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Alles im grünen Bereich : Ohne Moos nicht viel los

Bild: Charlotte Wagner

Es ist schwierig, Moos aus seinem Garten zu vertreiben. Noch viel schwieriger ist es, es anzusiedeln.

          Anfang März wird es kritisch im Garten. Beim Nachbarn ganz besonders. „O je, der schöne Rasen“, seufzt er, „alles voller Moos.“ Und dann wird aufgefahren, was der Schuppen hergibt, der Vertikutierer kommt wieder zum Einsatz, Eisensulfat, Kalk und Dünger werden gestreut, gegebenenfalls Sand eingeharkt, neu gesät – alles, was Ratgeber so empfehlen. Moos ist der Todfeind des ordentlichen Gärtners. Wenn sich das Mistzeug obendrein in Pflasterfugen und Mauerritzen breitmacht, helfen nur noch Kärcher und Gasbrenner.

          Selbst ich habe das jahrelang so gehalten. Immer wieder den alten Steintrog und die Mauer gescheuert. Bis mir eines Tages auffiel, dass Moospolster ihren eigenen ästhetischen Reiz haben. Vor allem dann, wenn man sie mit der Lupe betrachtet. Aber auch so schaffen sie eine meditative, fast verwunschene Atmosphäre im Garten. Moose bilden sich überall dort, wo es wenig Licht und viel Feuchtigkeit gibt, von allein. Als relativ einfach organisierte Pflanzengruppe besitzen sie keine echten Wurzeln, nur dünne Zellfäden, sogenannte Rhizoide, mit denen sie sich an Steinen, Holz oder Baumrinde festkrallen. Wasser nehmen sie aus der Luft auf und speichern es in erstaunlichen Mengen. Das kann bis zum Zwanzigfachen ihres Trockengewichtes gehen. Sie können andererseits auch Trockenperioden und Frost überdauern. Man hat Moosfäden aufgetaut und erneut zum Grünen und Sprießen gebracht, die 1500 Jahre lang unter arktischem Eis begraben waren.

          Im Gartencenter braucht man nach Moos nicht zu suchen

          Moose waren wahrscheinlich die ersten Pflanzen, die vor mehr als vierhundert Millionen Jahren den Sprung aus dem Wasser ans Land geschafft haben. Bei der Fortpflanzung sind sie immer noch auf Wasser angewiesen, ihre männlichen Geschlechtszellen legen die Strecke zu den weiblichen Archegonien schwimmend zurück. Dafür genügt ihnen bereits ein Tautropfen. Der Generationswechsel bei Moosen ist ein beliebtes Prüfungsthema für angehende Botaniker und allein schon ein Grund, sich näher mit diesen bescheidenen Vertretern des Pflanzenreichs zu beschäftigen.

          Das wird einem allerdings nicht leichtgemacht. Die allermeisten Pflanzenbestimmungsbücher fangen erst bei den Farnen an und lassen die gefäßlosen Moose außen vor. Die Bryologie, also die Wissenschaft von den Moosen, führt an den Universitäten, ähnlich wie ihr Untersuchungsgegenstand selbst, ein Schattendasein. Nur wenige Botanische Gärten kultivieren Moose unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten, beispielsweise der in Berlin-Dahlem. Als Privatgärtner muss man lange suchen, bis man auf Vorschläge stößt, wie sich Moos eventuell ansiedeln ließe, statt es mit Stumpf und Stiel zu vertreiben. Das einzige deutschsprachige Buch zu diesem Thema hat der 2014 verstorbene Botaniker Jan-Peter Frahm von der Universität Bonn verfasst; es ist inzwischen vergriffen. Die Michigan Technological University hat immerhin ein Lehrbuch zur Ökologie der Bryophyten ins Netz gestellt, das einiges über die Verwendungsmöglichkeit von Moospflanzen aufführt. Wer einfach ins Gartencenter geht und ein paar Moospflanzen kaufen möchte, ist jedoch aufgeschmissen: Dort bekommt er zwar jede Menge Torf. Das ist ebenfalls ein Moos. Aber ein mausetotes.

          Fortsetzung nächste Woche

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