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Veröffentlicht: 10.08.2014, 17:05 Uhr

Weniger Tote durch Darmkrebs Der Vorteil der Vorsorge wird messbar


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Maßnahmen zur Sicherstellung der Behandlungsqualität

Vieles spricht dafür, noch mehr Krebstodesfälle verhindern zu können, wenn, wie in Deutschland eingeführt, bei der Vorsorge der Darm vollständig eingesehen wird. Langzeitbeobachtungen der Teilnehmer der bereits 1993 begonnenen National Polyp Study in den Vereinigten Staaten lassen das erhoffen. Die Sterblichkeit nahm um die Hälfte ab, wenn der Darm vollständig eingesehen wurde und Polypen entfernt wurden. Das Journal der amerikanischen Gesellschaft für Krebsforschung, „Cancer Discovery“, überschrieb unlängst einen Kommentar zu diesen Ergebnissen mit den Worten: „Dickdarmkrebs auf dem absteigenden Ast.“ In den Publikumsmedien in Amerika wurden die Ergebnisse ebenfalls weithin beachtet.

In Deutschland wurde die Koloskopie zur Vorsorge im Jahr 2002 eingeführt. Riemann zeigte sich davon überzeugt, dass es nur noch weniger Jahre bedürfe, bis sich auch in Deutschland der Effekt der Prävention durch die Dickdarmspiegelung in seinem ganzen Ausmaß zeigen werde. Ausweislich der Auswertungen des Zentralinstitutes der Kassenärztlichen Vereinigung nehmen in Deutschland etwa 400.000 Personen jährlich an der Darmkrebsvorsorge teil, wie Christian Pox vom Knappschaftskrankenhaus der Universität Bochum berichtete. Seit der Einführung im Jahr 2002 ist dies dennoch eine Minderheit angesichts von annähernd siebzehn Millionen Berechtigten im Alter von 55 bis 74 Jahren.

Ungeachtet der von den Wissenschaftlern erwarteten, doch erst in einigen Jahren zu errechnenden Zahl verhinderter Krebsfälle profitieren diejenigen messbar, die sich der Vorsorge mittels Dickdarmspiegelung unterziehen. Das gilt im Blick auf die Erkennung der Krankheit im frühen Stadium. Im europäischen Vergleich haben die Betroffenen hierzulande sehr gute Aussichten, die Krankheit zu besiegen. Nach fünf Jahren leben zwei Drittel der Patienten. In England liegt die Rate bei etwa fünfzig Prozent, in manchen osteuropäischen Ländern bei nur vierzig Prozent. Diese Verbesserungen beruhen nach Ansicht der Experten zum Teil auf dem hohen Anteil früh entdeckter Karzinome bei der Vorsorge. Daneben ist die günstige Prognose auf die Maßnahmen zur Sicherung der Behandlungsqualität zurückzuführen, etwa die Behandlung in eigens zertifizierten Darmzentren.

Der Faktor Arzt

Angesichts dieser Entwicklungen ist es bedenklich, dass noch immer nur jeder fünfte Berechtigte in Deutschland die Chance effektiver Vorsorge mittels Koloskopie wahrnimmt. Dieser Tatsache müsse man sich stellen. Christian Pox verwies auf Studien, die den Effekt verschiedener Maßnahmen zur Früherkennung des Dickdarmkrebses verglichen haben. Dabei schneidet der für die Patienten nicht belastende und einfach durchführbare Test auf Blut im Stuhl nicht schlecht ab. Doch nicht etwa, weil er der Spiegelung überlegen wäre. Sein Erfolg bei der Vorsorge beruht auf der Tatsache, dass viel mehr Personen bereit sind, daran teilzunehmen. Der Test ist nur dann hilfreich, wenn im Falle eines positiven Befundes doch gespiegelt wird. Nachteilig ist es auch, dass mit dem Stuhltest alleine selbst größere, noch gutartige Polypen nicht erkannt werden. Für die Prävention des Dickdarmkrebses ist er daher wenig geeignet. So erweist sich der Test als Instrument zweiter Wahl für diejenigen, die eine Koloskopie fürchten. Er hilft im Falle eines Befundes, die Betroffenen zu überzeugen, den Dickdarm untersuchen zu lassen.

Bei der Spiegelung kommt es vor allem darauf an, dass die Untersucher erfahren sind. Unlängst haben dies Wissenschaftler in einer eignen Studie untersucht. Ein Maß für die Sorgfalt und Erfahrung der Ärzte ist die Zahl der Polypen, die sie entdecken. Wer hastig und oberflächlich spiegelt, übersieht viele der kleinen Polypen. Nun haben Wissenschaftler herausgefunden, dass Patienten seltener an Dickdarmkrebs erkranken, wenn ihr Untersucher häufig Polypen entdeckt, mithin als erfahren gelten darf („New England Journal of Medicine“, doi: 10.1056/NEJMoa1309086). Der Faktor Arzt ist nicht zu unterschätzen, will man die Qualität der Vorsorge beurteilen.

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