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Alzheimer-Risiko : Dicksein begünstigt Demenz

  • -Aktualisiert am

Demenzkranke Frau in einem Pflegeheim Bild: dpa

Wer in mittleren Jahren Übergewicht entwickelt, zeigt früher als andere Anzeichen geistigen Verfalls. Darauf deutet eine amerikanische Bevölkerungsstudie hin.

          Seit einiger Zeit mehren sich die Hinweise, dass starkes Übergewicht einer Alzheimerschen Krankheit Vorschub leistet. Je ausgeprägter außerdem die Speckpolster, desto früher scheint die Demenz auszubrechen. Dafür sprechen die jüngsten Ergebnisse einer amerikanischen Bevölkerungsstudie, die seit 1958 den Ursachen altersbedingter Krankheiten auf den Grund geht. Die in der aktuellen Auswertung berücksichtigten Personen, rund 1400 durchschnittlich 60 Jahre alte Männer und Frauen aus Baltimore, waren zu Beginn körperlich und geistig gesund. Im Verlauf von bis zu 35 Jahren erhielten dann 142 von ihnen die Diagnose Alzheimer-Demenz, und das im mittleren Alter von 83 Jahren.

          Wie Madhav Thambisetty vom National Institute on Aging in Baltimore und seine Kollegen im Fachmagazin „Molecular Psychiatry“ schildern, trat die Alzheimer-Demenz bei Männern und Frauen, die im Alter von 50 Jahren zu viele Pfunde auf die Waage brachten, merklich früher auf als bei schlankeren Betroffenen. Am schlechtesten erging es den Dicksten: Bei ihnen manifestierte sich der geistige Verfall bereits im mittleren Alter von 78 Jahren, während die Krankheit bei den Normalgewichtigen durchschnittlich erst etwa sechs Jahre später ausbrach. Wie zudem Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren und Autopsien bei Verstorbenen ergaben, reicherten sich im Gehirn der beleibten Personen über die Jahre hinweg größere Mengen der Alzheimer-typischen Proteine Amyloid-Beta und Tau an.

          Weniger Glukoseverbrauch

          Auf welche Weise zu große Speckpolster das Demenzrisiko fördern, geht aus der Studie nicht hervor. Eine wichtige Rolle könnte eine unzureichende Ansprechbarkeit der Zellen auf das Hormon Insulin spielen. Denn eine solche Insulinresistenz, die in ausgeprägter Form einen Typ 2-Diabetes hervorruft, geht oft Hand in Hand mit Übergewicht und birgt zudem – wie im Übrigen auch Diabetes – ein erhöhtes Alzheimerrisiko. Ein Grund hierfür ist möglicherweise die mangelnde Energieversorgung des Gehirns. Können die Zellen die Botschaften von Insulin nicht mehr richtig wahrnehmen, verlieren sie die Fähigkeit, genügend Zucker für ihren Energiebedarf aufzunehmen.

          Wie Forscher der Wisconsin University um Auriel Willette und Barbara Bendlin zeigen konnten, weist das Gehirn von Personen mit Insulinresistenz in etlichen Regionen einen verminderten Glukoseverbrauch auf. Je ausgeprägter zudem der Energiemangel im Denkorgan, desto schlechter schnitten die Probanden in kognitiven Tests ab („Jama Neurology“. Insofern stellt sich die Frage, ob eine Behandlung der mangelnden Insulinempfindlichkeit in der Lage sein könnte, die Alzheimersche Demenz zu verhindern oder deren Fortschreiten hinauszuzögern.

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