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Computerspiele bei Legasthenie : Mehr als nur Buchstaben

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Super-Mario ist der Star zahlreicher Kinderträume - und die wohl wichtigste Figur im Nintendo-Universum Bild: DPA

Können Kinder mit Lese-Rechtschreib-Schwäche besser lesen, wenn sie ihre Aufmerksamkeit mit schnellen Action-PC-Spielen trainieren. Eine Studie legt das nahe.

          Kinder mit Lese-Rechtschreib-Schwäche lesen offenbar besser, wenn sie ihre Aufmerksamkeit mit schnellen Action-Spielen am Computer oder Fernseher trainieren. Das legt zumindest eine aktuelle Studie aus Italien nahe. Kinder im Alter zwischen sieben und dreizehn Jahren, die zwei Wochen lang pro Tag achtzig Minuten spielten, waren in der Lage, zügiger zu lesen, ohne dabei mehr Fehler zu machen. Ihr Lesefortschritt lag über dem Niveau, das Betroffene ohne spezielle Förderung in einem Schuljahr erreichen, und entsprach in etwa dem, was durch ein konventionelles Lese-Rechtschreib-Training erzielt wird. Gleichzeitig verbesserte sich auch die Konzentrationsfähigkeit bei anderen Übungen.

          Die Forscher um Andrea Facoetti von der Universität Padua führen diesen Erfolg darauf zurück, dass schnelle Action-Videospiele den Kindern und Jugendlichen helfen, sich besser zu konzentrieren und Objekte in einem rasch wechselnden Umfeld im Auge zu behalten. Dadurch verbessere sich auch die Fähigkeit, Wörter zu dekodieren, schreiben Facoetti und seine Kollegen in der Zeitschrift „Current Biology“ (doi: 10.1016/j.cub.2013.01.044).

          Beim Lesen und Schreiben werden den Lauten Buchstaben zugeordnet. Dazu muss die Aufmerksamkeit von der Bedeutung der Wörter auf ihre formale Struktur gelenkt werden. Das Auge muss auf den Buchstaben verweilen können. Facoetti und seine Kollegen vertreten seit längerem die Ansicht, dass Legasthenie auch mit einem Mangel an visueller Aufmerksamkeit zu tun hat. Der Forscher sieht seine Studie als weiteres Indiz für diese Einschätzung. Zu den Schwächen der Studie gehört allerdings, dass daran nur zwanzig Probanden teilnahmen.

          Zehn Kindern wurde ein schnelles Action-Videospiel angeboten, den anderen ein langsames Spiel. Die Lesekompetenz verbesserte sich nur mit dem Action-Spiel. Die Fortschritte sollen auch nach zwei Monaten noch nachweisbar gewesen sein. Allerdings konnten zu diesem Zeitpunkt nur noch sechs der Kinder, die das Action-Videospiel gespielt hatten, untersucht werden. Facoetti räumt ein, dass seine Ergebnisse nicht dazu angetan seien, Kindern und Jugendlichen mit Legasthenie ohne weiteres Action-Videospiele zu empfehlen. Aber er ist der Ansicht, dass man die Wirkung der dabei erlernten Kompetenzen auf die Lese-Rechtschreib-Fähigkeiten weiter untersuchen sollte. Viele der bisher verwendeten Förderprogramme sind an die Anwesenheit eines Therapeuten gebunden. Action-Spiele können die Kinder und Jugendlichen allein spielen, und sie werden dies vermutlich gerne und freiwillig tun.

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