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Paarungsverhalten : Was für ein toller Kerl

Nicht wie ein Pfau, sondern wie ein V sieht der ideale Männerkörper aus. Bild: Picture-Alliance

Der Evolutionsbiologe Michael Jennions über die Attraktivität der Geschlechter und den „March for Science“.

          Herr Jennions, derzeit wird viel über Geschlechterrollen debattiert. Was kann die Biologie zu dieser Diskussion beitragen?

          Sonja Kastilan

          Redakteurin im Ressort „Wissenschaft“der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wenn man Tiere betrachtet, sind die Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen meist sehr klar. Schaut man Fische, Frösche oder Insekten an, finden man sie eigentlich überall. Es wirkt nun mal bei den meisten Arten ein völlig anderer Selektionsdruck auf weibliche oder männliche Tiere. Biologen können über unterschiedliche Verhaltensweisen, Körpergrößen oder sogar Aspekte, die das Gehirn betreffen, sprechen. Man sollte allerdings vorsichtig sein, diese Sichtweise einfach auf den Menschen zu übertragen.

          Was können wir über uns selbst lernen, wenn es dabei doch um Fische oder Winkerkrabben geht?

          Es wäre sicherlich falsch, spezielle Merkmale in ihrer Bedeutung auf den Menschen zu übertragen, etwa Farbenpracht oder Körpergröße. Will man wissen, was für Menschen attraktiv erscheint, muss man es auch am Menschen herausfinden. Natürlich gibt es Prinzipien, die für mehrere Arten gleichermaßen gelten, weil die natürliche und die sexuelle Selektion unterschiedliche Merkmale für weiblich und männlich begünstigen. Das findet sich auch auf der genetischen Ebene. Vereinfacht ausgedrückt: Ein Gen, das einen tollen Kerl prägt, würde wohl kein gutes Weibchen ausmachen. Wir sprechen dann von einem „interlocus sexual conflict“. Solche Prinzipien dürften für den Menschen ebenfalls gelten.

          Können Sie ein Beispiel dafür geben, was unter Winkerkrabben als attraktiv gilt?

          Deren Weibchen sind Männchen mit größeren Scheren zugetan. Sie bevorzugen auch Männchen, die schneller damit winken. Und für eine Art von Krabben, bei der die Männchen synchron winken, wirken offenbar jene interessanter, die den anderen ein bisschen voraus zu sein scheinen. 

          Wie lässt sich in den Beobachtungen ein tieferer Grund erkennen?

          Michael Jennions lehrt an der Australian National University in Canberra. Der Evolutionsbiologe ist derzeit Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin und forscht unter anderem zum Zahlenverhältnis der Geschlechter.
          Michael Jennions lehrt an der Australian National University in Canberra. Der Evolutionsbiologe ist derzeit Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin und forscht unter anderem zum Zahlenverhältnis der Geschlechter. : Bild: Foto privat

          Die Frage nach den Zusammenhängen ist tückisch, in der Evolutionsbiologie ebenso wie in den Sozial- oder Wirtschaftswissenschaften. In der Biologie haben wir den Vorteil, dass wir dazu Experimente machen können, indem wir etwa äußerliche Merkmale verändern und die Folgen betrachten. So können wir kausale Effekte bestimmen. Und wir können uns den evolutionären Stammbaum vornehmen, um nachzuschauen, wo und wann die fraglichen Merkmale entstanden sind, vielleicht gemeinsam mit anderen. Wenn beispielsweise eine neue Säugetierart in der Arktis oder Antarktis zu weißer Fellfärbung tendiert, deutet das darauf hin, dass ihr Weiß mit ihrer Existenz dort zusammenhängt und es wahrscheinlich der Camouflage dient. Eine Herausforderung ist, die Theorie in der Praxis zu testen. Also unsere Annahmen zu überprüfen, wie Tiere sich verhalten müssten, um möglichst viele Nachfahren zu zeugen. Immerhin haben wir ein ganz gutes Verständnis dafür, wie natürliche Selektion funktioniert. Und solche Studien an Tieren oder etwa an Bakterien helfen uns, grundlegende evolutionäre Effekte zu erkennen. Das kann für uns sehr relevant sein, weil es zum Beispiel erklären kann, wie Antibiotikaresistenzen von Bakterien entstehen. 

          Sie haben sich aber auch schon den Menschen vorgenommen – und zwar den Einfluss der Penisgröße auf die Attraktivität des männlichen Geschlechts . . .

          Das stimmt. In erster Linie, um zu demonstrieren, wie die Methode funktioniert, und wo ihre Grenzen liegen. Und auch um zu klären, was populäre Artikel in Magazinen oft einfach behaupten. Bei Grillen oder Fischen würden wir genauso vorgehen, also bestimmte Merkmale manipulieren. In diesem Fall ging es um Penisgröße, Körpergröße und -form. 

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