http://www.faz.net/-gwz-74tes
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 04.01.2013, 07:00 Uhr

Genom des Menschen Spuren des Wachstums

Die vergangenen 5000 Jahre prägten das Genom der Menschen. Es hat somit eine junge Vergangenheit, in der auch schädliche Mutationen entstanden, schreiben Forscher in „Nature“.

von Emmanuelle Vaniet
© dpa Europäer - hier auf dem Oktoberfest - teilen eine Geschichte, die ihre Genetik prägte

Die große Mehrheit der genetischen Varianten, die in der Bevölkerung vorkommen - sogenannte Einzelnukleotid-Polymorphismen (SNPs) -, entstammt einer jungen Vergangenheit, berichten Forscher um Wenqing Fu von der University of Washington in Seattle in „Nature“ (doi:10.1038/nature11690). Die Wissenschaftler entzifferten die Gene von 6515 Amerikanern europäischer oder afrikanischer Abstammung; ihre Forschung ist Teil des vom amerikanischen National Institute of Health (NIH) finanzierten „Exome Sequencing Project“.

Schädliche Mutationen

Mehr als eine Million SNPs wurden daraus ermittelt und deren Alter mittels Computersimulation berechnet. Das Ergebnis: 73 Prozent aller SNPs in unserem Genom sind weniger als fünftausend Jahre alt. Der Grund dafür sei der gewaltige Wachstumsschub, den die Menschheit seit jener Zeit erlebt, schreiben die Forscher, und der eine Fülle von neuen genetischen Merkmalen mit sich bringt. Mitunter aber auch schädliche: Die Autoren ordnen etwa vierzehn Prozent aller SNPs als nachteilig ein; sie stehen zum Beispiel mit Erbkrankheiten in Verbindung. 86 Prozent der schädlichen Mutationen seien in den letzten fünftausend Jahren entstanden. Generell seien vor allem Individuen europäischer Abstammung von auffällig vielen nachteiligen SNPs betroffen.

Denn vor etwa 50 000 Jahren verließen sie den afrikanischen Kontinent in begrenzten Kohorten, wodurch sie unter sich ihre Defekte weiter vererbten - der sogenannte „Gründereffekt“. Bei ihren zurückbleibenden Verwandten wirkte im Gegensatz dazu die natürliche Selektion: Durch großangelegte Mischungen wurden die Mutationen effizient eliminiert. Den schädlichen SNPs der letzten fünf Jahrtausende konnte die natürliche Selektion allerdings noch nicht entgegenwirken, schreiben die Forscher - dafür sei es für die menschliche Evolution noch zu früh. Allerdings seien wahrscheinlich auch vorteilhafte Eigenschaften entstanden, die unseren Nachfahren zugutekommen werden.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Tomaten aus dem Freiland Die Liebesäpfel sollen härter werden

Dank Genforschung könnten Tomaten bald wetterfest werden. Ob das große Produzenten zum Freiland-Anbau ermutigen wird, ist jedoch fraglich. Mehr Von Diemut Klärner

22.07.2016, 14:44 Uhr | Wissen
Zoo von Chester Tapirnachwuchs in England

Der Zoo von Chester im Norden Englands hat einen neuen Bewohner. Das männliche Tapirbaby wird durch sein Erbgut einen wichtigen Beitrag zum genetischen Pool der seltenen Tiere leisten. Ein europäisches Zuchtprogramm hat zum Ziel, die Tiere vor dem Aussterben zu bewahren. In ihrem natürlichen Lebensraum in Südostasien existieren nach Schätzungen nur noch rund 25.000 Exemplare. Mehr

25.07.2016, 10:13 Uhr | Gesellschaft
Neolithische Revolution Erblühende Landschaften

Jahrtausende bevor Europa urbar wurde, bestellte man weiter östlich schon Felder und züchtete Vieh. Wer sorgte für diesen frühen Wandel? Mehr Von Sonja Kastilan

18.07.2016, 09:00 Uhr | Wissen
F.C. Gundlach Die andere Seite der Welt

Der legendäre Modefotograf F.C. Gundlach liebt Rio. Einige seiner maßgeblichen Fotos sind hier entstanden. Zu seinem 90. Geburtstag zeigen wir seine schönsten Aufnahmen. Mehr Von Alfons Kaiser

21.07.2016, 13:28 Uhr | Stil
Welt-Aids-Konferenz Statt Heilung nur noch Remission

Forscher suchen nach neuen Wegen, dem HI-Virus beizukommen. Auf der Welt-Aids-Konferenz geben sie eine neue Strategie aus. Mehr Von Peter-Philipp Schmitt, Durban

19.07.2016, 19:10 Uhr | Gesellschaft