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Schreikinder : Drei Monate können so lang sein

  • -Aktualisiert am

Ein Bild des gelassenen Umgangs mit einem kleinen Schreihals Bild: REUTERS

Schreiende Babys können zur Qual werden - für sich selbst und ihre Umgebung. Einen Trost immerhin gibt es für ratlose Eltern: Sie sind nur selten schuld am Gebrüll ihres Kindes.

          Natürlich sind Prominente nicht automatisch auch Vorbilder beim Umgang mit dem Nachwuchs: Ob man Menschen, die ihre Kinder mit Namen gewöhnlichen Obstes (Apple Paltrow) oder mickriger Blumen (Bluebell "Spice" Halliwell) bedenken, unbedingt nacheifern soll, sei dahingestellt, und ebenso, ob wir wirklich den gleichen Kinderwagen wie Claudia Schiffer haben müssen. Wenn aber Madonna, Michelle Pfeiffer und Pierce Brosnan versichern, den ultimativen Babyflüsterer gefunden zu haben, einen kalifornischen Kinderarzt, der jedem den Ausschalter für das brüllrote Bündel in unseren Armen zeigen kann, dann kommt man doch ins Wanken. Denn gibt es irgendetwas, was herzzerreißender, schrecklicher und nervenzerrüttender ist als langes Babygeschrei?

          Maximal eine Woche Training, sagt der sonnige Dr. Harvey Karp, und man könne selbst bei Ausdauerbrüllern binnen Minuten einen Beruhigungsreflex auslösen, der so zuverlässig komme wie der Patellarsehnenreflex. Ein großes Versprechen, und so sitzen wir mit großen Erwartungen vor Karps DVD "The happiest baby on the block", bereit zur Nachahmung aller Beruhigungstricks.

          Ratschläge der einfachen Art

          Wickle dein Baby mumienstramm in ein Tuch, seine Arme dicht am Körper, sagt Karp. Dann in Seitenlage halten und laut "ssssshhhhhh" ins Ohr trompeten - und zwar so laut, dass man es eigentlich ziemlich unhöflich findet. Nächster Schritt: mit geringer Amplitude (aber hoher Frequenz) sacht schaukeln, so dass Babys Backen wie Wackelpudding zittern. Und wenn es sein muss: Schnuller rein. Dann herrscht Ruhe, das Baby kann beiseitegelegt werden. Bei den Fernsehbabys funktioniert die simple Fünf-Punkte-Methode derart gut, dass man beinahe argwöhnt, die vormals meckernden und schreienden Babys seien entweder Minischauspieler oder unauffällig mit Tranquilizern vollgepumpt worden.

          Die simple Philosophie hinter dem Programm könnte man etwa so zusammenfassen: Babys kommen eigentlich drei Monate zu früh auf die Welt, sagt Karp, ihnen fehle gewissermaßen das vierte Trimester im Mutterleib. Danach seien Babys prinzipiell friedlich. Stelle man also in den ersten zwölf Wochen häufig uterusähnliche Zustände her, also vor allem enge Begrenzung, Hinundherschwappen oder rauschenden Lärm ("white noise"), dann fühlen Babys sich geborgen - und schalten ab. Statt "ssssshhhh" tue es dabei auch ein rauschendes Radio.

          Zumindest in Teilen scheint das plausibel und nicht allzu neu, übertrumpfen sich Eltern doch gern mit Anekdoten, wie der Familienzuwachs nur auf der schleudernden Waschmaschine, neben dem laufendem Föhn oder im röhrenden Porsche vom Brüllen in den Schlaf finden konnten. Immerhin: Das Einwickeln (auch "Pucken" genannt) soll laut einer Studie, die im vergangenen Jahr in Pediatrics erschienen ist, Säuglinge zufriedener machen. Allerdings könnten falsch gewickelte Kinder Hüftfehlstellungen bekommen oder überhitzt werden - die Kunst will also gelernt sein. Kritiker warnen auch, Eltern könnten das sanfte Wiegen falsch verstehen und ihren Kindern einen veritablen Hirnschaden anschütteln.

          Warum eigentlich schreien?

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