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H1N1-Virus : Und ewig grüßt die Schweinegrippe

Der Weg der Viren vom Geflügel über Schweine zum Menschen Bild: F.A.Z.

Wieder ein neuer Erreger, wieder die gleichen Fragen: Wie ansteckend ist er, wie viele Menschen bringt er um? Doch auch die Frage nach seinem Ursprung ist wichtig. Denn bei näherem Hinsehen ist H1N1 ein alter Bekannter.

          An Expertenmeinungen zum Thema Schweinegrippe herrscht in diesen Tagen wahrlich kein Mangel. Krisenstäbe tagen in Permanenz, Epidemiologen bevölkern Talkrunden, nahezu jeder, der sich mit Influenza auskennt, wird vor die Kameras gebeten. Das Internet quillt über mit Eilnachrichten. Doch die Informationslawine liefert kaum Antworten auf die beiden wichtigsten Fragen. Wo kommt das Virus eigentlich her? Und wie geht es mit ihm weiter?

          Jörg Albrecht

          Verantwortlich für das Ressorts „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Sonja Kastilan

          Redakteurin im Ressort „Wissenschaft“der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Stellen wir die erste Frage kurz zurück und fangen mit der zweiten an. Den anschaulichsten Weg, sie zu beantworten, hat der niederländische Virologe Albert Osterhaus gefunden. Seine Arbeitsgruppe am Klinikum der Universität Rotterdam hat 1997 zum ersten Mal nachgewiesen, dass die Vogelgrippe vom Typ H5N1 auch den Menschen infizieren kann.

          Erst einmal herrscht trügerische Ruhe

          Auf Osterhaus' Website findet sich ein Computerspiel, das den Verlauf einer weltweiten Grippe-Pandemie simuliert (www.thegreatflu.com). Man kann unter fünf Erregern wählen, von Gefährlichkeitsgrad eins (für Anfänger) bis fünf (äußerst virulent). Seit kurzem steht auch ein „Jabalí“-Virus (Stufe drei) zur Verfügung, das, wie sein spanischer Name andeutet, angeblich vom Wildschwein stammt. Isoliert wurde es auf einer Schweinefarm in der Nähe einer Metropole von der Größe, sagen wir, Mexiko Citys. Es scheint eine Kombination aus drei bereits bekannten Influenza-Erregern zu sein. Was passiert nun? Tag eins: Die Weltgesundheitsorganisation warnt vor einer in naher Zukunft bevorstehenden Pandemie. Natürlich hört niemand hin. Deshalb ist der Spieler gut beraten, aus seinem zwei Milliarden Euro-Etat die relativ billige Karte „Aufklärung der Bevölkerung“ auszuspielen. Nur in Staaten wie der Volksrepublik China zieht sie nicht. „Gute Investition“, lobt die Spielleitung.

          Könnten schlechte hygienische Zustände und Massentierhaltung, wie auf einer mexikanischen Farm Ende März gefunden, den Ausbruch der Schweinegrippe gefördert haben?
          Könnten schlechte hygienische Zustände und Massentierhaltung, wie auf einer mexikanischen Farm Ende März gefunden, den Ausbruch der Schweinegrippe gefördert haben? : Bild: dpa

          Dann herrscht erst einmal trügerische Ruhe. Tag vier: Es kommt, wie es kommen muss: In Zentralamerika bricht eine Erkältungswelle aus. Husten, Mattigkeit, plötzliches hohes Fieber sind die Symptome. Mehr als dreihundert Fälle sind bereits gemeldet - zu spät, um alle Infizierten samt ihren Kontaktpersonen unter Quarantäne zu stellen. Experten werden in die betroffene Region gesandt. Sie bestätigen: Das neue Virus hat zugeschlagen. Tag neun: Die Zahl der Infizierten hat sich auf mehrere tausend erhöht. Erste Todesfälle. Der Vorschlag, Flughäfen und Schulen zu schließen, wird abgelehnt: Das würde nur Panik auslösen. Tag zehn: Das Virus hat die Landesgrenzen überwunden und wird in den Vereinigten Staaten, kurze Zeit später auch in Europa aufgestöbert. Pandemiestufe fünf, weltweiter Alarm. Noch weiß niemand: Wie ansteckend ist das neue Grippevirus? Wie hoch liegt die Todesrate unter den Infizierten?

          Ist das Virus vom Himmel gefallen?

          Verlassen wir an dieser Stelle das Spiel und kehren zurück in die Wirklichkeit. Was wissen wir inzwischen über den Erreger der Schweinegrippe? Seine Erbgutsequenz stand schon nach wenigen Tagen fest und wurde sofort im Internet veröffentlicht. Das erste vollständig untersuchte Isolat trägt den amtlichen Namen A/California/04/2009(H1N1), also Influenzatyp A, Subtyp H1N1, Labornummer vier. Gewonnen am 18. April 2009 aus dem Rachenabstrich eines erkrankten Neunjährigen im amerikanischen Bezirk San Diego; alle später im Labor überprüften Fälle stimmten genetisch mit diesem Typ überein. Doch was heißt das? Ist das Virus vielleicht vom Himmel gefallen, wie einige Witzbolde sofort behaupteten? Oder aus dem Labor entwichen? Neben den üblichen Verschwörungstheorien kursiert die Geschichte des kleinen Edgar Hernandez aus La Gloria im mexikanischen Bundesstaat Veracruz, wo die Firma Granjas Carroll als Subunternehmerin des weltgrößten Schweinekonzerns Smithfield Foods rund eine Million Schweine hält.

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