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Wanderfalter : Es kann nicht nur Sommer sein

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Der Distelfalter ist nicht wählerisch. Aber ganz ohne Blüten kommt er auch nicht über die Runden. Bild: McPhoto/face to face

Dass Zugvögel zu Beginn der kalten Jahreszeit in den Süden ziehen, weiß jeder. Aber wo bleiben die Schmetterlinge und was machen sie gegen die anrückende Kälte?

          Nur eine Handvoll der heimischen Lepidoptera wie das Tagpfauenauge oder der Kleine Fuchs überleben den Winter als ausgewachsene Falter, die dann im Frühjahr aus ihrer Winterstarre erwachen. Die Mehrheit der Schmetterlinge überwintert in einem anderen Entwicklungsstadium als Ei, Raupe oder Puppe. Einige wenige Arten aber schaffen auch das nicht. Sie müssen wie die Vögel auf Wanderschaft gehen.

          Berühmt sind die Züge des Monarchfalters (Danaus plexippus), der jedes Jahr in Millionenscharen von Kanada und den Vereinigten Staaten nach Mexiko aufbricht. Doch auch in Mittel- und Nordeuropa gibt es Schmetterlinge, die im Sommer nur zu Gast sind, bevor sie im Herbst in wärmere Gefilde ziehen. Der Admiral (Vanessa atalanta) und der Postillon (Colias croceus) sind zwei Beispiele.

          So gut erforscht wie der Vogelzug sind die Wanderungen der Schmetterlinge allerdings nicht. Wegen ihrer geringeren Größe und der kurzen Lebensdauer ist es weitaus schwerer, Daten zu sammeln. Für Aufsehen sorgte dabei vor acht Jahren der Distelfalter (Vanessa cardui). Radaraufnahmen zeigten, wie elf Millionen Exemplare im Frühjahr von Süden aus über den Ärmelkanal nach England zurückkehrten.

          Über mehrere Generationen hin und zurück

          Solche Phänomene sind höchstens einmal pro Jahrzehnt zu beobachten. Im Gegensatz zu Vögeln, die sich in Schwärmen zusammenfinden, pendeln Wanderfalter normalerweise unabhängig voneinander. 2009 aber hatten hohe Niederschläge in den nordafrikanischen Brutgebieten für eine besonders üppige Vegetation gesorgt, die schwarzen, stachligen Raupen des Distelfalters fanden überreichlich Nahrung und das löste eine Massenwanderung aus. Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung konnte dadurch die Route zusammen mit seinen Kooperationspartnern science4you und der Gesellschaft für Schmetterlingsschutz nachverfolgen.

          Die Wanderung der Distelfalter reicht in einer Saison von Nordafrika bis nach Mitteleuropa und zurück über eine Distanz von bis zu fünfzehntausend Kilometern. Das ist doppelt so viel, wie der amerikanische Monarch jedes Jahr bewältigt. Anders als Zugvögel benötigen Wanderfalter jedoch mehrere Generationen für den Hin- und Rückflug. Bis zu sechsmal pflanzen sie sich auf ihrer Reise fort. Für genügend Nachwuchs ist in jedem Fall gesorgt. Ein einziges Weibchen legt an die fünfhundert Eier auf den Blättern der vielen verschiedenen Nahrungspflanzen ab, die entlang ihres Weges wachsen. Die Raupen des Distelfalters bevorzugen, wie der Name schon nahelegt, Pflanzen aus der Gattung der Kratzdisteln. Sie sind jedoch im Gegensatz zum Admiral, dessen Raupen in Mitteleuropa auf Brennnesseln spezialisiert sind, nicht von Disteln abhängig. Sie ernähren sich unter anderem auch von Kürbisgewächsen, Hülsenfrüchtlern, Malven- und Kreuzblütengewächsen. Die Falter saugen besonders gerne an Distelblüten und Schmetterlingsflieder, der Honigtau der Blattlaus mundet ihnen ebenfalls.

          Die Wanderlust-Gene

          Weil der Distelfalter bei seiner Nahrungsaufnahme nicht besonders wählerisch ist, konnte er sich weit verbreiten, nicht umsonst ist er im Englischen als „cosmopolitan butterfly“ bekannt. Nur in die Antarktis und nach Südamerika hat es ihn noch nicht verschlagen.

          Die Wanderlust mancher Schmetterlinge ist in ihrem Erbgut verankert. Im Monarchfalter identifizierten Forscher fünfhundert verschiedene Gene, die dazu beitragen, darunter ein wohl ausschlaggebendes Gen namens Kollagen IV alpha-1. Wandernde Monarchfalter haben eine kräftigere Muskulatur als ihre sesshaften Artverwandten, sie verbrauchen im Flug weniger Sauerstoff. Welche Gene beim Distelfalter dabei eine Rolle spielen, ist bislang noch nicht untersucht worden.

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