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Pandas für Berlin : Hoffentlich klappt es diesmal

Schon einmal hoffte man in Berlin auf Nachwuchs. Doch Bao Bao und seine zweite Partnerin Yan Yan zeigten wenig Interesse. Bild: Picture-Alliance

Der Berliner Zoo bekommt zwei neue Pandabären. Als Leihgabe. Dafür wird eigens ein neues Gehege gebaut. Der Aufwand dafür ist enorm.

          Zwei Wochen im Verzug. Trotzdem ist Direktor Andreas Knieriem zuversichtlich, dass der Bau der neuen Panda-Anlage im Berliner Zoo rechtzeitig fertig wird. Schließlich sollen hier in wenigen Wochen Mengmeng und Jiao Qing einziehen. So heißen das Panda-Weibchen und das Männchen, die in zwei getrennten Bereichen leben werden, verbunden durch einen sieben Meter langen Liebestunnel mit Gitter.

          Sonja Kastilan

          Redakteurin im Ressort „Wissenschaft“der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wer konnte denn ahnen, dass unter dem Baufeld, einem alten Gehege, in dem bisher Hirsche und ein paar Enten gehalten wurden, ein Bunker verborgen lag, der nirgends verzeichnet war? „Das Material müssen Sie erst mal entsorgen, und Sie brauchen dafür Spezialisten“, erzählt Knieriem, der schon bei der Wahl des Standortes einige Kriterien berücksichtigen musste. Nicht nur ein mögliches Infektionsrisiko und die Größe des Areals spielten eine Rolle. Relevant war auch der Denkmalschutz.

          Eine Leihgabe ist immer ein Politikum

          In Berlin hat alles eine Geschichte. Schon einmal wurden hier mit großem Aufwand Pandas empfangen. Am 5. November 1980 schwebten Bao Bao (Schätzchen) und seine Gefährtin Tjen Tjen (Himmelchen) mit einer Maschine der Lufthansa ein. Es waren Staatsgeschenke des chinesischen Partei- und Regierungschefs Hua Guofeng an den damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt. Das Weibchen fiel 1984 einer Infektion zum Opfer. Zehn Jahre später führte ein weiterer Staatsbesuch dazu, dass die Chinesen dem Nachfolger Helmut Kohl die Leihgabe eines zweiten weiblichen Pandabären versprachen. Yan Yan, die Schöne, erreichte im April 1995 Berlin, konnte jedoch die Hoffnung auf Nachwuchs nicht erfüllen. Sie starb 2007. Bao Bao segnete fünf Jahre später das Zeitliche.

          Von den Großen Pandas (Ailuropoda melanoleuca) existieren vielleicht noch zweitausend Individuen, die Exemplare in den chinesischen Zuchtstationen einbezogen. Somit ist eine Leihgabe immer ein Politikum, das die Übergabe zum Staatsakt macht und teure Verträge sowie etliche Auflagen für die Gehege bedeutet. Für den Berliner Zoo ist ein eigener Behandlungsraum vorgesehen, eine Futtermittelküche und Überwachungskameras. Die Art und Weise, wie die Tiere sich begegnen können, wurde ebenso festgelegt wie die Fläche, die einen halben Hektar betragen wird.

          Für zunächst fünfzehn Jahre sollen die neuen Pandas bleiben. Das alles kostet pro Jahr rund 920.000 Euro. Davon kommen siebzig Prozent direkt dem Artenschutz im natürlichen Lebensraum zugute, mit zwanzig Prozent wird die Chengdu Panda Base in ihrer Forschung unterstützt. Von dort stammen die beiden Neuzugänge, die sich nun bereits in Quarantäne vor ihrer Abreise befinden. Sie wurden anhand ihres Alters, ihres Stammbaums und bestimmter genetischer Kriterien ausgewählt, um Inzucht zu vermeiden. Andreas Knieriem legte außerdem Wert darauf, dass sie sich noch nie zuvor begegnet waren.

          Das Beste ist nicht gut genug

          Vergangene Woche kam es dennoch zu Irritationen. Zurück von einer Inspektionsreise nach Berlin, äußerten chinesische Panda-Experten Kritik an den Baumaßnahmen. Die Innenbereiche seien angeblich zu klein, der Neubau liege zu nahe an den Raubtiergehegen. Das kann Andreas Knieriem nicht nachvollziehen: „Die Tiere sind bestens bei uns untergebracht. Die Anlage hat ein Qualitätsniveau, wie man es nur selten auf der Welt sieht.“ Man habe sich viel mit den Chinesen ausgetauscht. Zwei chinesische Delegationen seien zu Besuch gewesen, die dritte komme in anderthalb Wochen. Alle wichtigen Voraussetzungen seien erfüllt, sowieso würden sich die Tiere hauptsächlich draußen aufhalten, weil das Berliner Klima ihnen behage.

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