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Brustkrebs : Chemotherapien können vermieden werden

  • -Aktualisiert am

Laut Forschern aus Chicago brauchen weitaus weniger Frauen mit Brustkrebs eine Chemotherapie als angenommen. Bild: Reuters

Den meisten Frauen mit Brustkrebs kann die Chemotherapie künftig wohl erspart bleiben. Ein Gentest bringt jetzt mehr Sicherheit, welche das sind. Erstattet wird der teure Test allerdings von den Kassen bisher nicht.

          Übelkeit, Haarausfall, Schleimhautprobleme, Erschöpfung, Depressionen, Unfruchtbarkeit, vorzeitige Wechseljahre, Langzeitschäden an Herz und Nerven – eine Chemotherapie kann schlimm sein, und eine Frau mit Brustkrebs fragt sich: Muss ich das wirklich machen lassen? Auf dem größten Amerikanischen Krebskongress ASCO in Chicago wurde jüngst eine möglicherweise wegweisende Studie vorgestellt: Mehr Frauen als gedacht, nämlich gut zwei Drittel der Brustkrebs-Patientinnen, könnte mit Hilfe eines Gentestes eine Chemotherapie erspart werden. „Bei Tausenden von Frauen können wir jetzt beruhigt auf eine Chemotherapie mit all ihren Nebenwirkungen verzichten, so Harold Burstein, Onkologe am Dana-Farber-Krebsinstitut in Boston, „und dabei trotzdem exzellente Langzeitergebnisse erzielen.“

          Die „TAILORx“-Studie ist eine besonders große Brustkrebsstudie, 10.253 Patientinnen wurden eingeschlossen. Bei allen Frauen war mit dem Tumormaterial ein Gentest durchgeführt worden, „Oncotype DX Breast Recurrence Score“, der gleichzeitig die Aktivität in 21 Tumor-Genen prüft. Das Ergebnis liegt zwischen 0 und 100 Punkten. Der Wert steht für das Risiko, dass ein Krebs wiederkommt. Bisher war klar: Bei einem Wert unter 18 benötigt die Frau keine Chemotherapie und bei einem Wert über 30 ist dringend dazu zu raten. Unsicher waren sich aber die Ärzte im Zwischenbereich. Weil die bisherigen Biomarker eine genaue Prognose nicht zuließen, gingen die Mediziner lieber auf Nummer sicher und empfahlen dann doch meist eine Chemotherapie.

          Keine Chemo bei Werten im Graubereich

          Diese empirische Lücke schließt jetzt zumindest vorläufig die neue Studie. Die 6.711 Patientinnen mit einem für die Studie neu definierten Wert zwischen 11 und 25 bekamen entweder nur die standardmäßige Hormontherapie oder eine Kombination aus Hormon- und Chemotherapie. Die Behandlung hatte den gleichen Effekt: Nach neun Jahren war in beiden Gruppen bei mehr als 80 Prozent der Krebs nicht gewachsen und ähnlich viele Frauen lebten noch, nämlich mehr 93 Prozent. „Jetzt können wir zahlreiche Frauen mit einem Test im Graubereich beruhigen, dass sie keine Chemo brauchen“, sagt Michael Lux, stellvertretender Direktor der Uni-Frauenklinik in Erlangen. „Bisher mussten wir das immer anhand von herkömmlichen Markern sagen, was mit einer gewissen Unsicherheit verbunden war.“

          Doch längst nicht alle Frauen bräuchten den Test, nur bei rund jeder fünften Patientin ist er sinnvoll. „Ob er für einen in Frage kommt, klärt man am besten mit seinem Arzt in einem zertifizierten Brustkrebszentrum“, rät Lux. Ein anderes Problem sei, dass die meisten gesetzlichen Krankenkassen den rund 3.200 Euro teuren Test nicht erstatten. „In den Vereinigten Staaten und einigen anderen Ländern wird der Test seit Jahren bezahlt“, sagt Lux. Es bleibt nur zu hoffen, dass sich die deutschen Gesundheitspolitiker jetzt endlich auch dafür entscheiden.“ Das IQWiG hatte vor zwei Jahren die Studienlage als nicht ausreichend bewertet, um dem Gemeinsamen Bundesausschuss eine Entscheidung für die Erstattung der Gentest-Kosten zu empfehlen.

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