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Wesenstest für Hunde : Spielt er oder killt er?

  • -Aktualisiert am

Wenn man nur wüsste, was in ihm vorgeht. Bild: ddp

Chico, der Kampfhund, wurde getötet, weil er zwei Menschen umgebracht hat. Bei anderen Vorfällen sollen Wesenstests Aufschluss geben. Wie läuft er ab, und was sagt er über das Tier?

          Wenn es einen Pokal für den gutmütigsten Hund gäbe, Greta wäre eine Top-Anwärterin. Die stets mit dem Schwanz wedelnde Jagdhündin lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Weder durch andere Hunde noch durch Menschen, die sie anbrüllen, mit einem Stock vor ihr herumfuchteln oder sie im Fahrstuhl eng in ihre Mitte nehmen. Greta meistert solche Situationen mit Bravour, wie ein Videomitschnitt auf Youtube eindrucksvoll beweist.

          Bei zwei anderen Hunden wird sich das noch zeigen müssen. In dem einem Fall geht es um den Staffordshire-Terrier-Mischling Chico, der in der Nacht zum 4. April in Hannover seinen 27-jährigen Halter und dessen 52-jährige Mutter durch Bisse derart verletzte, dass sie verbluteten. Der zweite Fall ereignete sich vergangenen Montag im südhessischen Bad König, wo ein sieben Monate alter Junge vom Hund der Familie in den Kopf gebissen wurde. Das Baby starb wenig später in einer Mannheimer Klinik.

          Statt ihn einzuschläfern, schickt man den Täter zum Test

          Die beiden Fälle haben wieder einmal eine Diskussion über den Umgang mit gefährlichen Hunden ausgelöst. Die einen sprechen von Kampfhunden, denen das Zubeißen quasi mit ins Wurfkörbchen gelegt sei. Fürsprecher der Tiere dagegen verorten das Problem ausschließlich am anderen Ende der Leine. So haben mehr als dreihunderttausend Menschen eine Online-Petition unterschrieben, die eine zweite Chance für Chico fordert, der offenbar unter übelsten Verhältnissen lebte. Am Montag wurde der Rüde dann aber doch während einer medizinischen Untersuchung unter Narkose aufgrund einer schweren, kaum heilbaren Kieferverletzung eingeschläfert. Zum anberaumten Wesenstest kam es nicht mehr.*

          Standardisierte Tests für die Verhaltenseigenschaften eines Hundes dienten früher nur der Auswahl von Tieren mit gewünschten Merkmalen für die Zucht. Dann kam es im Sommer 2000 in Hamburg zum tödlichen Angriff eines Pitbull-Terriers auf den sechsjährigen Jungen Volkan, der arglos auf einer Wiese spielte. Das löste eine zuvor kaum geführte Debatte über die Haltung von Kampfhunden aus. Die meisten Bundesländer reagierten rasch mit entsprechenden Verordnungen. Es wurden Listen bestimmter Rassen angelegt, die als besonders gefährlich eingestuft wurden; bereits auffällig gewordene Tiere sollten von Amts wegen überprüft werden.

          Gestörtes Aggressionsverhalten

          Einen der ersten Tests dieser Art entwickelte damals Hansjoachim Hackbarth, Leiter des Instituts für Tierschutz und Verhalten an der Tierärztlichen Hochschule Hannover. „Ziel ist es, ein eventuell gestörtes Aggressionsverhalten des Tieres zu erkennen“, sagt Hackbarth. Die Prüfung, die in Niedersachsen von speziell ausgebildeten Veterinären durchgeführt wird und rund 400 Euro kostet, beginnt mit einer medizinischen Untersuchung und einem Test auf die Verabreichung von Beruhigungsmitteln, mit denen Halter immer wieder versuchen, ihre angriffslustigen Tiere zu zahmen Lämmern zu machen. Es folgen 36 Aufgaben, mit denen das Verhalten des Hundes in potentiell brenzligen Situationen untersucht werden soll.

          Dabei müssen die Prüflinge nicht alles schwanzwedelnd über sich ergehen lassen, sondern dürfen durchaus ein der Situation angemessenes Verhalten an den Tag legen, erklärt Hackbarth. „Problematisch wird es erst, wenn die typischen Eskalationsstufen übersprungen werden.“ Reagiert ein Hund auf eine wahrgenommene Bedrohung nicht mit ängstlichem Rückzug, zeigt er normalerweise ein abgestuftes Aggressionsverhalten. Wenn Zähneblecken und Knurren den vermeintlichen Angreifer nicht verscheuchen, folgen kontrollierte Rempeleien und Schnappen. Erst auf der letzten Stufe geht es mit ungehemmten Beißattacken ums Ganze. Gefährlich sind vor allem Hunde, die quasi ohne Vorwarnung von null auf hundert schalten. Im Detail unterscheiden sich solche Wesenstests von Bundesland zu Bundesland. Insgesamt hält Hackbarth sie aber durchweg für aussagekräftig, auch wenn sie immer nur eine Momentaufnahme der psychischen Verfassung des fraglichen Vierbeiners liefern könnten.

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