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Krankenhausversorgung : Es geht auch billiger

  • -Aktualisiert am

Damit sich Patienten nicht mit Keimen anderer anstecken, gelten für Operationsräume bestimmte Vorschriften. Bild: dpa

Deutsche Kliniken müssen Spezial-OP-Säle vorhalten. Eine Studie zeigt jetzt: Hygienisch ist das Unsinn.

          In einem Operationssaal sollte kein Patient durch den vor ihm operierten Patienten gefährdet werden. Dieser Grundsatz hat in Deutschland zu der Empfehlung geführt, Kliniken zur Einrichtung von zwei Operationsräumen zu verpflichten, einen für septische Eingriffe, bei denen die Patienten infiziert sind, und einen für aseptische Eingriffe.

          Kein anderes Land der Welt hat sich diese Empfehlung je zu eigen gemacht. Gleichzeitig hat Deutschland im internationalen Vergleich nie eine besonders niedrige Rate an postoperativen Wundinfektionen gehabt. Die Diskussion über die Sinnhaftigkeit der vierzig Jahre alten Empfehlung ist daher fast so alt wie die Empfehlung selbst. Auch die vielen technischen und hygienischen Neuerungen der vergangenen Jahrzehnte sprechen gegen getrennte Operationsräume.

          Studie zeigt: Keimbelastung bleibt ähnlich

          Eine Studie des Chirurgen Markus Büchler vom Universitätsklinikum Heidelberg und des Hygienikers und Umweltmediziners Axel Kramer von der Universitätsmedizin Greifswald zeigt nun eindeutig, dass sich die Forderung nach zwei getrennten Operationsräumen jedenfalls nicht an der Keimbelastung festmachen lässt. Wie sie im „Deutsches Ärzteblatt“ berichten, ist selbst in einem Operationssaal ohne raumlufttechnische Anlage – also unter den denkbar schlechtesten Bedingungen – die Keimbelastung in der Raumluft beim septischen Eingriff nicht anders als beim aseptischen Eingriff.

          Auch auf dem Boden und an den Wänden des OP-Raums ließen sich keine relevanten Unterschiede in der Keimbelastung nachweisen. Die wenigen nach einer Operation in der Raumluft verbliebenen Erreger, waren in den untersuchten Fällen derart vereinzelt, dass sie nie die für eine Wundinfektion nötige Infektionsdosis erreicht hätten. Die meisten Operationssäle haben heute ohnehin eine raumlufttechnische Anlage, die die gesamte Raumluft über zwanzigmal in der Stunde austauscht und Keime entfernt.

          Kaum mehr als hohe Kosten

          Trotzdem bestehen die Unfallversicherungsträger auf der Trennung in septische und aseptische Operationsräume. Kliniken, die Wege- und Arbeitsunfälle zu Lasten der Berufsgenossenschaften abrechnen wollen, müssen getrennte Räume vorhalten. Für Peter Bischoff und Petra Gastmeier von der Charité in Berlin ist diese Forderung unsinnig und überholt.

          Die Verantwortlichen sollten ihrer Meinung nach anerkennen, dass die vorgeschriebenen routinemäßigen Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen der Flächen und Gegenstände nach jedem Eingriff sowie die Umsetzung evidenzbasierter Maßnahmen ausreichen sollten, das Risiko für postoperative Wundinfektionen zu minimieren. Die beiden Experten für Hygiene und Umweltmedizin fordern daher ein Ende der Raumtrennung.

          Den Kliniken entstehen durch das Vorhalten von zwei getrennten Operationsräumen hohe Kosten, da jeder Raum ein getrenntes Zugangs- und Schleusensystem braucht, eine getrennte Klimaanlage, getrennte Instrumente und Wäsche sowie ein getrenntes Versorgungs- und Entsorgungssystem. Wenn alle Operationen in einem Raum stattfinden, sind die Investitionskosten deutlich geringer und die Operationsräume können viel besser ausgelastet werden.

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