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Bluttest für Chemotherapie : „Wirkt es schon?“

  • -Aktualisiert am

Das Ärzteteam um Bee Luan Khoo hofft, mit ihrem Bluttest bald die individuelle Wirkung einer Chemotherapie schon nach zwei Wochen bestimmen zu können. Bild: dpa

Chemotherapien zur Behandlung von Krebs schlagen bei Patienten oft unterschiedlich an. Ein neuer Bluttest soll jetzt frühzeitig Aufschluss über ihre Wirkung geben.

          Krebs ist nicht gleich Krebs, und weil jeder Tumor verschieden ist, sprechen einige besser auf eine Chemotherapie an als andere. Viele Tumore werden auch mit der Zeit resistent. Die Ärzte können die Wirkung einer Chemotherapie auf einen soliden Tumor derzeit nicht anhand regelmäßiger Blutproben überprüfen. Sie müssen warten, bis der Tumor entweder schrumpft oder weiterwächst. Das kann Wochen oder Monate dauern. Bis dahin erhält der Patient vielleicht eine Chemotherapie, die ihm nichts nützt, sondern ihn nur belastet.

          Die Ärzte haben daher großes Interesse an einem einfachen Test, der die Wirkung einer Chemotherapie schnell, sicher und mit wenigen Millilitern Blut vorhersagt. Bee Luan Khoo vom „Singapore-MIT Alliance for Research and Technology Centre“ in Singapur und seinen Kollegen scheint die Entwicklung eines solchen Tests nun tatsächlich gelungen zu sein („Science Advances“, doi: 10.1126/sciadv.1600274).

          Was sind die entscheidenden Erfolgsfaktoren? Kritisch sind das Gerät, für dessen Konzeption alle Register der Mikrotechnik und der Mikrofluidik gezogen werden mussten, und die verwendeten Tumorzellen. Khoo und seine Kollegen arbeiten mit zirkulierenden Tumorzellen aus dem Blut. Diese sind der Ausgangspunkt für die Metastasierung über das Blutgefäßsystem. Zirkulierende Tumorzellen treiben entweder einzeln oder in kleinen Gruppen aus zwanzig bis hundert Zellen durch die Gefäße. Je größer die Cluster sind, desto größer ist auch ihr Metastatisierungspotential.

          Allerdings gibt es in den Frühphasen einer Krebserkrankung nur wenige zirkulierende Tumorzellen im Blut. Auf einen Milliliter Blut kommen schätzungsweise ein bis zehn dieser Zellen. Zum Vergleich: Bei gleichem Volumen liegt die Zahl der weißen Blutkörperchen bei einigen Millionen, die Zahl der roten Blutkörperchen bei mehr als einer Milliarde. Khoo und seinen Kollegen ist es mit vielen Tricks gelungen, die zirkulierenden Tumorzellen ohne Anreicherung in den winzigen Vertiefungen einer Testplatte zu kultivieren und deren Reaktionen auf verschiedene Zellgifte zu testen.

          Hinter dem Bluttest steht ein ausgeklügeltes System

          Der Test beginnt mit einer Blutprobe. Danach entfernen Khoo und seine Kollegen die roten Blutkörperchen und das Blutplasma und geben die Tumorzellen und die weißen Blutkörperchen in Tausende von Vertiefungen. Vermehren sich die Tumorzellen in den winzigen Löchern der Testplatte und lagern sie sich zu größeren Clustern zusammen, ist das ein starker Hinweis auf deren metastasierendes Potential.

          Elf Tag nach dem Beginn der Kultur werden die Tumorzellen dann mit verschiedenen Konzentrationen an Zellgiften konfrontiert. Sterben die Zellen dadurch ab und bilden sich keine Cluster mehr, zeigt dies, dass die Chemotherapeutika wirken und die Therapie greift. Entstehen Cluster, ist die Therapie wirkungslos oder unterdosiert. Letzteres kann anhand der verschiedenen Konzentrationen überprüft werden.

          Khoo und seine Kollegen haben den Test mit Blutproben von 24 Patienten überprüft und eine gute Korrelation zu den klinischen Daten festgestellt, allerdings muss der Test weiter geprüft und mit längerfristigen klinischen Daten in Beziehung gesetzt werden. Auch die Robustheit des Tests muss noch weiter erprobt werden. Für eine breite klinische Anwendung sollte er immer und überall funktionieren.

          Khoo und seine Kollegen hoffen, dass der Test bald dazu genutzt werden kann, die Wirkung einer Chemotherapie bereits in den ersten zwei Wochen nach Beginn der Therapie zu überprüfen, und dass regelmäßige Wiederholungen des Tests die Ärzte frühzeitig auf eine Resistenzentwicklung aufmerksam machen.

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