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Offensive für „Open Access“ : Die aggressive Logik der Öffnung

So muss es nicht kommen. Oder doch? Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Sahnen Wissenschaftsverlage ab, sind die öffentlichen Haushalte Verschwender? Eine Max-Planck-Studie fordert den „flächendeckenden Umbau“ der Branche und rechnet vor: Das rentiert sich, und zwar sofort.

          Ein Titel wie ein Schlachtruf: „Das Durchbrechen des Geschäftsmodells der Subskriptionsjournale für den notwendigen Umbau zum Open Access“. So steht das über einer neuen Studie der Max Planck Digital Library, ein Papier, das keine Gefangenen macht. Die Kernbotschaft lautet: Das gesamte derzeit profitabel arbeitende, aber verschwenderische System der Wissenschaftszeitschriften könnte innerhalb der nächsten Jahre komplett zerlegt und in ein offenes, sparsameres System für alle verwandelt werden - so wie das insbesondere die Wissenschaftsorganisationen, aber auch viele Hochschulen, seit Jahren anstreben. Jede Publikation und jedes Forschungsprojekt, die aus öffentlichen Mitteln finanziert werden, sollen möglichst vom Tag der Veröffentlichung an über das Internet für jeden frei verfügbar sein.

          Joachim  Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          „Science Europe“, eine dieser Allianzen, die fünfzig der wichtigsten europäischen Forschungsorganisationen hinter sich weiß, hat dieses ultimative Ziel erst als Abschlussbotschaft ihrer Generalversammlung Mitte April formuliert: Vier neu vereinbarte Prinzipien, die „Minimalstandards“ für die Open-Access-Politik in allen Disziplinen, von den Natur- bis zu den Geisteswissenschaften, sicherstellen sollen.

          Bibliotheken der Gegenwart, der Vergangenheit.
          Bibliotheken der Gegenwart, der Vergangenheit. : Bild: dpa

          Auf mindestens 13 Prozent wird in der Max-Planck-Studie der Marktanteil der wissenschaftlichen Artikel geschätzt, die in frei zugänglichen Open-Access-Zeitschriften erscheinen. Jährliche Steigerung: rund ein Prozent: „PlosOne“ ist innerhalb weniger Jahre nach der Gründung zum größten Wissenschaftsmagazin der Welt aufgestiegen, sowohl was die Zahl der Aufsätze als auch die für die Gewichtung (den berühmten „Impact-Faktor“) wichtigen Zitierungen angeht. Dennoch: Ein Prozent Wachstum jährlich im Open-Access-Sektor ist nicht gerade gewaltig, die allermeisten Artikel erscheinen eben immer noch im klassischen Markt der Subskriptionszeitschriften, die sich ihre Wochen- oder Monatsabos von öffentlich finanzierten Instituten und vor allem Bibliotheken üppig bezahlen lassen. In der Max-Planck-Studie  wird ein durchschnittlicher Preis von 3800 bis 5000 Euro pro Artikel angegeben bei 1,5 bis 2 Millionen publizierten Artikeln (je nachdem ob alle, oder nur die via „Web of Science“ zugänglichen Aufsätze betrachtet werden). 

          Macht unter dem Strich globale Ausgaben von 7,6 Milliarden Euro, die zum allergrößten Teil aus Mitteln der öffentlichen Hand fließen. Was, haben nun die Max-Planck-Bibliothekare ausgerechnet, würde passieren, wenn man diese in Abos fließenden Bibliotheksmittel in die Publikationsgebühren für Open Access stecken würde. Das Open-access-Modell sieht vor, dass nicht der Käufer oder Leser des Artikels, sondern der Erzeuger - sprich: die Autoren - eine Gebühr und damit die Herstellungskosten des Artikels (inklusive Begutachtung) übernehmen. Derzeit liegen den Berechnungen aus der Max-Planck-Bibliothek zufolge die durchschnittlichen Herstellungskosten  je Artikel in reinen Open-Access-Zeitschriften zwischen 1100 und rund 1300 Euro. Die Werte stammen aus den eigenen, zehn Jahre währenden Open-Access-Erfahrungen der Max-Planck-Gesellschaft sowie den vom Cern in Genf gestarteten „SCOAP3“-Projekt und den vom „Wellcome-Trust“ in Großbritannien gesammelten Daten.

          „Hybrid-Modelle“ für den Übergang?

          In den sogenannten „Hybrid-Publikationsstrategien“, die seit einiger Zeit vermehrt von den Großverlagen verfolgt werden und nur einen bestimmten Teil der Artikel als Open Access „vermarkten“, ergibt sich eine andere Kostenstruktur. Die Preise pro Artikel dürften höher liegen, weil auch der Verlagsaufwand über den reinen digitalen Herstellungskosten liegt. Die Max-Planck-Autoren kalkulieren, dass derzeit von einem Aufwand für solche Open-Access-Artikel in einem Hybridsystem von rund 2000 Euro auszugehen ist. Auch dieser Wert ist  noch halb so hoch wie der veranschlagte mittleren Artikelpreis unter dem Abonnementmodell.

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