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Biologisches Kopieren : Ein Klon, ein guter Klon ...

Klonkatze CC Bild: ASSOCIATED PRESS

Die besten Freunde des Menschen? Bekanntlich Hund und Katze. Sind ihre Tage dereinst gezählt, ist die Trauer groß. Warum nicht für perfekten Ersatz sorgen? Ein Ausflug in die Klonszene.

          Manche Geschichten dauern etwas länger, bis sie ein Happy End finden. Zum Beispiel diese: „Amerikanischer Millionär lässt seinen Hund klonen.“ Das klang 1997 wie ein Scherz. Ein Jahr zuvor hatte Klonschaf Dolly Schlagzeilen gemacht. Und jetzt sollte die Großtat wiederholt werden? Um einen Vierbeiner zu verewigen?

          Jörg Albrecht

          Verantwortlich für das Ressorts „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Missy hieß der fragliche Mischling, eine Kreuzung aus Border Collie und Husky. Eine Seele von Hund, schwärmten die Besitzer. Das Ganze sei keineswegs als Witz gedacht, bestätigten Veterinäre von der Texas A&M University. Man brauche dafür nur die richtige Technik, genügend Zeit und Geld. Dank einer großzügigen Spende hätten sie alles zusammen. Sie nannten es „Projekt Missyplicity“.

          In Duane Kraemers Büro am College of Veterinary Medicine stapeln sich die Zeugnisse eines langen Forscherlebens. Fachbücher, Sonderdrucke, Ehrenurkunden, Stahlschränke voller Hängeakten. An der Wand hängt sein Leitspruch: „Wir helfen Ihnen, Ihre Träume zu erfüllen. Also träumen Sie große Träume!“ Gleich nebenan die Laborräume. Das Reproductive Lab, ein quadratischer Flachbau am University Drive West, vollgestopft mit dem üblichen Equipment, wurde damals zum Hauptquartier.

          Snuppy, der geklonte Afghane

          Der nächste Sündenfall der Menschheit

          Kraemer war zuständig für den heiklen Teil: Wie kommt man an reife Hundeeizellen? Weil Hündinnen in dieser Hinsicht chronisch unzuverlässig sind und nur alle sechs bis zwölf Monate läufig werden, musste eine ganze Meute her. Sechzig weibliche Beagles wurden auf dem weitläufigen Campus der Tiermediziner in einem eigens zu diesem Zeck errichteten Holzhaus im Südstaatenstil untergebracht, betreut von einer Trainerin, die sie, nach Abschluss der Experimente, auf Adoptionen durch zuverlässige Hundehalter vorbereiten sollte. „Housebreak Hotel“ (Hotel Stubenrein) hieß es unter den Mitarbeitern.

          Täglich wurden Vagina und Hormonspiegel beobachtet, um den Zeitpunkt des Eisprungs nicht zu verpassen. War es so weit, schlüpfte Duane Kraemer in seine grünen Chirurgenoverall, anästhesierte die paarungsbereite Hündin, öffnete die Bauchdecke, tastete nach dem Eileiter, stülpte ihn nach außen, legte einen Katheter und spülte die Eier durch eine Kanüle in eine sterile Petrischale. Der Schnitt wurde wieder vernäht, die Hündin kam zurück zu ihren Artgenossinnen. Und Kraemers Team konnte ans Klonen gehen.

          „Klonen“ war um die Jahrtausendwende herum das Reizwort schlechthin. Ein goldenes Zeitalter für Landwirte und Mediziner schien bevorzustehen. Oder der nächste Sündenfall der Menschheit. Noch grundsätzlicher wurde die Debatte, als sich herausstellte, dass Embryozellen auf dem Wege des Klonens prinzipiell zu jeder Art von Gewebe heranwachsen können; embryonale Stammzellen würde man bald zur Reparatur jeglicher Gebrechen verwenden, hieß es. Jedes Jahr zu Weihnachten musste man insgeheim damit rechnen, dass irgendein Doktor Frankenstein oder eine Sekte das erste Klonbaby hervorzaubern würden. Und nun auch noch dieser texanische Bastard...

          Eine von ihnen wurde trächtig

          Eine Geschichte der misslungenen Experimente ist nie geschrieben worden. Es würde sich lohnen. Manche haben geholfen, unser Weltbild ein bisschen zurechtzurücken. Das Projekt „Missyplicity“ war eines davon.

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