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Veröffentlicht: 05.12.2004, 14:37 Uhr

Die lieben Kleinen (4) Festgezurrt vor Mutters Busen

Der Säugling ist von Natur aus ein Tragling. Er wird bei uns aber nur selten als solcher behandelt. Das ist schade, denn für die physische und psychische Entwicklung der Kleinen ist der Elternkörper optimal.

von Sigrid Tinz
© Isabell Klett

Afrika, vor Tausenden und aber Tausenden Jahren: Durchs Savannengebüsch streift eine Horde Menschen, alt und jung. Die Allerjüngsten hocken eng an an ihre Mütter gekuschelt auf deren ausgeprägten Hüften, die etwas Größeren reiten auf Vaters breiten Schultern. Ob neugeboren oder im Krabbelalter, der Nachwuchs ist immer dabei, bis er selber laufen kann.

Menschliche Säuglinge sind seit Urzeiten Traglinge. Anders als ein Nestflüchter kommen sie nicht fix und fertig zur Welt und trapsen nicht schon im Alter von wenigen Minuten der Mutter hinterher. Sie kuscheln sich aber auch nicht wie blinde und taube Nesthockerbabys in den heimischen Bau und dösen dort der Rückkehr ihrer Eltern entgegen. Schließlich ist der Mensch von Natur aus Nomade, und als Nomade schlief er jede Nacht woanders.

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Zwei Drittel der Weltbevölkerung tragen auch heute noch

Auch die alten Ägypterinnen und die Maya-Frauen, die Indianersquaws oder Maria und Josef trugen ihre Kinder. Meist in Körben, Matten, Tüchern oder Netzen, um die Hände zum Arbeiten frei zu haben. Zwei Drittel der Weltbevölkerung tragen auch heute noch, hauptsächlich in den traditionell orientierten Kulturen Lateinamerikas, Asiens und Afrikas.

Europa, Anfang des 19. Jahrhunderts: Britische Wagenmacher bauen die ersten, dreirädrigen Kinderwagen. Bald entwickelt sich die Erfindung vom Statussymbol der besseren Leute zum wahren Volkswagen. Tragen gilt rasch als ordinär und gerät irgendwann so gut wie in Vergessenheit. Jedenfalls bei den Eltern.

Kümmerlicher Ersatz

Aber auch moderne Babys haben das Tragling-Dasein noch im Blut, zum einen wegen ihrer kollektiven Entwicklungsgeschichte, zum anderen durch neun Monate Schaukeln im Mutterbauch. Selbst wenn sich die Hersteller noch so sehr um Bequemlichkeit bemühen: Der Kinderwagen schafft da nur kümmerlichen Ersatz.

In den Armen eines vertrauten, warmen und atmenden Menschen getragen zu werden fühlt sich eben anders an, als einen Meter vor diesem hergeschuckelt zu werden, abgeschnitten von der Außenwelt durch ein dickes Federkissen. So manches Baby läßt sich nicht täuschen, weint und weint, sobald es hingelegt wird, und mag auch Schnuller, Schnuffeltuch und Spieluhr nicht als Ersatz für Mutters Nähe akzeptieren.

Die Hyänen warteten schon

Der kleine Konstantin zum Beispiel wollte immer nur auf Mamas Arm. Trinken, schlafen oder einfach zuschauen, was die so machte. „Sonst war er ein richtiger Schreiteufel“, sagt seine Mutter. Kein Wunder, sagen Ethnologen und Verhaltensbiologen: Der Brauch, Babys die meiste Zeit des Tages abzulegen, ist nicht viel älter als der erste Kinderwagen.

Das ist nichts, verglichen mit der stammesgeschichtlichen Entwicklung des Menschen. Lange Jahrtausende hindurch bedeutete es höchste Gefahr, alleine auf dem Rücken zu liegen, keine Bewegung, keinen Körperkontakt zu spüren. Hunger drohte, die Hyänen warteten schon, und Schreien war die einzige Chance, wiedergefunden zu werden, bevor die Horde weiterzog. Das sichere Bettchen existiert in Babys Vorstellung also erst mal nicht - auch wenn sich ältere Kinder später gerne daran gewöhnen.

Die Eltern waren begeistert

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