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Bienenforschung : Nur das Beste für den Nachwuchs

  • -Aktualisiert am

Zukünftige Bienenköniginnen werden sogar nur mit der wertvollen Bienenmilch großgezogen. Bild: dpa

Honigbienen füttern ihre Larven mit einer besonderen Pollenkost. Die Bienenmilch enthält keine Pflanzengifte und schützt den Nachwuchs vor Infektionen.

          Chemische Waffen sind im Pflanzenreich weit verbreitet. Ein Küchenkraut namens Borretsch wehrt sich zum Beispiel mit Pyrrolizidinalkaloiden gegen hungrige Pflanzenfresser. Solche Toxine können nicht nur die Leber schädigen. Indem sie das Erbgut verändern, können sie langfristig auch Krebs hervorrufen. Toxikologen empfehlen deshalb, den Borretsch, wenn überhaupt, nur sparsam in der Küche zu verwenden. Giftstoffe können in allen Pflanzenteilen stecken. Mitunter ist die Konzentration in den Pollenkörnern sogar noch höher als in den Blättern. Für Insekten, die sich am Nektar laben und dabei Pollen von Blüte zu Blüte tragen, spielt das keine Rolle. Bienen sammeln jedoch große Pollenmengen ein, um sich und ihren Nachwuchs mit Proteinen zu versorgen. Dass Arbeiterinnen der Honigbiene auf Pyrrolizidinalkaloide nicht sonderlich empfindlich reagieren, haben jetzt Schweizer Wissenschaftler gezeigt. Als weitaus sensibler entpuppten sich hier die Larven. Wie Christina Kast vom Zentrum für Bienenforschung in Bern und ihre Kollegen herausfanden, ist die Bienenbrut trotzdem nicht in Gefahr, durch Pyrrolizidinalkaloide vergiftet zu werden. Das Futter für die Larven enthält nämlich nur minimale Toxinmengen.

          Als Pollenquelle diente der Pyrrolizidinalkaloide produzierende Gewöhnliche Natternkopf (Echium vulgare). Dieser Vertreter der Borretschgewächse gedeiht vor allem auf sandigem oder steinigem Boden, nicht selten auch an Wegrändern. Im Sommer präsentiert er wochenlang Blüten, die rosarot aufblühen und sich dann allmählich blau färben. Schmetterlinge besuchen den Natternkopf gern, um Nektar zu saugen, und Bienen fliegen ebenfalls auf diese Blume. Außer Nektar sammeln sie dort auch Pollen. Deshalb stellt sich die Frage, wie schädlich ist das gattungstypische Pyrrolizidinalkaloid Echimidin für Honigbienen? Um das zu klären, haben Christina Kast und ihre Kollegen Frühlingspollen, der nicht von Natternkopfblüten stammte, aus den Bienenstöcken geholt. Später im Jahr wurde dieser Pollen mit dem Giftstoff des Natternkopfs angereichert und an Honigbienen verfüttert, die gerade aus ihrer Puppenhülle geschlüpft waren. Wie die Forscher in den „Proceedings of the Royal Society B“ berichten, nahm die Lebenserwartung der Bienen erst dann merklich ab, als sie als junge Arbeiterinnen etwa hundert Mikrogramm Echimidin geschluckt hatten. Damit sich die Bienen eine derart hohe Dosis einverleiben, müsste das gesamte Volk ausschließlich Pollen von Natternkopfblüten sammeln. Das ist jedoch unrealistisch, weil der Natternkopf nirgends in Monokultur wächst.

          Bienensekret verwandelt Pollenbrot in Milch

          Jede einzelne Honigbiene spezialisiert sich zwar gern auf eine bestimmte Art von Blüten. Die vielen Sammlerinnen eines Bienenvolks besuchen aber ganz verschiedene Blumen, die in der Umgebung blühen. Arbeiterinnen, die im Innendienst tätig sind, stellen aus dem gesammelten Pollen sogenanntes Bienenbrot her, indem sie diesen mit Honig vermengen. Pollenkörner unterschiedlicher Herkunft werden dabei zwangsläufig vermischt. Von dem Bienenbrot zehren dann vor allem junge Arbeiterinnen, die sich der Brutpflege widmen. Dank solch eiweißreicher Verpflegung können sie mit ihren Schlund- und Mandibeldrüsen ein milchiges Sekret produzieren, sogenannte Bienenmilch. Damit ernähren sie die Larven in den Brutwaben. Künftige Königinnen werden sogar ausschließlich mit dieser besonders bekömmlichen Kost großgezogen.

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