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Alles im grünen Bereich : Des Gärtners Leitkultur

Bild: Charlotte Wagner

Auch unter Pflanzen gibt es Migranten. Sie richten sich gern da ein, wo der Städtebau versagt.

          Dieser Tage ist wieder viel von der Leitkultur die Rede. Wohl wenige wissen, dass der Begriff aus der Agrarwissenschaft stammt. Gemeint ist damit diejenige Nutzpflanze, die in einer bestimmten Region am häufigsten angebaut wird. In der Lüneburger Heide ist es die Kartoffel, in der Köln-Aachener Bucht die Zuckerrübe, in den Steillagen der Mosel die Weinrebe. Daneben kennt der Landwirt noch Begleitkulturen, wenn etwa Hackfrüchte auf Getreide folgen, um den Boden zu regenerieren.

          Im Garten stellt sich das kleinräumiger dar. Für Schrebergartenvereine gilt die Regel, dass Obst und Gemüse, Rasen und Zierpflanzen sowie Laube und Sitzplatz jeweils nicht mehr als ein Drittel der Parzelle einnehmen sollen. Gar kein Platz vorgesehen ist für unbearbeitete Flächen, denn auf denen würden sich im Handumdrehen grüne Migranten einfinden, die im Bundeskleingartengesetz nicht vorgesehen sind.

          Ich bin zwar Kleingärtner, aber zum Glück nicht organisiert. Deshalb kann ich Jahr für Jahr in Ruhe betrachten, was sich in manchen Ecken von allein breitmacht. Vergangene Saison war es der Gundermann, diesmal haben ihn die Maiglöckchen überrundet. Beides sind ausgesprochene Kriecher, offenbar kommen sie sich mit ihren Rhizomen ins Gehege. Eine andere Strategie verfolgen Wiesenpflanzen, die vor allem auf Verbreitung durch Samen setzen. Leider reicht es nicht, ein Stück Garten umzugraben, um darauf zu hoffen, dass von selbst eine bunte Wiese angeflogen kommt. Im Boden ruht meist ein Vorrat unerwünschter Kandidaten, die allenfalls das hervorbringen würden, was der Botaniker eine Ruderalflora nennt.

          Nur wenige goutieren den Anblick von Brennnesselfeldern

          Die findet man vorzugsweise dort, wo ehemals bebaute Flächen aufgegeben werden. In vielen Städten sind das unrentabel gewordene Industrie- und Gewebegebiete oder Plattenbausiedlungen, die an Attraktivität verloren haben. Wenn weder Geld noch Nachfrage reichen, um neue Wohnhäuser hochzuziehen oder einen gepflegten Park anzulegen, steht die Kommune vor der Frage, was dort geschehen soll.

          Nur wenige Bürger goutieren den jahrelangen Anblick von Brennnesseläckern oder Distelhainen. Artenreiches Grünland wäre eine Alternative. Das geht auf dem Land durch die Intensivwirtschaft mehr und mehr verloren. Im Berliner Bezirk Hellersdorf-Marzahn hat man deshalb vor zehn Jahren einen Versuch gestartet, wie sich urbane Brachen durch Renaturierung in echte Wiesen verwandeln ließen. Dazu nächste Woche mehr.

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