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Kosmischer Raubzug Himmelsschätze

Gnadenlos werden die irdischen Bodenschätze ausgebeutet, Doch dem nicht genug: Finanzkräftige Investoren und skrupellose Schatzsucher spähen schon nach den Rohstoffen, die im Inneren von manchem Asteroiden schlummern.

© AP Vergrößern Asteroid Flyby: Schlummern im Inneren Bodenschätze?

Der Energie- und Rohstoffhunger der Menschen kennt bekanntlich keine Grenzen. Während die einen, den Blick stur nach unten gerichtet, die Erde immer weiter aushöhlen, greifen die anderen buchstäblich nach den Sternen. Denn was viele nicht ahnen: Der Himmel ist eine wahre Goldgrube. Hier schweben unzählige Asteroide, die vollgepackt mit Platin und weiteren Pretiosen nur darauf warten, in Handys und anderen irdischen Gerätschaften eine nutzbringende Verwendung zu finden. Zwei amerikanische Visionäre haben das enorme Potential des „Asteroid Mining“ längst erkannt und ein Unternehmen gegründet, das sich der Aufgabe stellt, die „tief hängenden Früchte des Solarsystems“ zu pflücken.

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Lukratives Geschäftsmodell

Da die Schürfrechte im All bislang noch nicht vergeben sind, schicken sich die Leiter von „Planetary Resources“ an, die himmlische Ernte möglichst bald einzufahren. Ihr Geschäftsmodell scheint dabei nicht aus der Luft gegriffen zu sein. Jedenfalls ist es ihnen gelungen, mehrere finanzstarke Investoren mit in ihr stellares Boot zu holen. Hierzu zählen unter anderem die beiden Google-Milliardäre Larry Page und Eric Schmidt sowie der Titanic-Regisseur James Cameron, der nach seinem Trip auf den Meeresgrund vermutlich etwas frische Luft schnappen möchte.

Himmlische Rohstoffsucher

Was die Strategie betrifft, wollen die Projektleiter erst einmal geeignete Teleskope im All installieren, um nach brauchbaren Asteroiden Ausschau halten zu können. Denn nicht bei jedem in Erdnähe vorbeidüsenden Himmelkörper lohnt es sich, gleich Hammer und Spitzhacke anzusetzen. Ist die Auswahl erst getroffen, kann die Schatzhebung beginnen. Wie lange es dauert, bis das erste Himmelsbergwerk eröffnet wird, steht freilich noch in den Sternen. Glaubt man den Leitern von Planetary Resources, könnte es in rund zehn Jahren so weit sein. Wie die himmlischen Rohstoffsucher außerdem verlauten lassen, interessieren sie sich nicht allein für Mineralien. Wenn sie schon am Werk seien, würden sie gleich auch noch die oft umfangreichen Wasservorräte der Himmelskörper anzapfen.

Rio+20 für das Weltall

Das hätte den entscheidenden Vorteil, dass die Astronauten und Weltraumtouristen ihren Durst vor Ort stillen könnten und nicht mehr auf irdischen Nachschub angewiesen wären. Eine weitere Möglichkeit sei, das stellare Quellwasser in seine Bestandteile aufzuspalten und den freiwerdenden Wasserstoff als Treibstoff für die Raumfahrzeuge zu verwenden. Für die Errichtung der außerirdischen Tankstellen werden derzeit noch Investoren gesucht. Längst hat in den Köpfen der kosmische Raubzug begonnen. Läuft er aus dem Ruder, brauchen wir schon bald eine Art Rio+20 für den Weltraum.

Quelle: F.A.Z.

 
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