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Cannabis-Arznei : Widerstand gegen den Medizinalhanf

  • -Aktualisiert am

Wird der Joint unter dem Mantel des Schmerzmittels salonfähig? Bild: © LEMOINE/SCIENCE PHOTO LIBRARY/

Ärzte und Arzneimittelexperten lehnen die Gesetzespläne aus Berlin ab: Schmerzpatienten gezielt zu helfen, müsse zwar möglich sein, doch der Handel mit Cannabis-Blüten bleibe so unkontrollierbar. Wer soll die Dosis kontrollieren?

          Das Bundesministerium für Gesundheit hat vor wenigen Wochen einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der chronisch kranken Patienten den Zugang zu Cannabis erleichtern soll. Seitdem hagelt es Kritik aus den Reihen der Ärzte- und Apothekerschaft und vom Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen. Diese Kritik entzündet sich vor allem daran, dass auch Medizinalhanf - also getrocknete Cannabis-Blüten - verschreibungs- und erstattungsfähig sein sollen, nicht nur Rezepturen und Fertigarzneimittel mit den therapeutisch wirksamen Inhaltsstoffen des Hanfs. Die Bundesärztekammer und die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft lehnen dies strikt ab. Er gebe für die Verwendung von Medizinalhanf weder gesicherte wissenschaftliche Daten, noch sei mit getrockneten Pflanzenteilen eine exakte Dosierung der medizinisch wirksamen Komponenten möglich, heißt es dazu in der Stellungnahme. Die Ärzteschaft begrüßt zwar die Erleichterung der Cannabistherapie im Grundsatz, aber nicht in diesem Umfang.

          Kann Multiple-Sklerose-Patienten helfen: Medizinalhanf.
          Kann Multiple-Sklerose-Patienten helfen: Medizinalhanf. : Bild: ddp

          Cannabis-Blüten entfalten ihre Wirkung erst, nachdem sie erhitzt worden sind. Die meisten Patienten rauchen die Blüten daher unter Tabak gemischt als Joint und hören erst damit auf, wenn die Wirkung einsetzt. Die Ärzte sprechen sich vehement gegen eine Therapie aus, die auf den gesundheitsschädlichen Risiken des Rauchens basiert. Die Patienten können die Cannabis-Blüten auch unter heiße Milch, Butter oder Öl mischen. Die Blüten können in Kekse eingebacken werden, als Tee verwendet oder inhaliert werden. Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) mahnt in ihrer Stellungnahme an, dass einige dieser Verwendungsformen nicht nur einen lebensmittelähnlichen und damit trivialisierenden Charakter haben, sondern dass sie auch wegen der vagen Dosierung ungenau und unsicher sind. Die ABDA schlägt daher in ihrer Stellungnahme vor, medizinischen Cannabis aus Gründen der Therapiesicherheit auf definierte Applikationsformen zu beschränken. In Frage kämen ein Tee oder die Inhalation, wie das auch in Holland erlaubt ist.

          Warum gibt es eigentlich einen politischen Willen, Medizinalhanf in Deutschland durch eine Änderung des Betäubungsmittelgesetzes verkehrs- und verschreibungspflichtig zu machen, wenn es weder wissenschaftliche Belege für dessen Wirksamkeit gibt, noch eine genaue Dosierung möglich ist? Lukas Radbruch, Palliativmediziner an der Universität Bonn und ordentliches Mitglied der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, vermutet, dass damit vor allem der Eigenanbau verhindert werden soll, dem der Gesetzentwurf eine klare Absage erteilt. 2014 hatte das Kölner Verwaltungsgericht entschieden, dass chronisch kranke Patienten, denen nur noch Cannabis gegen ihre Schmerzen hilft und die sich das in der Apotheke gegen Rezept erhältliche Cannabis nicht leisten können, dies in Ausnahmefällen selbst anbauen dürfen.

          Auch in Deutschland hoffen Landwirte auf die Erlaubnis für Cannabis-Plantagen.
          Auch in Deutschland hoffen Landwirte auf die Erlaubnis für Cannabis-Plantagen. : Bild: dpa

          Der vorgelegte Gesetzesentwurf regelt deshalb auch den Anbau und den Handel mit Cannabis. Beides soll durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte organisiert und kontrolliert werden. Die Behörde bekäme den Rang einer Cannabis-Agentur. Die Bundesärztekammer und die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft halten dies für überflüssig, weil sie die Verwendung der getrockneten Pflanzenteile grundsätzlich ablehnen und daher auch gar keine Notwendigkeit für eine Cannabis-Agentur sehen.

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