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Veröffentlicht: 04.01.2015, 08:00 Uhr

Asperger-Syndrom Ein Autist in der Arbeitswelt

Menschen mit Asperger-Autismus haben häufig besondere Talente. Trotzdem sind mehr als vierzig Prozent von ihnen arbeitslos, weil sie ständig anecken. Doch langsam passen sich erste Unternehmen an. Auch ein Betroffener wagt sich vor – mit einem Buch zum Thema.

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© dpa Allein unter Kollegen: Asperger-Autisten verstehen oft die Zwischentöne der Teamkommunikation nicht.

Als sein Kollege einen Programmierfehler machte, schrieb Peter Schmidt das in eine Mail und schickte sie an ihn, die anderen im Team, den Kunden und den Chef. Denn er ist ehrlich und direkt. „Damit haben Sie dem Team einen Bärendienst erwiesen“, sagte der Chef zu ihm, und Schmidt freute sich. Denn er nimmt die Dinge wortwörtlich. Und Bärendienst klingt nach einem großen Dienst. Jahrelang wunderte er sich, warum er die Welt so anders wahrnahm als andere, warum er bei seinen Bemühungen, Karriere zu machen, immer an zwischenmenschlichen Konflikten scheiterte, die er nicht verstand oder nicht mal als solche wahrnahm. Warum es ihm unmöglich war, in einem Großraumbüro zu arbeiten oder Smalltalk zu machen. Und warum die Kollegen nicht erkennen konnten, wenn bestimmte Abläufe nicht effizient waren. Im Jahr 2007, 41 Jahre alt, bekam er eine Antwort auf all diese Fragen in Form einer Diagnose: Peter Schmidt ist Autist. Seither steht in seiner Personalakte „schwerbehindert“.

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Peter Schmidt, dunkles Hemd, Jeans, Brille mit schmalem goldenen Rand, sitzt an einem Stand der Frankfurter Buchmesse. Hier stellt er sein Buch über seine Erfahrungen im Arbeitsleben vor. Es heißt „Kein Anschluss unter diesem Kollegen“. Peter Schmidts Weg in den Beruf war schwer: Schon in der Schule waren die Pausen für ihn anstrengender als der Unterricht. Aber er hatte immer gute Noten. An der Uni mied er die Mensa und die überfüllte Bibliothek, hasste es, im Vorlesungssaal immer auf verschiedenen Plätzen sitzen zu müssen. Trotzdem promovierte er erfolgreich in der Geophysik über Vulkane. Die Probleme gingen erst beim Berufseinstieg so richtig los. Auf unzählige Bewerbungen erhielt er keine Antwort oder wurde nach dem Vorstellungsgespräch nicht genommen. Doch als er dann die erste Anstellung hatte, fand er auch weitere, weil er durch seine fachliche Kompetenz überzeugen konnte. Die Firma, bei der er heute arbeitet, hat ihn sogar abgeworben. Denn Schmidt weiß nicht nur alles über Vulkane, er kann auch komplexe Software programmieren.

Starkes Spezialinteresse

Viele Asperger-Autisten haben ein solches Spezialinteresse, in dem sie überdurchschnittlich talentiert sind. Trotzdem sind mehr als vierzig Prozent von ihnen arbeitslos. Andere Schätzungen gehen davon aus, dass sogar sechzig bis achtzig Prozent dieser Menschen arbeitslos sind oder in einem Job arbeiten, der sie intellektuell unterfordert, etwa in einer Behindertenwerkstatt. Von den Autisten mit eingeschränkter Intelligenz sind sogar 95 Prozent arbeitslos. Der Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Behinderung ist laut einer Studie der amerikanischen Nationalen Gesundheitsinstitute vom Herbst 2013 bei Autisten höher als etwa bei Lernbehinderten oder Menschen mit Sprachstörungen. Vor allem der Berufseinstieg fällt ihnen schwer: Nur gut die Hälfte (53,4 Prozent) der Menschen mit Autismus zwischen 21 und 25 Jahren hatten einen bezahlten Job, seit sie die Schule verlassen haben – der niedrigste Wert unter allen untersuchten Gruppen. Dabei wollen Autisten durchaus arbeiten. Finden sie keine Stelle, führt das zu weiterer sozialer Isolation und oftmals zu Depressionen, an denen vierzig Prozent aller Autisten leiden.

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