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Gesundheitsrisiko Feinstaub : Macht schlechte Luft unfruchtbar?

  • -Aktualisiert am

Dicke Luft in Peking Bild: dpa

Chinesische Mediziner schlagen Alarm. Eine dauerhafte Feinstaubbelastung kann bei Männern die Qualität der Spermien verringern. Offenkundig gelangen mit den Staubpartikeln schädliche Stoffe und Hormone in den Körper.

          Die Belastung der Luft durch Feinstaub reduziert offenbar die Qualität der Spermien und trägt damit möglicherweise dazu bei, dass Paare ihren Kinderwunsch nicht verwirklichen können. Der deutliche Hinweis auf diesen Zusammenhang stammt aus einer großangelegten Studie aus Taiwan. Der beobachtete Effekt ist zwar insgesamt gering, könnte aber wegen der massiven Luftverschmutzung in weiten Teilen der Erde ein relevantes Gesundheitsproblem sein. Weltweit sind etwa 48,5 Millionen Paare ungewollt kinderlos. In den meisten Fällen liegt die Ursache beim Mann. Kritisch für die Qualität der Spermien sind vor allem Feinstaubpartikel mit einem Durchmesser, der kleiner ist als 2,5 Mikrometer.

          Wie Xiang Qian Lao und seine Kollegen von der Universität Hongkong in der Zeitschrift „Occupational and Environmental Medicine“  berichten, senkt jeder Anstieg der winzigen Feinstaubpartikel um fünf Mikrogramm pro Kubikmeter die Zahl der korrekt geformten Spermien um 1,29 Prozent und erhöht das Risiko für Männer um 26 Prozent, zu den unteren zehn Prozent zu gehören, wenn fehlerlose Spermien gefragt sind. Gleichzeitig nimmt mit der Konzentration der Feinstaubpartikel die Gesamtzahl der Spermien zu. Lao und seine Kollegen vermuten, dass dies eine mögliche Kompensationsleistung des Körpers für die geringere Qualität der Samenzellen ist.

          Der Befund ist eine Momentaufnahme

          Die taiwanesische Studie ist ein weiterer Puzzlestein in einem noch unvollständigen Bild zur Luftverschmutzung und zum Fortpflanzungserfolg. Die Teilnehmerzahl war mit 6475 Männern zwischen 15 und 49 Jahren recht groß. Die Untersuchung gehört zu einem bevölkerungsweiten Gesundheitssurvey in Taiwan, bei dem auch Daten zur allgemeinen Gesundheit, zum Rauchen, zum Körpergewicht, zum Alkoholkonsum und zur täglichen Bewegung erhoben worden sind. Keiner dieser Faktoren hat offensichtlich einen Einfluss auf die Qualität oder die Zahl der Spermien.

          Die Forscher um Lao haben nicht mit landesweiten Daten zur  Feinstaubbelastung gearbeitet, sondern die Exposition an den jeweiligen Wohnorten der Studienteilnehmer ermittelt.  Dazu haben sie die einzelnen Belastungswerte aus der atmosphärischen Trübung herausgelesen. Diese ist ein Maß für die durch Partikel, Gase und Wasserdampf verursachte Abschwächung der Sonnenstrahlung beim Durchlaufen der Atmosphäre. Lao und seine Kollegen haben die Entwicklung der Luftverschmutzung auch über mehr als zwei Jahre verfolgt und blicken deshalb auf eine chronische Belastung ihrer Probanden. Allerdings hat die Studie einen großen  Nachteil. Er besteht darin, dass die allermeisten Männer nur eine Spermien-Probe abgegeben haben und dass deshalb nichts über die Veränderungen der Samenqualität im Laufe der Zeit ausgesagt werden kann.

          Feinstaub transportiert gefährliche Fracht

          Lao und seine Kollegen nennen mehrere Gründe für den negativen Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und Qualität der Spermien. Vermutlich hat die von den Partikeln transportierte Fracht einen Einfluss. Die winzigen Teilchen sind so groß wie Bakterien und dringen bis in die Bronchien und die Lungenbläschen vor. Dort geben sie Schadstoffe ins Blut ab. Diese können die Zellen durch oxidativen Stress schädigen oder unmittelbar giftig sein, wie etwa Cadmium oder Blei. Die Partikel können auch mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen belastet sein, von denen einige wie Hormone wirken und die Wirkung der eigentlichen Hormone konterkarieren.

          Da die Untersuchung nur eine Beobachtungsstudie ist, lassen sich keine definitiven Schlüsse zur Wirkung der Luftverschmutzung auf die Qualität der Spermien ziehen. Aber sie liefert  ein wichtiges Indiz dafür. Ob die Erhöhung der Spermienzahl tatsächlich ein Kompensationsmechanismus ist und dadurch die negative Wirkung der Luftverschmutzung auf den Fortpflanzungserfolg wieder ausgeglichen werden kann, muss in weiteren Studien gezeigt werden.

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