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Antibiotika : Keime, wollt ihr ewig leben?

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Höchste Zeit für neue Waffen im Mikrobenkrieg: Enterobacter cloacae waren wohl für den Tod von drei Babys an der Mainzer Uniklinik verantwortlich Bild: dpa

Krankenhaushygiene heißt nicht nur Händewaschen, sondern auch Kampf gegen resistente Bakterien. Dazu braucht es wirksame Antibiotika. Aber davon kommen kaum neue auf den Markt, weil die Entwicklung langwierig, aufwendig und teuer ist.

          Ein simpler Schnitt in den Finger, und der eigentlich kerngesunde Mann stirbt. Eine Frau erliegt im Kindbett ihrem Fieber. Ein Säugling wird durch Lungenentzündung dahingerafft – alltäglicher Schrecken bis weit ins zwanzigste Jahrhundert hinein. Dann kamen die Antibiotika, und alles wurde anders. Der Kampf gegen Infektionskrankheiten schien gewonnen.

          Heute wissen wir, dass zu früh gejubelt wurde. Gerade einmal vier Jahre war Penicillin auf dem Markt, da tauchten 1947 bereits die ersten widerstandsfähigen Bakterien auf. Schon 1961 registrierten britische Ärzte Staphylokokken, die gegen Methicillin resistent waren (MRSA). Die Entwicklung hält bis heute an. Erst vor ein paar Tagen wurde bekannt, dass es in Belgien den vermutlich ersten Toten auf europäischem Boden gegeben hat, der mit einem neuen Typ Bakterien infiziert war, der gegen nahezu alle bekannten Antibiotika immun ist.

          14.000 MRSA-Fälle in Deutschland pro Jahr

          Immerhin schienen Ärzte und Forscher den Mikroben jahrzehntelang einen Schritt voraus zu sein. Doch seit einiger Zeit bleibt der Nachschub neuer Wirkstoffe aus. Achtzig Prozent aller heute verwendeten Antibiotika stammen aus den vierziger, fünfziger und sechziger Jahren und basieren auf lediglich drei Wirkmechanismen. Entweder stören sie den Aufbau der Bakterienzellwand (Cyclosporine und Penicilline), die Erbgutsynthese (Chinolone) oder die Eiweißproduktion (Makrolide, siehe auch „Die wichtigsten Antibiotika“).

          Mittlerweile sind immer mehr Bakterienstämme verbreitet, die gleich gegen alle drei Wirkmechanismen immun geworden sind. Die resistenten Mikroben zerstückeln die Antibiotika oder pumpen sie aus ihren Zellen, sie schotten ihre Zellwand ab, sie suchen Schutz in den Zellen des Patienten oder verändern jene bakterieneigenen Proteine, die das Antibiotikum angreifen soll.

          Ein nun aus Indien eingeschleppter Bakterientyp vereint mehrere solcher Resistenzmechanismen, darunter auch die Fähigkeit, ein bestimmtes Enzym zu bilden. Mit Hilfe dieser „Neu-Delhi-Metallo-Beta-Lactamase“, kurz NDM-1, können sie auch bis dato noch wirksame Substanzen wie Carbapenem unschädlich machen. Das verantwortliche Gen findet sich unter anderem bereits in Klebsiella pneunomiae und Enterobacter cloacae; das Robert-Koch-Institut in Berlin fürchtet, dass es auf weitere Bakterien übertragen wird.

          In Deutschland sind bislang nur vier Fälle einer NDM-1-Infektion bekanntgeworden. Nach einer im Lancet veröffentlichten Studie sind es in Großbritannien 37, in Bangladesch, Pakistan und Indien zusammen etwa 140. Die Zahl der MRSA-Fälle liegt weit darüber: In Deutschland sollen es nach einer Schätzung der Berliner Charité etwa 14.000 pro Jahr sein.

          Entwicklung eines Antibiotikums dauert 14 Jahre

          Höchste Zeit also für neue Waffen im Mikrobenkrieg. Doch die Fakten trüben jede Hoffnung: Zwischen 1983 und 1987 wurden 16 neue Antibiotika zugelassen, zwischen 2003 und 2007 waren es bloß noch fünf. Das hat zunächst einmal damit zu tun, dass die Entwicklung von Antibiotika eine echte Herausforderung ist. Ein neues Mittel sollte zum Beispiel in der Lage sein, nicht nur einer, sondern mindestens den sieben wichtigsten Bakterienarten den Garaus zu machen.

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