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Ausdauersport im Alter : Bis die Pumpe nicht mehr mitspielt

  • -Aktualisiert am

Altbekanntes Problem: Nach einem Schwächeanfall strauchelt der Marathonläufer Dorando Pietri bei den Olympischen Spielen 1908 in London. Nur mit Unterstützung kommt er als Erster ins Ziel und wird daraufhin disqualifiziert. Bild: akg-images

Sport ist gesund, heißt es immer. Vor allem, wenn es um Ausdauer geht. Man kann die Sache aber auch übertreiben.

          Dieses Rennen war nur etwas für die Härtesten der Harten. Was war dagegen schon ein Marathon? Nach vierhundert Minuten ist bei diesem Wettbewerb die Quälerei für die meisten in der Regel vorbei. Selbst ein Ironman-Weltmeister darf sich nach gerade mal acht Stunden den Siegerkranz um den Hals hängen. Das Race Across the USA dagegen zog sich 2015 über endlose einhundertvierzig Tage und quälende fünftausend Kilometer hin.

          Das kann nicht mehr gesund sein, dachte sich Jeffrey Lin, damals Sportkardiologe am Massachusetts General Hospital im amerikanischen Boston. Er testete zehn der zwölf Teilnehmer vor und nach dem Rennen gründlich durch. Im Anschluss an die Tortur hatte der obere Blutdruckwert abgenommen. Das war aber auch das einzige positive Ergebnis. Nicht nur die Blutfett- und Entzündungswerte waren schlechter geworden. Wer schon beim Start in Kalifornien mit solchen Risikofaktoren für eine Arteriosklerose ins Rennen gegangen war, hatte, im Ziel in Maryland angekommen, mehr Verschlüsse und Cholesterineinlagerungen in den Herzkranzgefäßen. Das galt für fünf der Sportler. „Unsere Ergebnisse legen nahe“, schrieb der Wissenschaftler später im Journal of the American College of Cardiology, „dass sehr intensiver Ausdauersport nicht etwa Arteriosklerose verhindert, sondern die Entstehung einer koronaren Herzkrankheit manchmal eher beschleunigt.“

          Ab 45 geht es bergab

          Das kann man überraschend finden. Gilt doch Ausdauersport eigentlich als ideale Vorbeugungsmaßnahme gegen Bluthochdruck, Herzinfarkt und Diabetes. Lins Studie deutet nun an, dass sich dieser Effekt bei besonders großen Anstrengungen womöglich umdreht. Ähnliche Warnzeichen waren vor ihm schon anderen Wissenschaftlern ins Auge gefallen. Im Vergleich zu sportlich weniger ambitionierten Zeitgenossen, so stellte 2012 der Kardiologe James O’Keefe von der University of Missouri in Kansas City zum Beispiel fest, finden sich in den Herzgefäßen von älteren Marathonläufern mehr Verkalkungen. Das wird kein Ausdauersportler gerne hören. Verunsichert wurden Jogger, Rennradler und Triathleten auch durch ein Buch des Journalisten Chris Case, das gerade in Online-Foren Furore macht. Geschrieben habe er es unter dem Titel „Haywire Heart“ (kaputtes Herz), sagt der Autor, weil immer mehr Sportsfreunde ihm ihr Leid geklagt hätten. „Das waren keine Einzelfälle mehr“, sagt er. Auf rund dreihundert Seiten schildert er, wie zu viel Ehrgeiz und Training womöglich nicht nur häufiger zu Arteriosklerose, sondern auch zu Herzrhythmusstörungen führen.

          Hans-Georg Predel, Leiter des Instituts für Kreislaufforschung und Sportmedizin an der Deutschen Sporthochschule Köln, ist im vergangenen Sommer beim Kongress der europäischen Herzmediziner in Barcelona gewesen. Zentrales Thema der Sportkardiologen, erzählt er, seien dort ebenjene Rhythmusstörungen gewesen, die vor allem bei älteren Hobbyathleten auftreten. „Wahrscheinlich geht es gnadenlos ab 45 Jahren los“, sagt er. Unter dem ständigen Druck, die eigene Leistungskraft zu steigern, beginne das potentiell überforderte Herz bei manchen damit, statt neuer Muskelzellen Bindegewebe in die Organwände einzubauen. Schätzungen zufolge könnte bis zu jeder dritte Athlet aus dieser Altersgruppe von dieser sogenannten Fibrose betroffen sein. Das isolierende Bindegewebsmaterial stört den Fluss der Elektronen im Herzgewebe, über den die Muskelzellen das Signal übermitteln, sich gemeinsam für den Herzschlag zusammenzuziehen. In den beiden Vorhöfen, in denen sich das von Lunge und Körper zurückströmende Blut sammelt, kann das resultierende Chaos sogar dazu führen, dass diese keinerlei koordinierte Bewegung mehr zustande bringen. Sie flimmern dann nur noch funktionsuntüchtig vor sich hin. In der rechten und linken Herzkammer, die das Blut wieder Richtung Lunge und Körper zurückpumpen, treten bei manchen außerdem unvorhergesehene Zusatzschläge, sogenannte Extrasystolen, auf. Eine Fibrose schade generell auch der Elastizität des Organs, sagt Predel, dadurch arbeite es dann weniger ökonomisch und müsse sich mehr anstrengen, um die gleiche Leistung zu erbringen.

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