http://www.faz.net/-gwz-8wfce

Religionsstudie : Können Veganer Katholiken sein?

  • -Aktualisiert am

Heilige Kommunion. Bild: AP/dpa

Fleischloses Essen ist gesund und immer beliebter, aber für die Eucharistie wird es zum Problem. Dürfen Veganer den Leib Christi essen? Theologen suchen nach einem Ausweg.

          Update 2. April 2017: Unser Autor, Josef König, ist ein Wiederholungstäter. Er ist nicht nur ein ausgesprochen meinungsfreudiger Blogger mit universitärem Hintergrund, er ist auch als notorischer Geschichtenerfinder mit ironischem Biss bekannt, der zum 1. April eines jeden Jahres zur Hochform aufläuft. Wir haben ihm gerne unsere Wissenschaftsseite zur Verfügung gestellt, um einer teuflischen Glaubensfrage nachzugehen. (Die Red.)

          Der wachsende Veganismus entzweit zunehmend katholische Veganer von ihrer Kirche:  Können sie noch Katholiken bleiben? Können sie weiter an der katholischen Feier der Eucharistie teilnehmen? Diese Fragen sind Gegenstand einer wissenschaftlichen Studie von Katholischen Dogmatikern und Fundamentaltheologen in Bochum. Erste Antworten klingen nach einem eindeutigen „Nein“; erste konkrete Ergebnisse der heute begonnenen Studie könnten nach bisherigen Informationen schon an Fronleichnam vorliegen.

          Gegenstand des Dissens ist die Eucharistie. In ihrem Zentrum steht das allerheiligste katholische Sakrament: die Kommunion. Gläubige nehmen mit der Hostie und dem Wein Fleisch und Blut Christi in sich auf. Dieser Glaube beruht auf dem 1. Korintherbrief Paulus: “Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis! Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sprach: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis!“ (1. Kor 11, 23-25).

          Finger weg vom Leib Christi?

          Diese sogenannte Transsubstantiation wurde auf dem Konzil von Trient (1545-1563) bekräftigt. Dem vorausgegangen war eine lange Diskussion der Interpretation der Metaphysik des Philosophen Aristoteles (384-322 v.Chr.). Ihr zufolge besteht jedes Ding aus der „Substanz“, seinem nicht sinnlich wahrnehmbaren Wesen, und den Akzidentien, seinen wahrnehmbaren Eigenschaften. Der vierte Laterankonzil 1215 hat die Transsubstantiation festgeschrieben. Seitdem ist sie integraler Katholischer Glaube: „Durch die Konsekration des Brotes und Weines geschieht eine Verwandlung der ganzen Substanz des Brotes in die Substanz des Leibes Christi, unseres Herrn, und der ganzen Substanz des Weines in die Substanz seines Blutes.“ Im Gegensatz zur Lehre Aristoteles’ werden durch durch die Transsubstantiation der Substanz die Akzidentien nicht verändert.

          Wie sollen also Veganer mit der Transsubstantiation umgehen? Können sie noch an der Feier der Eucharistie, also der heiligen Kommunion teilhaben, wenn dort tatsächlich Brot und Wein in Fleisch und Blut verwandelt gereicht werden? Oder verliert etwa die Katholische Kirche eine Bevölkerungsgruppe, die - zumindest in Deutschland - sich zunehmender Beliebtheit insbesondere bei jungen Menschen erfreut, die sich zu einer hoch moralischen Lebenshaltung bekennen, weil sie das Leid, das Menschen Tieren antun, nicht mehr mit ertragen können? Muss die Katholische Kirche ihre moralische Haltung heutigen Erfordernissen anpassen und damit womöglich einen zentralen Teil ihres Ritus umdeuten? Eine Spaltung könnte bei Beharren auf dem je eigenen Standpunkt unumgänglich werden.

          Mit großer Spannung werden daher erste Ergebnisse aus der wissenschaftlichen Studie erwartet. Dass sie gerade an Fronleichnam bekannt gegeben werden, dem Tag, an dem Katholiken das „Fest des heiligen Leibes und Blutes Christi“ feiern, könnte darauf hindeuten, dass die Katholische Kirche ihre harte Haltung nicht aufzugeben bereit sei. Dennoch sind Zweifel angebracht. Da Papst Franziskus die Modernisierung der Katholischen Kirche und des Glaubens vorantreibt, ist es wahrscheinlich, dass die Wissenschaftler das römische Plazet einholen. Das könnte dauern. So deutet einiges darauf hin, dass das Urteil erst in einem Jahr, also am 1.4.2018 gesprochen wird, am Ostersonntag, dem Tag der Auferstehung des Herrn.

          Der Autor

          Josef König ist Kommunikationsexperte. Er war lange Universitätspressesprecher. Heute arbeitet er als freier Journalist, er ist Gründer und Autor des Blogs „widderworte.de“.

          Weitere Themen

          Das Wundermittel Muttermilch Video-Seite öffnen

          Nicht nur gesund fürs Kind : Das Wundermittel Muttermilch

          Stillen ist eine ausgeklügelte Tüftelei der Natur. Jede Mutter passt ihre Milch ganz individuell auf ihr Baby an. Forschende haben herausgefunden, dass Stillen gut für Kinder und auch Mütter ist - es beugt zum Beispiel schweren Krankheiten vor.

          Die Neu-Vermessung der Welt Video-Seite öffnen

          Physik : Die Neu-Vermessung der Welt

          Das physikalische Bezugssystem, mit dem wir die Welt vermessen, wird überarbeitet. Es bekommt ein neues, besonders stabiles Fundament.

          Topmeldungen

          Matteo Salvini und Silvio Berlusconi

          Salvinis Taktik : Finanzpoker mit Brüssel

          Rom macht zu viele Schulden. Ein Bußgeld droht. Doch statt zu zahlen, verhöhnt Innenminister Salvini die „Bürokraten in ihrem Brüsseler Bunker“, denn er hat noch ein paar Asse in der Hinterhand.
          Jörg Meuthen, Ko-Vorsitzender der AfD, schaut während des Parteitags der Rechtspopulisten im Magdeburg am 16. November auf sein Smartphone.

          AfD-Parteitag : Für ein Europa in Dunkelblau

          Die AfD stellt in Magdeburg ihre Liste für die Wahl zum EU-Parlament auf. Mit dabei sind einige Vertreter des radikalen Flügels.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.