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Bedenkliche Fettsäuren : Wie die WHO die Welt entfetten will

  • -Aktualisiert am

Besonders in Fast-Food steckt viel Transfett Bild: dpa

Gehärtete Fette sind ungesund. Trotzdem findet man sie in vielen Lebensmitteln. Die WHO sagt ihnen jetzt mit einer Kampagne den Kampf an.

          Fertiggerichte, Fast-Food und Backwaren – diese Lebensmittel stehen unter Dauerkritik. Sie alle enthalten künstlich gehärtete Fette: Für die Lebensmittelindustrie ist das praktisch, denn sie sind günstig, lange haltbar und geschmacksneutral. Für die Gesundheit sind sie jedoch bedenklich. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fordert die Staaten nun zum Handeln auf. Die Transfette sollen möglichst vom Markt verschwinden.

          Trans-Fettsäuren entstehen auf zwei Weisen: Beim Verdauungsprozess von Wiederkäuern und bei der Erhitzung oder industriellen Erhärtung von Pflanzenfetten, auch Hydrierung genannt. Im natürlichen Zustand hat das einzelne Fettmolekül eine ungesättigte Doppelbindung. Bei der industriellen Verarbeitung wird daraus eine gesättigte Einfachbindung. Die Reduktion der Doppelbindung erhöht den Schmelzpunkt und macht das Fett so fest und haltbar.

          Im Fleisch und in der Milch von Kühen, Schafen und anderen Wiederkäuern gelten die Transfette durch ihren geringen Mengenanteil als unbedenklich. Anders in der Lebensmittelproduktion. Seit Jahren stehen die gehärteten Fette wegen mutmaßlich gesundheitsgefährdender Folgen immer wieder unter Kritik von Forschung und Öffentlichkeit. Laut einer großen Zahl an Studien steigern Transfette das „schlechte“ Cholesterin (Low Density Lipoprotein) und senken das „gute“ Cholesterin (High Density Lipoprotein). Die Folgen sind Herzkreislauferkrankungen wie Herzinfarkte und Schlaganfälle. Auch Diabetes Typ 2 zählt dazu.

          WHO fordert gesetzliche Vorgaben

          Viele Länder, darunter vor allem Industriestaaten, haben in den vergangenen Jahren bereits Höchstgrenzen für den Anteil von Transfetten in Lebensmitteln erlassen. Doch laut Weltgesundheitsorganisation ist das nicht genug. Mit einer Kampagne fordert sie jetzt die staatliche Reglementierung der gehärteten Fette in ihren Mitgliedsländern. Bis zum Jahr 2023 sollen sie weitgehend aus dem globalen Lebensmittelangebot verschwinden. Dabei beruft sich die Organisation auf Dänemark. Dort liegt der höchste erlaubte Anteil von trans-Fettsäuren in Nahrungsfetten seit 2003 bei zwei Prozent.

          Der durchschnittliche Gehalt (weltweit) von trans-Fettsäuren pro Portion ist rückläufig

          Die WHO sieht darin den Grund für die rasante Abnahme von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Dänemark während der vergangenen Jahre. Vor allem aber sieht die Organisation Handlungsbedarf in Schwellen- und Entwicklungsländern. „Dort sind die Kontrollen der verwendeten Mengen von industriell produzierten Transfetten oft schwächer“, so Francesco Branca von der WHO. Natürlich gebe es noch viele weitere Inhaltsstoffe, die in den Lebensmitteln reduziert werden müssten. „Aber Transfette durch ungehärtete Fette zu ersetzen, ist essentiell für die Gesundheit und so einfach, dass es höchste Zeit wird“, erklärt Branca.

          Und was ist mit Deutschland?

          Hierzulande gibt es bislang keine Reglementierungen für die Verwendung der trans-Fettsäuren in der Lebensmittelherstellung. Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sieht hier allerdings keinen Handlungsbedarf. Der Anteil von Transfetten an der gesamten Fettmenge eines Produktes liege in Deutschland durchschnittlich bei gerade einmal 0,66 Prozent. Nur bei einem Zehntel der Verbraucher, meist jüngeren Menschen, beobachte man eine erhöhte Aufnahme durch den Verzehr von Junkfood, erklärt die Ökotrophologin. Den Apell der WHO fände sie zwar grundsätzlich richtig. Aber ob es immer gleich ein Verbot sein muss? Gahl bevorzugt der „Bevormundung“ eine bessere Aufklärung der Verbraucher über gesunde Ernährung und verlangt mehr Transparenz. Bislang sind Transfette auf Verpackungen ohne Mengenangabe mit den Worten „teilweise gehärtet“ verzeichnet. „Für den bewussten Konsum müssten genaue Inhaltsmengen angegeben sein“, fordert Gahl.

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