sich dessen damaliger Sportdirektor Robin Dutt sogar zu der Behauptung, solche Manipulationen führten im Fußball sogar zu einer Verschlechterung der Leistung auf dem Platz. Dutt, immerhin Bester seines Jahrgangs bei der deutschen Trainerausbildung, sagte, ein Spieler wäre „mit Dummheit gestraft, sich darüber zu optimieren“.

          Noch vor zehn Jahren wäre er mit dieser Masche durchgekommen. Doch seit der „Operación Puerto“ in Spanien, bei der es um den Doping-Arzt Eufemiano Fuentes und den internationalen Radrennsport ging, und nach den Veröffentlichungen über die Doping-Machenschaften der Universität Freiburg sieht das anders aus. Die beiden Fälle haben Einblicke in das wahre Innenleben des Leistungssports gewährt. Der Fall Lance Armstrong hat sogar die schlimmsten Befürchtungen noch übertroffen. Die aktuellen Enthüllungen in der Leichtathletik und im Wintersport bestätigen das nur. Doch ausgerechnet das Milliardengeschäft Fußball, die größte Gesellschaftsbewegung der Welt, soll systematisch sauber sein?

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