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Adipositas : Yoga ist nicht nur für Schlanke da

  • -Aktualisiert am

Schwere Last: in Deutschland sind rund 24 Prozent der Frauen adipös. Bild: dpa

Auch stark übergewichtige Frauen können Yoga praktizieren. Kann man etwa mit Yoga Adipositas bekämpfen? Zumindest Forscher bestätigen diese Annahme.

          Mit dem „Sonnengruß“ gegen Adipositas? Was zunächst etwas merkwürdig klingt, könnte künftig als therapeutische Maßnahme bei stark übergewichtigen Frauen eingesetzt werden. Denn Yoga, eine alte indische Philosophie, die bereits seit Tausenden Jahren praktiziert wird und sich heute zum „Kultsport“ etabliert hat, wird als geeignete Methode zum Abnehmen empfohlen. Darüber berichten Wissenschaftler im „Deutschen Ärzteblatt“.

          An jeder Ecke gibt es heute Fast-Food-Ketten und Imbissbuden, in jedem Lebensmittelgeschäft werden mit Zusatzstoffen und Geschmacksverstärkern angereicherte Lebensmittel verkauft. Auch sitzende Tätigkeiten, Stress im Beruf und Sportabstinenz bedeuten bekanntlich nichts Gutes. Der Überschuss an zu viel, zu falsch und zu wenig führt dazu, dass Fett angelegt wird. Kein Wunder also, dass nach offiziellen Statistiken rund 23 Prozent der Männer und 24 Prozent der Frauen in Deutschland adipös sind.

          Auch Stoffwechselkrankheiten, verschiedene Medikamente und Erbanlagen können zu einer Fettsucht führen. Empfehlungen von Experten zum Abnehmen scheinen häufig wenig zu bewirken. Zu verlockend sind Knabbereien, Alkohol und Softdrinks, zu groß die Herausforderung beim Sport. Was tun also? Forscher der Universität Duisburg-Essen haben eine mögliche Antwort gefunden: Yoga. 60 Frauen mit zentraler Adipositas, eine ungünstige bauchbetonte Fettansammlung, wurden zwei Gruppen zugewiesen. 40 von ihnen sollten an einer dreimonatigen Yoga-Intervention teilnehmen, der Rest sollte als Wartegruppe ihre Bewegungsgewohnheiten nicht ändern. Die Studienteilnehmerinnen waren durchschnittlich 48 Jahre alt, die meisten verheiratet oder in einer festen Partnerschaft, die Mehrzahl gebildet und berufstätig.

          Die Pfunde purzeln lassen

          Die Yoga-Einheiten, die an die körperlichen Möglichkeiten und Einschränkungen der adipösen Frauen angepasst worden waren, umfassten ganztägige Workshops, gefolgt von zwei wöchentlichen 90-minütigen Einheiten in traditionellem Hatha Yoga. Den Teilnehmerinnen wurde zudem nahegelegt, sich nach traditionellen Yoga-Lehren zu ernähren: Frische pflanzliche Kost, weniger industriell verarbeitete Lebensmittel und eine generelle achtsame Nahrungsaufnahme wurden zwar empfohlen, aber nicht erzwungen. Mit verschiedenen Körperstellungen aus der Yoga-Vidya-Grundreihe wie dem herabschauendem Hund und der Stellung des Kindes sowie Atemübungen, Tiefenentspannung und Meditation schafften es die 40 Teilnehmerinnen, ihren Bauchumfang um rund vier Zentimeter zu reduzieren. Im Vergleich zur Kontrollgruppe haben sich außerdem ihr Taille-Hüfte-Verhältnis, Körpergewicht, BMI und Körperfettanteil verringert, gleichzeitig hat sich ihr Körpermuskelmasseanteil gesteigert. Zudem gaben die Teilnehmerinnen an, dass sich ihre geistige und körperliche Lebensqualität und ihr Selbstwertgefühl verbessert habe. Yoga wurde von ihnen als Stressabbau wahrgenommen, berichten Holger Cramer und seine Kollegen.

          „Bewegung ist bei Adipositas grundsätzlich vorteilhaft“, kommentiert Stefanie Gerlach von der Deutschen Adipositas-Gesellschaft die Ergebnisse, sie sei Bestandteil der klassischen Therapien gegen die Fettsucht. „Das Ausprobieren neuer Bewegungsformen, die nicht primär leistungsorientiert sind, kann besonders bei Übergewichtigen neue, positive Körpererfahrungen ermöglichen. Insofern würde ich jeden einladen, Yoga für sich auszuprobieren, zumal die Studie offensichtlich keine schädlichen Wirkungen hatte.“

          Allerdings weist die Untersuchung auch Lücken auf: So konnten die Teilnehmerinnen beider Gruppen nicht durchgängig überwacht werden. Auch die bei Adipositas zwingend erforderliche Ernährungsumstellung wurde nicht umgesetzt. Ferner könne man, so Gerlach, bei so einer kurzen Studie nicht endgültig sagen, ob langfristig die beobachteten Effekte auf den Bauchumfang Bestand haben. Dafür müssten die Messungen ein Jahr nach Beginn des Yogatrainings wiederholt werden.

          Quelle: F.A.Z.

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