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Forschers „Fake News“ : Was soll der Quatsch?

Gefährliches Halbwissen: Wenn wissenschaftliche Ergebnisse zu alternativen Fakten verkommen. Bild: dpa

Wer ist schon frei von Fehlern? Wissenschaft jedenfalls nicht. Mit dem Postfaktischen wird nur alles schlimmer. Verbrüdern also gegen schwarzen Schafe? Trump ist auch da seiner Zeit voraus. Eine Glosse.

          Wir werden aktuell Zeugen einer bemerkenswerten Aufweitung des Begriffes „Quatsch“: Da gibt es Postfaktisches, alternative Fakten, „Fake News“, Artikel die nur aus Versehen oder aufgrund von Unfähigkeit falsch sind. Die Tatsache, dass es all diese Spielarten des Unsinns auch in der Wissenschaft gibt, bereitet derzeit nicht nur Wissenschaftlern Kopfzerbrechen, sondern auch denen, die Forscher und deren öffentliche Spuren kritisch beobachten.

          Sibylle Anderl

          Redakteurin im Feuilleton.

          Die Kommunikationswissenschaftlerin Dominique Brossard etwa hat auf der AAAS-Konferenz in Boston gefordert, besser zu überwachen, was mit wissenschaftlichen Meldungen passiert. Institutionen sollten einschreiten, wenn Studien in den Medien falsch interpretiert werden. Außerdem sollten die Forscher selbst kommunikativ im Kampf gegen Fake News und falsche Berichterstattung aktiv werden und sich dabei empathisch auf ihre wissenschaftsexternen Adressaten einstellen. Wie wichtig Letzteres tatsächlich ist, betont der Psychologe Matthew Hornsey. Das altbekannte Problem: die Leute hören nur das, was sie hören wollen - und das entspricht nicht immer der Faktenlage. Nur wer laut Hornsey Wissenschaft so kommuniziere, dass es den Wünschen der Adressaten zumindest ein bisschen entspreche, könne diese überhaupt erreichen und gegen den um sich greifenden Wissenschafts-Skeptizismus kämpfen. Dieser Skeptizismus trifft die Wissenschaftler allerdings nicht ganz unschuldig.

          Die leidige Reproduktionskrise, resultierend aus einer verbreiteten Unfähigkeit, wissenschaftliche Ergebnisse wiederholt zu erzeugen, liege nicht nur an der Statistikschwäche vieler Wissenschaftler, sondern auch an fehlender Sorgfalt, beschreibt die Neurologin Rochelle Tractenberg. Sie forderte daher auf dem AAAS-Treffen eine Statistik-Ethik: gewissenhafte Analyse, volle Transparenz und keine statistische Rosinenpickerei. Ob sich diese Forderung durchsetzen kann, um einer postfaktischen Forschungspraxis Einhalt zu gebieten, bleibt zu bezweifeln. Umso mehr, als Wissenschaft nie interessenfrei operiert. In Boston warnte der Philosoph Kevin Elliott vor blindem Vertrauen in wissenschaftliche Ergebnisse. Genau wie anderswo gebe es auch hier vorsätzlich verbreitete alternative Fakten, ohne dass die normalerweise so verlässliche Quatsch-Allergie der allermeisten Wissenschaftler dies verhindern könnte. Wenn es um Geld, Einfluss und Interessenkonflikte gehe, sei laut Elliott kein Kraut gegen wissenschaftliche Zensur, Falschaussage oder Manipulation gewachsen - nicht nur bei Volkswagen, oder der Tabak- und Ölindustrie. Beunruhigend mag vor diesem Hintergrund sein, dass eine auf derselben Tagung präsentierte Studie zeigt, dass Forschungskollaborationen mit erschreckender Geschwindigkeit immer größer und immer internationaler werden. Zwischen 1990 und 2015 ist die Zahl von Studien internationaler Autorengruppen von zehn auf 25 Prozent gestiegen. Wenn das so weitergeht, stecken bald weltweit alle Wissenschaftler unter einer Decke und können machen, was sie wollen. Nun verstehen wir plötzlich auch, warum Trump die amerikanische Forschung durch geplante Einreiseverbote und Visabeschränkungen an internationalen Kooperationen hindern will: Wahrscheinlich ist es Teil seines persönlichen Kampfes gegen „Fake News“.

          Quelle: F.A.Z.

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