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Marder und Eichhörnchen : Der Feind meines Feindes ist mein bester Freund

  • -Aktualisiert am

Wo der Baummarder auftaucht, können Eichhörnchen aufatmen. Bild: mauritius images

Das Grauhörnchen hatte das schwächere Eichhörnchen schon fast aus den Wäldern Englands vertrieben. Doch dann bekam der rotbraune Nager unerwartet Hilfe eines Fressfeindes.

          Eichhörnchen sind so bekannt wie beliebt. Possierlich, wie sie vielerorts in Stadtparks aufrecht sitzend an einer Nuss knabbern, faszinierend, wie behende sie durch die Baumkronen flitzen. In den Parks von London und anderen englischen Städten trifft man allerdings kein einziges Eichhörnchen an. Ihren Platz hat dort das Grauhörnchen eingenommen. Ursprünglich nur in der Osthälfte der Vereinigten Staaten und im angrenzenden Kanada heimisch, hat es sich Ende des neunzehnten Jahrhunderts in England angesiedelt. Dort konnte es sich nicht nur breitmachen, weil es größer und stärker ist als das Eichhörnchen. Grauhörnchen haben auch ein Parapoxvirus eingeschleust, gegen das sie selbst immun sind. Für Eichhörnchen jedoch erwies sich eine Infektion mit diesem Virus als tödlich.

          Bis nach Schottland ist das Grauhörnchen (Sciurus carolinensis) vorgedrungen. Mittlerweile scheint dort aber der Vormarsch gestoppt zu sein. Dass das Eichhörnchen (Sciurus vulgaris) zumindest lokal wieder Oberhand gewinnt, verdankt es wohl ausgerechnet dem Baummarder, der Eichhörnchen sprichwörtlich zum Fressen gern hat. Das haben britische Biologen herausgefunden, als sie die Häufigkeit von Eichhörnchen, Grauhörnchen und Baummardern in unterschiedlichen Regionen von Schottland studierten.

          Das rotbraune Eichhörnchen wurde aus einigen Gegenden in England komplett vertrieben.

          Anders als in Deutschland, wo die Jagd auf Baummarder in der Zeit vom 16. Oktober bis 28. Februar erlaubt ist, sind diese agilen Raubtiere in Großbritannien schon lange ganzjährig geschützt. Die Population, die in den schottischen Highlands überlebt hatte, konnte sich deshalb allmählich wieder ausbreiten. In ihre Studie einbezogen haben Emma Sheehy von der University of Aberdeen und ihre Kollegen zufällig ausgewählte Gebiete aus den Highlands, wo sich Grauhörnchen entweder noch nie haben blicken lassen, und weiter südliche, wo sie bereits vor Jahrzehnten Fuß gefasst haben.

          Dem Grauhörnchen geht es an den Kragen

          Um herauszufinden, wie sich Grauhörnchen, Eichhörnchen und Baummarder in der Landschaft verteilen, wurden sie mit leckeren Happen geködert. Die an Bäumen aufgehängten Behälter waren mit diversen Nüssen und Samen gefüllt, konnten also für jeden Geschmack etwas bieten. Wenn Hörnchen oder Marder ihren Kopf hineinsteckten, um sich zu bedienen, mussten sie an speziellen Klebestreifen ein paar Haare lassen. Von welcher Tierart die Haare stammten, haben die Forscher mit einem Mikroskop zweifelsfrei erkennen können. Baummarder haben allerdings recht große Reviere. Um festzustellen, ob ein und dasselbe Tier an mehreren Futterstellen auftauchte, wurde aus den Marderhaaren auch die individuelle DNA extrahiert und analysiert.

          Tatsächlich gibt es auch schwarze Eichhörnchen – leicht zu verwechseln mit den Grauhörnchen.

          Die Auswertung der Haarfunde zeigte, dass Grauhörnchen umso seltener sind, je mehr Präsenz der Baummarder hat. Das gilt für die südliche Region von Schottland, wo Baummarder erst seit wenigen Jahren wieder umherstreifen, ebenso wie weiter nördlich, wo sie schon vor acht bis 14 Jahren wieder heimisch geworden sind. Anscheinend sind Grauhörnchen für Baummarder eine besonders leichte Beute. Nicht nur, weil sie fast doppelt so schwer werden wie Eichhörnchen und sich deshalb nicht auf ganz so dünne Zweige vorwagen können. Eine wichtigere Rolle spielt wohl auch, dass sich die Grauhörnchen mit einem bisher unbekannten Fressfeind konfrontiert sehen.

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