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Alles im grünen Bereich : Ick hör dir trapsen

Bild: Charlotte Wagner

Ihre Gesangskünste sind legendär. Deshalb musste man einst sogar Steuern auf Nachtigallen entrichten.

          Mit etwas Glück kann man nun wieder die Nachtigall hören. Der unscheinbare Vogel verbringt den größten Teil des Jahres in Afrika und kommt nur für kurze Zeit zum Brüten nach Mitteleuropa. Die Gesangskünste der Männchen sind legendär, angeblich beherrschen sie zweihundert Strophen und mehr. Mal ist es ein Schlagen, mal ein Schluchzen, das etliche Dichter und Komponisten ins Schwärmen gebracht hat. Der Naturforscher Johann Matthäus Bechstein, der als „Vater der deutschen Vogelkunde“ gilt, hat versucht, den Nachtigallengesang in Silben zu fassen. Heraus kam:

          Kuioo trrrrrrrtzt

          Lu lu lu ly ly ly li li li li

          Kuio didl li lulyli

          Ha guur guur kui kuio!

          Ghi, ghi, ghi …

          und so weiter und so fort. Ich selbst kann als einzig positive Erinnerung an meine Zeit bei der Bundeswehr verbuchen, dass wir einmal nach einer Nachtübung völlig verratzt zum Sammeln antraten, und noch ehe der Unteroffizier seine Kommandos loswerden konnte, erklang aus dem Gebüsch eine Melodie, die selbst der abgebrühteste Kämpfer als Antidot zum militärischen Gebrüll wahrnehmen konnte.

          Um Weibchen zu beeindrucken, verausgaben sie sich auch nachts

          Warum Luscinia megarhynchos, anders als andere Singvögel, nicht nur morgens und abends, sondern auch mitten in der Nacht loslegt, ist mit den üblichen Schablonen der Evolutionsbiologie nicht zu erklären. Untersuchungen im Elsässer Naturschutzgebiet der Petite Camargue konnten immerhin zeigen, dass sich derart nur die Männchen verausgaben, die noch keine Partnerin gefunden haben. Vor allem in der Zeit zwischen zwei und vier Uhr versuchen sie, auf diese Weise Interessentinnen anzulocken. „Sie singen nachts, weil die Weibchen das so wollen“, meint der Verhaltensbiologe Valentin Amrhein, der darüber seine Doktorarbeit geschrieben hat. Eine hieb- und stichfeste Letztbegründung ist das freilich nicht.

          Als Bodenbrüter, der lichte Laub- und Auwälder mit ausreichend Unterholz und einer dicken Krautschicht liebt, hat es die Nachtigall in der ausgeräumten Kulturlandschaft zunehmend schwer. Die Zahl der Brutpaare wird in Deutschland auf knapp einhunderttausend geschätzt, im Vergleich zu zehn Millionen Kohlmeisen ist das nicht viel.

          Sorgen um die Königin der Nacht hat man sich bereits im späten 17. Jahrhundert gemacht. Weil es in Mode gekommen war, Nachtigallen in Käfige zu sperren, um sich an ihren Künsten zu erfreuen, erließen zahlreiche Landesherren Schutzverordnungen. Im Kurfürstentum Trier war es bei einer Strafe von sechs Goldgulden oder Turmhaft mit Wasser und Brot verboten, die Vögel zu fangen oder ihre Eier zu sammeln; mutwilligen Knaben, die zu diesem Zweck losgeschickt wurden, drohte die Rute oder der Stock. Später ging man im Deutschen Reich dazu über, Luxussteuern auf gefangene Nachtigallen zu erheben – eine Art ökologischer Lenkungsabgabe, wie sie heute beispielsweise fällig wird, wenn sich jemand partout ein Auto mit hohem Ausstoß von Schadstoffen leisten will. Der Numismatiker Niklot Klüßendorf hat die Geschichte der Nachtigallensteuern im Jahrbuch der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft 2016 detailliert nachgezeichnet. Man lernt daraus: Grüne Fiskalpolitik war mal ein Herzensanliegen der Obrigkeit.

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