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Veröffentlicht: 04.05.2017, 15:01 Uhr

Nacktmulle Achtzehn Minuten ohne Sauerstoff

Andere Tiere wären schon lange erstickt - Der Nacktmull ändert bei Sauerstoffnot einfach seinen Stoffwechsel. Dies ist nicht die einzige erstaunliche und für die Medizin interessante Eigenschaft des Nagers.

von Hildegard Kaulen
© dpa Nacktmulle leben in großen Kolonien - und machen sich schlafend gegenseitig den Sauerstoff streitig.

Ohne Sauerstoff sterben Säugetiere bereits nach wenigen Sekunden oder Minuten. Nicht so die in Äthiopien, Kenia und Somalia beheimateten Nacktmulle. Diese Nagetiere überstehen achtzehn Minuten ohne jeden Sauerstoff. Mäuse sind unter diesen Bedingungen schon nach zwanzig Sekunden tot. Wissenschaftler vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin haben herausgefunden, dass Nacktmulle bei Sauerstoffnot auf einen alternativen Stoffwechsel umschalten. Die Tiere beziehen ihre Energie dann nicht mehr aus der sauerstoffabhängigen Oxidation der Glukose, sondern aus der anaeroben Vergärung von Fruchtzucker zu Milchsäure, schreiben Gary Lewin und seine Kollegen in der Zeitschrift „Science“.

© Deutsche Welle Liebling der Forscher: Wundertier Nacktmull

Aus welchen Depots ihres Körpers sie diesen Zucker beziehen, ist noch unklar. Sauerstoffmangel ist für die in großen Kolonien unter der Erde lebenden Nacktmulle an der Tagesordnung. Ihre kilometerlangen engen Gänge sind schlecht belüftet. Beim Schlafen im Pulk machen sich die Tiere den Sauerstoff auch gegenseitig streitig. Sobald ihr Herz oder Gehirn nicht mehr ausreichend versorgt wird, überschwemmen die Nacktmulle ihren Blutkreislauf mit Fruchtzucker und stellen die nötigen Enzyme für den anderen Stoffwechsel bereit.

46180954 © dpa Vergrößern Der Nacktmull besitzt eine Reihe medizinisch interessanter Eigenschaften.

Diese Erkenntnis ist möglicherweise auch für die Medizin interessant. Bei einem Herzinfarkt oder Schlaganfall sterben die Zellen im Umkreis des verschlossenen Blutgefäßes, weil sie von der Sauerstoffzufuhr abgeschnitten werden. Die Medizin sucht nach Therapien, die diesen Zelltod verhindern – vielleicht kann man hier von den Nacktmullen lernen. Die Tiere zeigen damit einmal mehr eine für die Medizin interessante Eigenschaft. Nacktmulle leben nicht nur weitaus länger als die meisten anderen Nagetiere, sie empfinden auch fast keinen Schmerz und entwickeln kaum Krebs.

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