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Löwen : Im Schutz der Vuvuzela

Der dunkelmähnige Star des Hwange Nationalparks in Simbabwe, aufgenommen Ende Mai 2015. Einen Monat später wurde Cecil von einem amerikanischen Zahnarzt getötet. Bild: Foto Brent Stapelkamp/Polaris/Laif

Er hieß Cecil und wurde von einem Jäger erschossen. Sein Schicksal hat dazu geführt, dass Löwen nicht nur in Simbabwe mehr Aufmerksamkeit bekommen. Davon profitieren alle.

          Ein erlegter Springhase oder eine Giraffe hätte wohl kaum so einen Wirbel ausgelöst. Als jedoch der Tod von Cecil, dem Löwen, im Sommer 2015 bekanntwurde, stand plötzlich die ganze Welt kopf. „Die Nachricht berührte alle, gerade weil es sich um einen Löwen handelte, denn zwischen uns Menschen und diesen Tieren besteht seit Jahrtausenden eine besondere Beziehung. Man schenkte deshalb unserer Arbeit mehr Beachtung und hinterfragte die Trophäenjagd“, erklärt Brent Stapelkamp, der seither versucht, das öffentliche Interesse aufrechtzuerhalten und für das Überleben der Großkatzen in ihrer natürlichen Umgebung zu nutzen. Nicht nur in Zimbabwe, wo der 39-jährige Naturschützer mit seiner Familie lebt: Am liebsten sähe er Löwen als „World Heritage Species“ anerkannt und dementsprechend unter Schutz gestellt als ein Erbe, zu dessen Erhalt alle etwas beitragen, nicht nur diejenigen, die direkt betroffen sind, weil ihre Felder und Viehweiden von Afrikas berühmten und in ihrer Existenz bedrohten „Big Five“ heimgesucht werden.

          Sonja Kastilan

          Redakteurin im Ressort „Wissenschaft“der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Auf dem afrikanischen Kontinent leben nur noch 20.000 bis 30.000 Löwen, und rund eine Milliarde Dollar wären vermutlich jährlich nötig, um den Fortbestand ihres bereits dramatisch geschrumpften Lebensraums zu sichern. Für Brent Stapelkamp, der einige Jahre im Hwange-Nationalpark in Zimbabwe für The Wildlife Conservation Research Unit (WildCRU) der Oxford-Universität forschte, ein überaus wichtiges Vorhaben. „Wir sollten mit Selbstbewusstsein auftreten und stolz sein, dass es diese Tiere noch gibt. Warum sollten wir unser Erbe an einen amerikanischen Zahnarzt verkaufen?“

          Unbezahlbares Gut

          Für 50.000 Dollar etwa? Die hatte der Amerikaner Walter Palmer angeblich für den Abschuss von Cecil mit Pfeil und Bogen an den einheimischen Jäger Theo Bronkhorst bezahlt. Während Palmer ohne Strafe davonkam, muss sich Bronkhorst jetzt erneut vor Gericht für die illegale Jagd auf den imposanten Löwen verantworten. Nein, es sei unbezahlbar, bekräftigt Stapelkamp. Und wenn man die Löwen rette, rette man gleichzeitig viele andere Arten und deren Lebensraum, denn sie nähmen einen zentralen Platz im Ökosystem ein.

          „Der Fall Cecil hat mein Leben verändert und mir einigen Ärger von Seiten der Jagdindustrie eingebracht. Aber es geht nicht nur um diese eine Jagd, für die ich mir nach wie vor Gerechtigkeit wünsche. Es hat Dutzende ähnlicher Fälle gegeben.“ Für Stapelkamp geht es um alles, Löwen bedeuten für ihn die ganze Welt. Er hofft, mit seiner Leidenschaft auch andere für diese Tiere zu begeistern, damit sie sich engagieren und Projekte fördern, die dem Schutz dienen. Wie das gelingen könnte und auf welche Weise der schon über zwölf Jahre alte, aber immer noch gesunde und kräftige Cecil das Opfer einer illegalen Jagd wurde, erzählt uns Brent Stapelkamp beim Frühstück in der privaten Ivory Safari Lodge, die außerhalb, aber doch in der Nähe des Hwange-Nationalparks gelegen ist.

          Für Tiere gibt es keine Ländergrenzen

          Kein Zaun trennt das Schutzgebiet von den umliegenden Wäldern, daher finden sich hier nicht nur Elefanten, Giraffen oder des nachts mal ein Schakal am Wasserloch ein, das sich von der Ivory Lodge aus gut beobachten lässt. Auch Löwen, Hyänen und Leoparden verlassen den 14650 Quadratkilometer großen Nationalpark und sorgen für Konflikte. „Straßen bilden die Grenzen. Wir befinden uns hier in einer Art Pufferzone“, sagt Sharon Stead, Eigentümerin dieser und zweier weiterer Lodges im Land. Man sei eben Teil der Kaza, der Kavango-Zambezi Transfrontier Conservation Area, einer grenzenübergreifenden Schutzzone im südlichen Afrika, und stolz darauf. Dass ihre Familie mit deutschen Wurzeln einst auch Tiere an Zoos verkaufte, beschämt Stead heute noch. Umso mehr will sie verhindern, dass Löwen ihr Dasein künftig in Käfigen und Gehegen fristen müssen: „Wilde Tiere gehören in die Wildnis.“

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