http://www.faz.net/-gwz-81arx

Gentechnik : Können wir es besser?

Nun hat es auch vor der Entwicklung des neuen Wunderwerkzeugs Methoden gegeben, Gene an- und abzuschalten oder zu modifizieren. Dazu gehörten sogenannte Knock-out-Mäuse oder andere Zaubereien wie „Zinkfinger-Nukleasen“ (Sonntagszeitung v. 27. 2. 2011) und „TAL-Effektoren“ (Sonntagszeitung v. 26. August 2012). Aber die Verfahren waren tricky, nicht jedem zugänglich und zeitintensiv. Mit CRISPR steht nun eine Art Schweizer Messer für Gentechniker zur Verfügung. Was früher Jahre dauerte, braucht bloß noch Monate, die Arbeit von Monaten kann innerhalb von Wochen erledigt werden.

Für Forscher, die an Grundsatzfragen arbeiten, sind das paradiesische Zeiten. Wie lassen sich die Umbauten im Erbgut verstehen, die so typisch für Krebs sind? Welche Gene sind an komplexen Krankheiten beteiligt? Wie wird die Entwicklung eines Lebewesens von der befruchteten Eizelle bis zum fertigen Organismus gesteuert? Das sind fundamentale Vorgänge, die sich unserem Verständnis noch weitgehend entziehen. In einfache Gesetze lassen sie sich jedenfalls nicht fassen. Deshalb sind die Folgen eines Eingriffs auch nicht ganz so einfach abzusehen wie beim Einbau einer neuen Dichtung durch den Klempner.

Doch fröhliche Unbekümmertheit war immer ein Begleiter der Gentechnik. So ist, noch ehe man sie in allen Einzelheiten verstanden hat, die neue Methode auf zahlreiche praktische Anwendungen hin geprüft worden. Man hat an Zebrafischen, Mäusen, Ratten und Affen genetische Veränderungen vorgenommen und getestet, wie stabil sie sind. Man hat demonstriert, dass es bei Reis, Weizen und Hirse funktioniert, also bei den wichtigsten Getreidearten. Der Phantasie scheinen zurzeit kaum Grenzen gesetzt.

Vorwärts in den  Transhumanismus

„Die Methode ist auch im Hinblick auf die therapeutische Anwendung beim Menschen vielversprechend“, sagt Emmanuelle Charpentier. Sie hat, neben ihren zahlreichen akademischen und sonstigen Verpflichtungen, das Schweizer Biopharmaunternehmen CRISPR Therapeutics mitbegründet, das sich zum Ziel gesetzt hat, Wege zur Behandlung schwerer Erbkrankheiten zu finden. Eine somatische Gentherapie, also der Ersatz von schadhaftem Erbmaterial in bestimmten Körperzellen, scheint in greifbare Nähe zu rücken. Aussichtsreiche Kandidaten wären Patienten mit Blutkrankheiten wie der Sichelzellanämie oder der β-Thalassämie, bei denen aufgrund von kleinen Gendefekten fehlerhafte rote Blutkörperchen gebildet werden. Mit reparierten Stammzellen aus dem Knochenmark könnte das gelingen. Auch manche Krankheiten der Leber wären theoretisch so behandelbar, weil die Leber zu den Organen zählt, deren Gewebe sich rasch erneuert.

Andere Forscher hegen kühnere Pläne. Die Rede ist davon, das HI-Virus aus den Zellen von Aidspatienten herauszuschneiden und die Krankheit damit dauerhaft zu heilen. Oder eine lebenslange Immunität gegen Infektionen aller Art zu übertragen. Besonders weit lehnt sich George Church von der Harvard Medical School aus dem Fenster. Um zu zeigen, was machbar ist, will er mit Hilfe der neuen Technik innerhalb weniger Jahre das ausgestorbene Mammut neu erschaffen. Das geht weit über die Reparatur von Gendefekten hinaus. Church zeigt, wie die MIT Technology Review Anfang März berichtete, bei Vorträgen vor selbsternannten „Transhumanisten“ gern eine Folie, auf der zehn genetisch verankerte Eigenschaften zu sehen sind, mit denen man Menschen quasi impfen könnte. Da wären beispielsweise Knochen, die so hart sind, dass darin ein chirurgischer Bohrer stecken bleiben würde; oder Enzyme, die den Cholesterinspiegel niedrig halten und vor Herzinfarkt schützen; oder ein Gen, das man bei Isländern gefunden hat und das anscheinend vor Alzheimer bewahrt.

Topmeldungen

Tunesische Justiz über Sami A. : „Folter ist eine rote Linie“

Tunis hat Befürchtungen über eine mögliche Folterung von Sami A. zurückgewiesen. Noch sei keine Entscheidung über das weitere Vorgehen gefallen, sagte ein Justizsprecher der F.A.Z..

Tesla Model 3 : Hat sich Elon Musk verkalkuliert?

Tesla-Chef Elon Musk will von Stornierungen von Model-3-Reservierungen nichts wissen. Überraschend veröffentlicht er Absatzzahlen – doch die verraten vielleicht mehr, als ihm lieb ist.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.