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Gesundheit : Computerprogramme messen die Fitness

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"Hier ist die Unsicherheit Teil des Konzepts"

Die Speicherung zu Lernzwecken oder für den Nike-Gemeinschaftslauf zeigt, dass die Nutzer der Geräte es nicht immer in der Hand haben, was mit ihren Daten passiert. „Jede große Datensammlung birgt die Möglichkeit für Erkenntnis und Missbrauch“, sagt Linus Neumann vom Chaos Computer Club. Nicht das Sammeln einzelner Personen sorge ihn, sondern die Tendenz zu großen Datensammlungen bei eigens zu diesem Zweck geschaffenen Anbietern: „Hier ist die Unsicherheit Teil des Konzepts. Die Anbieter analysieren die Daten für ihre Nutzer und haben Zugriff auf alle Daten.“ Nicht nur die Anbieter der Messwerkzeuge haben Zugriff, oft speisen die Nutzer selbst ihre Werte in soziale Netzwerke ein und geben sie für Freunde und Sportkameraden frei. Sie veröffentlichen Strecken und Laufzeiten, treten in Konkurrenz zueinander und vergleichen sich.

Sportwissenschaftler bewerten diese Schrittzähler positiv, weil sie ihre Träger auf spielerische Weise dazu anregten, sich zu bewegen. Ob virtuelle Laufgruppen womöglich den Leistungsdruck ungesund steigern, müssten Studien überprüfen. Aber sie sind beliebt: „Abseits von Konkurrenz ist ein wichtiger Aspekt, dass man sich identifiziert als jemand, der Teil dieser Gruppe ist“, sagt Bernd Strauß, der den Arbeitsbereich Sportpsychologie an der Universität Münster leitet. Jede Gruppe habe ihre Merkmale des Zusammenhalts, dank deren sich jeder als Mitglied erkenne und zeige, dass er dazugehört. „In einer virtuellen Gruppe heißt das, dass ich, wenn mich das interessiert, Selbstenthüllung betreiben muss, damit ich auch dabei bleibe und identifizierbar bin als ein Gruppenmitglied. Was wiederum das Gefühl bestärkt, Teil dieser Gruppe zu sein.“

Ein Sportarmband. Es gibt Auskunft über die Fitness des Trägers - und speichert die Daten.

Durch die Virtualität sei niemand an Raum oder Zeit gebunden: „Sie können sich als Teil einer Gruppe fühlen, aber für sich laufen, wann Sie wollen“, erklärt Strauß. Und den anderen eben die Daten mitteilen. Für den Sportpsychologen ist die Selbstvermessung schlicht eine spezielle Art der Selbstenthüllung.

Wie sich diese Öffnung anderen gegenüber auswirken kann, veranschaulicht eine Studie der University of South Carolina. Forscher ließen dort fast hundert Übergewichtige abnehmen. Etwa die Hälfte war jeweils auf sich allein gestellt, die anderen Probanden waren hingegen über den Kurznachrichtendienst Twitter verbunden und teilten ihre Fortschritte mit: Je aktiver die Nutzer auf Twitter waren, desto mehr Erfolg hatten sie beim Abnehmen.

Fitness und Schrittzähler als Pflicht in Unternehmen

Diese unterstützende Wirkung des Wettkampfs greifen auch Firmen auf, um die Fitness ihrer Mitarbeiter zu verbessern, und verordnen ihnen Schrittzähler. Ohne Zwang, versteht sich. Die Berliner Sparkasse zum Beispiel hat 300 ihrer Mitarbeiter mit solchen Geräten ausgestattet, und Andreas Schreiber kam über eine Aktion des DLR zu seinem ersten Schrittzähler. Auf einer Online-Plattform konnte er seinen Bewegungsstatus mit dem der anderen vergleichen - und war chancenlos gegen einen Kollegen, der für einen Ultra-Marathon trainierte. Einen Anreiz zu mehr Bewegung zu bieten dient jedem Einzelnen - und dem Betriebsklima, denn Sport baut Stresshormone ab und entspannt.

Deshalb befürworteten Psychologen wie etwa Tim Hagemann, der den Lehrstuhl für Arbeits-, Organisations- und Gesundheitspsychologie an der Fachhochschule der Diakonie in Bielefeld innehat, solche Programme generell. Hagemann warnt aber auch davor, dass es sich ins Negative umkehren könnte, wenn der Druck, der dadurch gesetzt werde, größer sei als der Erholungswert. In der Arbeitswelt herrsche bereits Konkurrenz und Druck, was psychisch belastet. „Beim Sport steckt man eine Niederlage normalerweise weg. Aber wenn es eine solche Konkurrenzsituation in einem Betrieb gibt, wo alle die Ergebnisse sehen, dann kann das beim Einzelnen zu Ängsten und zu Unsicherheit führen“, sagt Hagemann. Es sollte keine weitere Quelle für Stress entstehen, daher rät er, solche Maßnahmen nur vorübergehend, freiwillig und spielerisch stattfinden zu lassen.

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